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Probleme in der Partnerschaft : Wie Unpünktlichkeit Beziehungen ruiniert

Wenn einer der beiden immer zu spät dran ist, kann das bei Paaren zu Verstimmungen führen. Bild: Picture-Alliance

Saskia will pünktlich ins Konzert – sonst lassen die einen gar nicht mehr rein. Ihr Partner Tom ist hingegen tiefenentspannt und schaut in Ruhe noch die Sportschau. Kann man ihr Dilemma lösen? Die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

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          Mit der Pünktlichkeit ist das ja so eine Sache. Die deutsche Pünktlichkeit ist legendär, einerseits. Menschen mit Migrationshintergrund, die erst seit kurzem in Deutschland leben, antworten auf die Frage: „Was gefällt dir besonders gut in Deutschland?“ fast immer: „Dass die Leute so pünktlich sind.“ (Und, als zweites: „Dass die Polizisten so nett sind.“) Aber das mit der Pünktlichkeit trifft, andererseits, eben nicht auf alle Menschen zu. Auch nicht auf alle Menschen, die in Beziehungen leben. Was bisweilen für erheblichen Stress sorgen kann.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Beispiel: Tom und Saskia haben sich einen Babysitter genommen, weil sie an einem Samstagabend in ein klassisches Konzert wollen. Die Karten haben sie schon. Sie wollen mit dem Auto fahren. Um pünktlich da zu sein, kalkuliert Saskia 30 Minuten Fahrtzeit ein, plus Zeit für die Parkplatzsuche und Mantelabgabe. Also fragt sie Tom bereits um 18 Uhr: „Wollen wir heute so um halb acht losfahren?“ Tom antwortet darauf nicht. Tut er nie.

          Um 19:15 Uhr, Tom hängt in Jogginghose auf der Couch und guckt die Sportschau, unternimmt sie einen neuen Vorstoß: „Du, Tohom, wenn wir um halb acht loswollen, müsstest du dich jetzt glaube ich langsam mal umziehen.“ Tom grunzt. Die spannendsten Bundesligaspiele werden ja erst um viertel vor acht gezeigt, das weiß Saskia inzwischen selbst.

          Um 19:25 Uhr erhebt sich Tom schließlich vom Sofa und geht ins Bad. Saskia wirft einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel und erzählt der Babysitterin zum zweiten Mal, dass die Kinder auf keinen Fall mehr fernsehen dürfen. Fünf Minuten später kommt Tom aus dem Bad. Er sieht jetzt gut aus, sucht aber seine Brille. Saskia sagt: „Wenn wir jetzt nicht losfahren, lassen die uns nicht mehr rein. Und alles nur wegen dir!“ Als Tom die Brille gefunden hat, ist es 19:35 Uhr. Saskia ist kurz vor dem Durchdrehen und fragt sich, warum sie Tom geheiratet hat. Tom sucht noch eben seinen Autoschlüssel.

          Als beide schließlich im Auto sitzen, ist es 19:39 Uhr. Tom fährt viel zu schnell und schafft die Strecke, für die Google Maps 20 Minuten berechnet hat, in 18 Minuten. Saskia springt vor dem Theater aus dem Auto und stürmt hinein, um ihren Mantel abzugeben. Dann reiht sie sich in die Schlange der Leute ein, die in letzter Minute zu ihren Plätzen gehen. Als sie sitzt, ist es 19:59 Uhr. Immer wieder schweift ihr Blick zur Tür, die jeden Moment geschlossen werden wird. Um 20:02 Uhr schlüpft Tom herein, ein Siegerlächeln auf den Lippen. „Was du immer hast“, flüstert er, als er neben Saskia auf seinen Platz sinkt. Das Auto steht im absoluten Halteverbot, wie immer. Saskia kann sich schlecht auf das Konzert konzentrieren, weil sie sich abgehetzt und Tom ausgeliefert fühlt. Aber kurz vor der Pause hat sie eine Idee, die sie Tom schließlich bei einem Glas Sekt unterbreitet: „Sobald ich das erste Mal irgendwo nicht mehr reingekommen bin, weil wir zu spät losgefahren sind, werde ich von dem Tag an nicht mehr mit dir gemeinsam losfahren, sondern schon vorher.“

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