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Hochzeitsserie – Teil 10 : Ein Relikt des Patriarchats

In Deutschland können die Partner ihren künftigen Namen nicht frei auswählen – wie es zum Beispiel in Schweden der Fall ist. Bild: akg-images

Noch immer tappen viele Frauen bei der Heirat in die Traditionsfalle und geben ihren Mädchennamen ab. Paare mit hoher Bildung entscheiden sich aber immer häufiger anders – und eine neue Option ist in Sicht.

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          Ein gemeinsamer Name als Paar oder Familie: Das ist vielen Eheleuten wichtig. Der Gesetzgeber lässt die Wahl, wessen Name das sein soll. Die große Mehrheit entscheidet sich für den Namen des Manns. Im Jahr 2016, als die Gesellschaft für deutsche Sprache zuletzt die Daten von 219 Standesämtern analysierte, waren es 72 Prozent. Nur sechs Prozent der Paare entschieden sich für den Namen der Frau. Die Zahl ist zwar rückläufig: 1976 waren es noch 97 Prozent, 1996 schließlich 80 Prozent. Trotzdem sagt der hohe Anteil einiges aus über den Status der Emanzipation und die Entwicklung der Rechtslage.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Die Implikationen, sagt Anne Rosar, die als Sprachwissenschaftlerin zur Namenswahl in der Ehe forscht, seien eindeutig. „Es handelt sich um ein Relikt des Patriarchats, das sich unter dem Deckmantel ‚Tradition‘ bis heute wacker gehalten hat. Der Zwang zum Namenswechsel entmündigte nicht nur Frauen, er zeigte auch einen ‚Besitzwechsel‘ vom Vater zum Ehemann an.“ Damit spiegele sich in der Namenswahl die ebenfalls noch verbreitete Sitte, nach der die Braut von ihrem Vater am Altar an den Bräutigam übergeben wird. „Viele Frauen hinterfragen das gar nicht“, sagt Rosar, „auch wenn sie emanzipiert sind.“

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