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Beziehungskolumne : Liebeskummer lohnt sich doch

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Gebrochenes Herz: Liebeskummer kennt jeder Bild: Picture-Alliance

Liebeskummer ist kein schönes Gefühl. Unsere Autorin findet trotzdem, dass sich Herzschmerz am Ende immer lohnt. Die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

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          Im Jahr 1964 hatte die schwedische Sängerin Siw Malmkvist mit dem Titel Liebeskummer lohnt sich nicht einen Nummer-eins-Hit, der sich sechs Monate lang in den deutschen Singlecharts hielt. Und noch heute, 57 Jahre später, dürften viele bei den Zeilen „Liebeskummer lohnt sich nicht my Darling, schade um die Tränen in der Nacht“ direkt die Melodie des Schlagers im Ohr haben.

          Auch mir wurde schon ein paar Mal gesagt, dass sich Liebeskummer nicht lohnt. Manchmal habe ich auch Sätze wie „Vergiss ihn einfach“ oder „Der ist es eh nicht wert“ zu hören bekommen. Aber Hand aufs Herz: Wenn man versucht, jemanden bewusst zu vergessen, denkt man doch meistens erst recht an diese Person. Und selbst wenn der andere es nicht wert ist, dass man um ihn auch nur eine Träne vergießt, tut man es doch sowieso.

          Nachdem meine letzte Beziehung in die Brüche gegangen war, telefonierte ich einen Tag nach der Trennung mit einer Freundin. Sie sagte ungefähr Folgendes zu mir: „Dir wird es jetzt zwei Wochen so richtig mies gehen. Aber glaub mir, dann wird es mit jedem Tag besser, und irgendwann bist du über ihn hinweg.“ Das mag zunächst nicht besonders hilfreich klingen, aber mir hat diese nüchterne Einschätzung tatsächlich geholfen. Ich habe den Schmerz einfach zugelassen.

          Natürlich ist es nicht unbedingt empfehlenswert, sich wochenlang alleine zu Hause zu verkriechen, literweise Eiscreme in sich hineinzuschaufeln, sich hemmungslos zu betrinken und anschließend selbst zu bemitleiden. Aber ich rate jedem, der Liebeskummer hat, diesen nicht von sich zu schieben. Das funktioniert sowieso nicht. Wer verdrängt, den holt der Schmerz zu einem späteren Zeitpunkt und ohne Vorwarnung wieder ein – und zwar gerade, wenn man dachte, man sei bereits über den anderen hinweg. So oder so zwingt uns der Kummer aber dazu zu reflektieren. Uns mit unseren eigenen Schwächen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen, das Erlebte zu verarbeiten und möglichst viel daraus zu lernen.

          Zum Beispiel, dass es immer einen Grund gibt, warum eine Beziehung scheitert. In Filmen oder Büchern werden uns Liebespaare vorgeführt, die eigentlich wie für einander geschaffen zu sein scheinen, aber durch eine höhere Macht voneinander getrennt werden. Sei es ein dunkles Geheimnis, gesellschaftliche Verpflichtungen, denen sie sich nicht entziehen können oder ein Missverständnis, das sich einfach nicht aufklärt. Aber in der Realität ist das anders. Auch wenn wir es manchmal nicht direkt wahrhaben wollen, gibt es immer einen Grund für eine Trennung. Weil man sich auseinandergelebt hat, zu unterschiedliche Ansichten und Zukunftsvorstellungen gehabt hat oder einer von beiden einfach nicht so stark empfunden hat wie der andere. Und wenn wir den Grund dann erkannt haben, verstehen wir irgendwann, dass es so, wie es gekommen ist, besser für uns ist. Und dass es keinen Zweck hat, den anderen noch weiter von uns überzeugen zu wollen.

          Es braucht nicht immer eine gescheiterte Beziehung

          Liebeskummer gibt es auch nach Affären. Dabei ist gar nicht entscheidend, wie lange diese gedauert hat. Manchmal reicht es auch, wenn man jemanden kennengelernt hat, mit dem man sich mehr vorstellen kann, und dann Gefühle entwickelt, die der andere nicht erwidert. Das ist dann zwar nur ein kleiner, aber deshalb nicht unbedeutender Liebeskummer.

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