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Beziehungskolumne : Liebeskummer lohnt sich doch

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Gebrochenes Herz: Liebeskummer kennt jeder Bild: Picture-Alliance

Liebeskummer ist kein schönes Gefühl. Unsere Autorin findet trotzdem, dass sich Herzschmerz am Ende immer lohnt. Die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

          4 Min.

          Im Jahr 1964 hatte die schwedische Sängerin Siw Malmkvist mit dem Titel Liebeskummer lohnt sich nicht einen Nummer-eins-Hit, der sich sechs Monate lang in den deutschen Singlecharts hielt. Und noch heute, 57 Jahre später, dürften viele bei den Zeilen „Liebeskummer lohnt sich nicht my Darling, schade um die Tränen in der Nacht“ direkt die Melodie des Schlagers im Ohr haben.

          Auch mir wurde schon ein paar Mal gesagt, dass sich Liebeskummer nicht lohnt. Manchmal habe ich auch Sätze wie „Vergiss ihn einfach“ oder „Der ist es eh nicht wert“ zu hören bekommen. Aber Hand aufs Herz: Wenn man versucht, jemanden bewusst zu vergessen, denkt man doch meistens erst recht an diese Person. Und selbst wenn der andere es nicht wert ist, dass man um ihn auch nur eine Träne vergießt, tut man es doch sowieso.

          Nachdem meine letzte Beziehung in die Brüche gegangen war, telefonierte ich einen Tag nach der Trennung mit einer Freundin. Sie sagte ungefähr Folgendes zu mir: „Dir wird es jetzt zwei Wochen so richtig mies gehen. Aber glaub mir, dann wird es mit jedem Tag besser, und irgendwann bist du über ihn hinweg.“ Das mag zunächst nicht besonders hilfreich klingen, aber mir hat diese nüchterne Einschätzung tatsächlich geholfen. Ich habe den Schmerz einfach zugelassen.

          Natürlich ist es nicht unbedingt empfehlenswert, sich wochenlang alleine zu Hause zu verkriechen, literweise Eiscreme in sich hineinzuschaufeln, sich hemmungslos zu betrinken und anschließend selbst zu bemitleiden. Aber ich rate jedem, der Liebeskummer hat, diesen nicht von sich zu schieben. Das funktioniert sowieso nicht. Wer verdrängt, den holt der Schmerz zu einem späteren Zeitpunkt und ohne Vorwarnung wieder ein – und zwar gerade, wenn man dachte, man sei bereits über den anderen hinweg. So oder so zwingt uns der Kummer aber dazu zu reflektieren. Uns mit unseren eigenen Schwächen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen, das Erlebte zu verarbeiten und möglichst viel daraus zu lernen.

          Zum Beispiel, dass es immer einen Grund gibt, warum eine Beziehung scheitert. In Filmen oder Büchern werden uns Liebespaare vorgeführt, die eigentlich wie für einander geschaffen zu sein scheinen, aber durch eine höhere Macht voneinander getrennt werden. Sei es ein dunkles Geheimnis, gesellschaftliche Verpflichtungen, denen sie sich nicht entziehen können oder ein Missverständnis, das sich einfach nicht aufklärt. Aber in der Realität ist das anders. Auch wenn wir es manchmal nicht direkt wahrhaben wollen, gibt es immer einen Grund für eine Trennung. Weil man sich auseinandergelebt hat, zu unterschiedliche Ansichten und Zukunftsvorstellungen gehabt hat oder einer von beiden einfach nicht so stark empfunden hat wie der andere. Und wenn wir den Grund dann erkannt haben, verstehen wir irgendwann, dass es so, wie es gekommen ist, besser für uns ist. Und dass es keinen Zweck hat, den anderen noch weiter von uns überzeugen zu wollen.

          Es braucht nicht immer eine gescheiterte Beziehung

          Liebeskummer gibt es auch nach Affären. Dabei ist gar nicht entscheidend, wie lange diese gedauert hat. Manchmal reicht es auch, wenn man jemanden kennengelernt hat, mit dem man sich mehr vorstellen kann, und dann Gefühle entwickelt, die der andere nicht erwidert. Das ist dann zwar nur ein kleiner, aber deshalb nicht unbedeutender Liebeskummer.

