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Beziehungskolumne : Wenn der Partner älter ist

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Wer sich liebt, der liebt sich: Eine Beziehung mit Altersunterschied sollte kein Grund zu Aufregung sein (Symbolbild). Bild: ZB

Unsere Autorin liebt einen deutlich älteren Mann. Für sie spielt das keine Rolle, für viele andere offenbar schon. Was soll das? Die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

          Ich will es gar nicht spannend machen. Mein Freund ist 19 Jahre älter als ich. Als wir uns vor vier Jahren in einer Bar kennenlernten, war ich gerade Anfang 20. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nie geglaubt, dass zwischen uns ein großer Altersunterschied stehen könnte. Beim ersten Date zeigte er mir dann ein Foto von sich als Teenager. „Fuck, das ist aus den Achtzigern“, dachte ich –  und vermied die Frage nach dem Alter tunlichst. Als es kurze Zeit später doch herauskam, war es uns egal. Denn: es passte. Schon bald zogen wir zusammen.

          Bei einer Willkommensparty der Nachbarn stellte man uns schließlich die unvermeidliche Frage: „Sagt mal, wie alt seid ihr eigentlich?“ „Ich bin 21“, sagte ich. Abwartendes Schweigen. „Werde aber nächsten Monat 22“, schob ich schnell hinterher. „Und ich bin im letzten Jahr 40 geworden“, sagte mein Freund mit nervösem Lachen. Sämtliche Gespräche am Tisch verstummten. „Oh“, ertönte es schließlich im Chor. Und der Nachbar, der sich am schnellsten wieder berappelt hatte: „Nun ja, das muss ja nichts heißen.“ Die anderen pflichteten eifrig bei: „Genau, solange man sich liebt.“ Viele glauben, unseren Altersunterschied kommentieren, ja geradezu herunterspielen zu müssen. Offenbar gilt es noch immer als abnorm, wenn eine jüngere Frau mit einem älteren Mann zusammenlebt. Abnormes verlangt nach Erklärung – und wird gerne zum Stoff für Witze degradiert.

          Als wir zusammenkamen, studierte ich gerade im dritten Semester. „Hat dein neuer Freund denn schon ein Kind?“, fragte mich einer meiner Kommilitonen. „Nein“, antwortete ich schlicht. „Naja, jetzt hat er ja eines!“ Brüllendes Gelächter füllte den Hörsaal. Und da war er wieder: Der Drang, sich rechtfertigen zu müssen. „Ganz ehrlich, man sieht es uns nicht an“, setzte ich an. „Er sieht 10 Jahre jünger aus, wirklich!“

          Vorurteile sind oft schmerzhaft hartnäckig

          Seither habe ich oft so reagiert, wenn ich nach unserem Altersunterschied gefragt wurde. Ich musste feststellen, dass die Beziehung einer jungen Frau mit einem deutlich älteren Mann noch immer stigmatisiert ist. Meine Kollegen rieten mir deshalb auch, diese Kolumne unter Pseudonym zu schreiben. Es könne die Karriere schädigen, weil ein Altersunterschied noch immer mit Vorurteilen behaftet sei, hieß es. Diese Vorurteile sind vielfältig: Von „Sugar Daddy“ ist die Rede, gerne auch von einem „Vaterkomplex“. Die Frau mache es fürs Geld, der Mann des jungen Körpers wegen. Oder weil er selbst mit seinen ersten grauen Haaren hadert. Kurz: Oft wird der Beziehung eine Oberflächlichkeit unterstellt, die in vielen Fällen schlicht falsch ist.

          Umgekehrt, wenn also eine ältere Frau einen jüngeren Mann hat, dann sorgt das auch für Getratsche, meist sogar für viel mehr. Aber es ist häufiger positiv konnotiert – die Beziehung zu einem jüngeren Mann gilt als „modern“. Berühmte Beispiele sind Brigitte und Emmanuel Macron, nun auch Heidi Klum und – man wagt es noch immer kaum zu schreiben – ihr 16 Jahre jüngerer Verlobte Tom Kaulitz. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht die starke Frau, eine Matriarchin gar, die es sich ob ihrer Schönheit noch leisten kann, einen Jüngeren zu haben. Dem Jüngling selbst werden, zumindest in der Berichterstattung, kaum niedere Beweggründe für den Eintritt in die Beziehung unterstellt. Warum auch, ist er doch ein Mann und verdient demnach sein eigenes Geld.

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