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Beziehungskolumne : Wenn man Millionär ist – die Partnerin aber nicht

  • -Aktualisiert am

Na, wer hat denn da Vorurteile? So wie bei Richard Gere und Julia Roberts beziehungsweise ihren Figuren in „Pretty Woman“ ist es bei unserem Autor und seiner Frau jedenfalls nicht. Bild: Allstar/Touchstone

Vor ein paar Wochen hat unsere Autorin an dieser Stelle beschrieben, wie es ist, mit einem sehr vermögenden Partner zusammenzuleben. Diese Kolumne hat einige Leser zu Kommentaren veranlasst. Nun möchte der reiche Mann selbst seine Sicht der Dinge darlegen.

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          Lassen Sie mich zu Beginn klarstellen: Ein paar von Ihnen sind ganz schön in die Klischee-Falle getappt. Das Thema „20 Jahre jüngere Frau lebt mit reichem Mann zusammen“ provoziert diese natürlich auch. Aber: Ich bin zwar wahrlich kein Richard Gere – meine Lebensgefährtin jedoch auch keine Julia Roberts. Wenn wir gemeinsam auf die Straße gehen, dreht sich keiner nach uns um, weil die langbeinige Blondine mit Doppel-D den Greis mit Glatze stützt. Trotzdem witzeln wir darüber, dass in unserer zukünftigen Wohnung noch Platz für eine mögliche Pflegekraft sein wird. Die wohl eher für meine Betreuung vorgesehen ist.

          Diese Wohnung erwähne ich, weil „die Frau“, so soll sie hier fortan heißen, sie als Beleg für unsere wirtschaftliche Ungleichheit angeführt hatte. Sie schrieb, sie hätte zu dieser Immobilie noch nicht einmal das Gäste-WC beitragen können. Ja, das stimmt. Aber ist es mir deshalb in den Sinn gekommen, etwas Kleineres an anderer Stelle zu kaufen, damit sie adäquat beteiligt sein kann? Nein, ist es mir nicht. Ich will mich bei der Wohnung, in der ich meinen Lebensabend verbringe, nicht limitieren. Ich bin nicht bereit, auf 100 Quadratmeter zu verzichten, damit wir etwas gemeinschaftlich erwerben können.

          Ist das egoistisch? Klar. Aber ich denke, das ist eine Ausprägung von Egoismus, mit der die Frau sich arrangieren und an der ich auch nichts Unredliches erkennen kann. Vor allem da ich weiß, dass es nicht das Geld ist, das unser Miteinander bestimmt. Glauben Sie mir: Ich bin kein Mensch, der eine Beziehung führen würde, in der ich den Eindruck hätte, dass die Sympathie meines Gegenübers materiell bedingt ist.

          Was sich aber nicht von der Hand weisen lässt – und was auch die Frau nicht abstreitet: Mein Wohlstand bringt neben gewissen Annehmlichkeiten (die auch sie durchaus zu schätzen weiß, wir müssen sie nicht heiliger machen als sie ist), etwas mit sich, was zur Qualität unserer Beziehung beiträgt. Meine Arbeit ist ein großes Privileg, denn sie versorgt mich nicht nur mit einem mehr als auskömmlichen Einkommen, sondern bietet mir gleichzeitig die Beschäftigung mit vielen unterschiedlichen und interessanten Bereichen: Kultur, Immobilien, Medizin. Mir ist es ein Bedürfnis, diese Themen mit meiner Partnerin zu teilen. Daher rührt auch der von ihr belächelte, mir aber wichtige Begriff der „Augenhöhe“, den wir von Anfang hatten. Denn glücklicherweise setzt sich die Frau gerne mit meinen Themen auseinander. Wenn es diese nicht gäbe, wären wir möglicherweise kein Paar geworden. Oder nicht geblieben. Auf jeden Fall hätten wir uns ohne eines der Themen vermutlich nicht kennengelernt. Heißt: Es existiert eine gemeinsame intellektuelle Basis. Wissen macht sexy. Deshalb schätze ich es auch, dass auch sie ihre eigenen Themen hat und dass sie ihrem Beruf als Journalistin engagiert nachgeht. Leider mit sehr unterschiedlicher monetärer Auswirkung.

          Für mich ist es daher gar keine Frage, dass ich als der wirtschaftlich Stärkere die finanzielle Last trage. Da wir beide nicht so viel vom Heiraten halten, haben wir uns auf einen finanziellen Modus geeinigt, der ihre Abhängigkeit von mir relativiert. Und der, so denke ich, auch zeigt, dass ich sie liebe: Wenn sie eines Tages die Nase voll hat von mir und mich verlassen möchte, ist sie abgesichert.

          Haushaltshilfe kommt zwei Mal die Woche

          Zum Abschluss möchte ich mit einem weiteren Klischee aufräumen. In ihrer Kolumne hat die Frau meinen fehlenden häuslichen Fleiß moniert und sich als Hüterin des Haushalts geriert. Dazu ist zu sagen: Zwei Mal in der Woche bügelt und putzt eine wunderbare Haushaltshilfe bei uns. Für die Grundreinigung ist also gesorgt, ganz ohne das Zutun der Frau. Und von meinen Pflichten bei der Lebensmittelversorgung hatte sie mich ganz schnell entbunden, nachdem sie meine Vorliebe für den Einkauf beim Discounter entdeckte. Den Erwerb ethisch und ökologisch einwandfreier Lebensmittel übernimmt seitdem sie. Die von ihr beschriebene Rolle des „Heimchens am Herd“ kann sie eindeutig nicht mir ankreiden.

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          Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort mittwochs die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“, die „Fünf Dinge“-Kolumne und die Kolumne „Der Moment“. In der Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“ geht es um Liebe, Sex, Partnerschaft, das Single-Dasein – eben um alles, was uns in Beziehungsdingen so beschäftigt.

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