          Ich habe mal jemanden getroffen, zu dem ich mich sehr hingezogen gefühlt habe und mit dem ich auffallend viele Gemeinsamkeiten hatte. Ich hatte das Gefühl, dass wir beide wirklich gut zusammenpassen würden, wollte ihn unbedingt noch näher kennenlernen und ihm mehr von meiner Welt zeigen – doch er zog sich plötzlich zurück. Immer wieder habe ich mich gefragt, was wohl gewesen wäre, wenn wir uns zu einem anderen Zeitpunkt kennengelernt hätten. Hätte dann mehr aus uns werden können? Konjunktive, die für immer Konjunktive bleiben. Erst viel später merken wir dann oft, dass die andere Person gar nicht so toll ist, wie wir zunächst gedacht haben – sondern wir lediglich unsere ganze Hoffnung und Wunschvorstellung eines Partners auf ihn oder sie projiziert haben. Dann sind wir zwar enttäuscht, doch jede Enttäuschung ist auch nur das Ende der Täuschung.

          Meine Freundin behielt recht. Ungefähr zwei bis drei Wochen lang habe ich ziemlich gelitten, nachts kaum geschlafen und ständig geweint. Dazu kam noch die Hoffnung, dass sich doch noch alles wieder fügen würde. Der ständige Gedanke: Mein Ex-Freund muss doch merken, dass es ein riesengroßer Fehler war, mich zu verlassen. Im Kopf bin ich wieder und wieder jedes kleine Detail unseres letzten gemeinsamen Tages durchgegangen und habe mich gefragt, ob wir noch zusammen wären, wenn ich dieses oder jenes nicht getan oder gesagt hätte. Und natürlich habe ich ständig auf mein Handy geschaut – in der Hoffnung, dass da eine Nachricht von ihm ist. Aber die kam nicht.

          Wenn wir Liebeskummer haben, glauben wir, dass wir nie wieder jemanden finden werden, der uns so gut versteht und so attraktiv, witzig oder intelligent wie diese eine Person ist – aber das ist völliger Blödsinn. Vielleicht hat jemand anderes diese oder jene Eigenschaft des Verflossenen nicht, aber passt dafür auf eine ganz andere, neue Weise zu uns. Und genau das macht es so spannend.

          Bei mir kam schließlich der Punkt, an dem ich den Zustand einfach akzeptiert habe. Manchmal war ich so mit anderen Dingen beschäftigt, dass ich, wenn mich der Liebeskummer wieder überkam, plötzliche bemerkte, dass ich stundenlang nicht daran gedacht hatte. Ich hatte mich mit Sport, Arbeit und Freunden weitestgehend abgelenkt und war nicht mehr ständig traurig.

          Eines der besten Gefühle auf der Welt

          Und dann, nach und nach, kam ich wirklich über ihn hinweg. Und jeder, der das Prozedere schon einmal durchgemacht hat, wie lange es auch dauern mag, weiß: Über jemanden endlich hinweg zu sein ist eines der besten Gefühle auf der Welt. Es gibt uns unseren Seelenfrieden zurück, und wir fühlen uns mit einem Mal stärker als je zuvor. Wir sind wieder ganz bei uns und glauben nicht mehr, dass wir den anderen brauchen, um glücklich zu sein. Als hätte man eine innere Katharsis durchlebt und sich von all der Schwermut befreit. Und all das Kopfzerbrechen, das Hoffen und Warten und Kontrollieren, ob sich der andere gemeldet hat, wird immer weniger – wie ein Feuer, das immer kleiner wird und schließlich nur noch Asche ist, die nichts mehr anrichten kann. Und dafür haben sich der Liebeskummer und all die Tränen gelohnt.

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          Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort mittwochs die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“, die „Fünf Dinge“-Kolumne und die Kolumne „Der Moment“. In der Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“ geht es um Liebe, Sex, Partnerschaft, das Single-Dasein – eben um alles, was uns in Beziehungsdingen so beschäftigt.

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