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Beziehungskolumne : Nein, ich will nicht!

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Heiraten? Muss für unsere Autorin nicht sein. Bild: Getty

Unsere Autorinnen sind beide 27. Die eine hat gerade geheiratet, die andere will es niemals tun. Ein Pro und Contra in der Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

          3 Min.

          Natalia Wenzel-Warkentin und Ariana Kurz, die eigentlich anders heißt, sind beide 27 Jahren alt, beide sind in festen Beziehungen – und beide haben eine vollkommen andere Einstellungen zum Bund der Ehe. Das Pro von Natalia Wenzel-Warkentin finden Sie hier. An dieser Stelle erzählt Ariana Kurz, warum eine Ehe für sie nicht in Frage kommt. Und warum sie sich wünscht, mit ihrem Freund zusammenzubleiben – das aber nicht garantieren kann.

          Contra: Nein, ich will nicht!

          Als ich ein Kind war, spielten meine Schwester und ich Hochzeit mit unseren Puppen. Wir spielten auch Hochzeit mit anderen Kindern, einmal heiratete ich unseren Nachbarsjungen. Da standen wir, zwei Achtjährige, und schworen uns ewige Treue. Wir liebten Filme, in denen das Paar nach vielen Hürden am Ende dann doch schließlich heiratete. Das Narrativ der Ehefrau, die Kinder und ein Haus zum Glücklich-sein hat, brannte sich fest in meinen Kopf ein. Die Frage war nicht, ob ich heiraten möchte, sondern höchstens wie.

          Aber dann wurde ich älter und hatte viele Freunde, die das Konzept Ehe in Frage stellten. „Wenn ich mal Kinder haben sollte, ziehe ich mit ihnen in ein großes Haus mit vielen anderen zusammen in eine WG“, erklärte mir ein Freund einmal – alles, nur nicht spießig werden. In meiner jugendlichen Rebellion ärgerte es mich immer mehr, dass der „Mainstream“-Kinofilm mit der obligatorischen Hochzeit endet und dieser Ausgang für Liebesfilme wohl die einzige Form des Happy Ends zu sein schien. Außerdem wurde ich mir einer bestimmten Erwartungshaltung gegenüber mir selbst bewusst: Du bist eine junge Frau und du solltest einen Mann finden, mit dem du dein ganzes Leben zusammen sein möchtest.

          Entsage ich mich der Romantik?

          Meine Eltern sind sehr liberal, und Heirat war bei mir und meinen Geschwistern später nie ein riesiges Thema. In Gesprächen habe ich es beiden jeweils beiläufig gesagt: Ich habe nicht vor, einmal zu heiraten. Im Grunde störte es sie nicht, Hauptsache, sie kriegten Enkel – die nächste Erwartungshaltung – doch eine Grundsatzdebatte blieb nicht ganz aus: Entsage ich mich vollkommener Romantik, wenn ich in meinen Beziehungen nicht explizit das Ziel verfolge, mit meinem Partner ein ganzes Leben lang zusammenzubleiben?

          Ich habe nichts dagegen, wenn Leute heiraten – ich freue mich für sie. Ich hatte großen Spaß daran, die Hochzeit meiner Mutter zu organisieren und meine Freunde und ich hoffen ständig darauf, dass endlich jemand im Freundeskreis die riesige Party seiner Eheschließung schmeißt. Wir haben schon Wetten abgeschlossen, wer zuerst drankommt. Als ich dann mit meinem Freund zusammengekommen bin, habe ich mich allerdings schon gefragt: Was passiert, wenn wir länger zusammenbleiben, und er sich für seine Zukunft wünscht, irgendwann zu heiraten? Mittlerweile weiß ich, dass es ihm nicht wichtig ist zu heiraten. Und doch: Wir sprechen über unsere Zukunft, wir sind verliebt, und wir genießen es, die nächsten gemeinsamen Schritte – wie das Zusammenziehen – zu planen. Für ihn reicht das erst einmal aus. Und für mich auch.

          Das Leben ist zu kurz

          Manche Ehepaare bleiben ihr ganzes Leben zusammen, obwohl sie sich irgendwann nicht mehr ausstehen können – um des Ansehens willen, der Gewohnheit zuliebe oder gar des Geldes wegen. Ich finde, dass das Leben dafür zu kurz ist. Es ist schön, wenn Krisen überstanden werden, man gemeinsam durch Dick und Dünn geht, aber eben in tiefem Respekt zueinander und nicht aus Alternativlosigkeit. Von wegen für die Kinder zusammenbleiben: Ich bin ein sogenanntes Scheidungskind und ich rechne es meinen Eltern hoch an, dass sie die Beziehung beendet haben. Wir haben als Kinder unter den Streitereien der Eltern gelitten – und haben deshalb schnell verstanden, dass die Trennung das Richtige war, auch wenn es schmerzhaft war.

          Ich kann niemandem versprechen, ewig mit ihm zusammenzubleiben – oder zumindest bis der Tod uns scheidet. Wenn ich einmal alt bin und ich sitze immer noch mit demselben Mann Karten spielend am Tisch, bin ich mir sicher, dass ich glücklich sein werde, dass ich so zufrieden gewesen bin, dass wir keinen Anlass zu einer Trennung gesehen haben. Ich glaube, man kann ewig zusammen glücklich sein – muss es aber nicht um jeden Preis.

          Ich kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, dass ich niemals heiraten werde. Wenn ich jemanden liebe, und ich merke, dass es aus einem nachvollziehbaren Grund sehr wichtig für ihn ist zu heiraten, könnte es sein, dass ich es doch mache. Es geht mir nicht um eine Prinzipienfrage: Ich verurteile Heiraten im Allgemeinen nicht, auch wenn ich persönlich sowohl mit dem traditionellen, als auch dem religiösen Hintergrund wenig anfangen kann. Es geht vielmehr um die Feststellung: Es gibt in einer Beziehung viele Dinge, die ich wichtiger finde als dieses Versprechen.

          Warum gilt es überhaupt als Maßstab, mit einer Person sein ganzes Leben zusammenzubleiben? Für mich ist das kein Maßstab. Ich glaube, dass sich Menschen verändern und dass es zur Liebe gehört, auch einmal loslassen zu können. Das widerspricht nicht dem Wunsch, dass ich mit meinem Freund zusammenbleiben möchte, und ich werde daran arbeiten, dass das auch so bleibt – aber garantieren kann ich es eben nicht. Kann vielleicht niemand.

          Ich glaube, man muss keinen Glaubenskrieg daraus machen, ob Liebe ewig sein kann oder muss. Ob sie nun ein Leben lang halten kann oder der Vergänglichkeit ausgesetzt ist. Ich schätze nur einfach die Wahrheit des Moments.

          Lesen Sie hier das Pro.

          Der Name der Autorin wurde auf ihren Wunsch hin von der Redaktion geändert.

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