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Junge Kosmetik-Gründerin : Eine Pflege für alle

  • -Aktualisiert am

Macht aus ihrem Leid eine Leidenschaft: Adelaide Wolters Bild: Hannah Aders

Vom Leid zur Leidenschaft: Für ihre Hyperpigmentierung fand Adelaide Wolters auf dem deutschen Markt keine Lösung. Also gründete sie mit Anfang 20 ihr eigenes Kosmetikunternehmen. Ihre Produkte sollen dabei für jeden geeignet sein.

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          Schnell, schnell, nur wenige Schritte bis zum Schatten. 34 Grad heiß ist es in Hamburg, wolkenlos und windstill, als Adelaide Wolters aus dem Taxi steigt und über den aufgeheizten Asphalt zum Café läuft.

          Wolters hat es eilig, aus der Sonne zu kommen; wegen der Hitze hier, in ihrer Heimatstadt, und weil sie ein bisschen zu spät ist. Vor allem aber deswegen: Am Tisch angekommen, zeigt sie ihren rechten Unterarm, darauf lauter kleine Pusteln. Sonnenallergie, sagt Wolters, die hat sie schon, seit sie ein Kind ist. In der Pubertät kamen noch Pickel dazu und dunkle Flecken, Hyperpigmentierung nennt man das.

          Heute ist Wolters 25 und möchte Hautpflege machen, die für alle Hautfarben geeignet ist. Das klingt erst mal nicht so revolutionär im Jahr 2021, in dem die Farbpaletten von Make-up-Herstellern immer breiter werden, Models unterschiedlicher Hautfarben nebeneinander auf Werbeplakaten posieren, Marken neue Produktlinien extra für dunkle Hauttypen schaffen. Doch seit Wolters vor drei Jahren Unrefined Riches gegründet hat, ist sie mit diesem Anspruch, einer Pflege für alle Hauttypen, eine Ausnahme auf dem deutschen Markt.

          Ihr Unternehmen Unrefined Riches hat Adelaide Wolters 2018 gegründet.
          Ihr Unternehmen Unrefined Riches hat Adelaide Wolters 2018 gegründet. : Bild: Hannah Aders

          Gerechtigkeit bei Tests und Herstellung

          Ist es, weil das Image des Allzweckprodukts zu verstaubt klingt? Passt diese Idee nicht in die Werbung einer individualisierten Gegenwart? Wolters findet, man sollte eher andere Werbung hinterfragen: Wenn sie sieht, dass sich ein Unternehmen mit Diversität schmückt, aber nichts an seinen Produkten ändert, macht sie das wütend. Geht es nach ihr, muss Gerechtigkeit lange vor der Werbung anfangen, in Tests und Herstellung.

          Zugegeben, es ist nicht einfach, sich Wolters tatsächlich aufgebracht vorzustellen, wenn sie wie jetzt eine selbst gemachte Limonade bestellt (Lavendel-Zitrone) und gelassen auf jede Frage antwortet. Sie wirkt offen, herzlich, selbstsicher. Hat sie nicht mal irgendwo gesagt, sie sei extrem schüchtern? Ja, sagt sie, ist sie auch. Gerade bekommt sie ja immer wieder Einladungen zu Interviews, Fotostrecken, Talks auf TikTok oder auch mal an Universitäten. Über sich zu sprechen falle ihr dabei jedes Mal schwer. Aber „wenn es um mein Unternehmen geht, blühe ich auf“.

          Das ist wohl das Glück jedes Fragenden, denn wer viel über Wolters Unternehmen erfährt, erfährt eben auch viel über sie. Ihr Leiden wurde zu ihrer Leidenschaft, so sagt sie das.

          Auf diesem Weg gab sie die Drogeriemärkte als Erstes auf. Kein Produkt sprach sie an, keines zeigte Wirkung. Die dunklen Flecken im Gesicht blieben, die Pickel auch. Nächster Versuch, die Apotheke: Sie, 16 Jahre alt und mitten in der Pubertät, fragte nach einer Creme gegen die Pigmentflecken auf ihrer Haut. Man drückte ihr eine Packung in die Hand, von der ihr eine alte weiße Frau mit fleckiger Haut entgegenstrahlte. Da dachte Wolters nur: „Okay, irgendetwas stimmt überhaupt nicht mit mir.“

          „Das ist eben so“

          Dabei ist Hyperpigmentierung nicht selten bei dunklen Hauttypen, auch in jungen Jahren. Dafür kann es verschiedene Gründe geben, es hängt aber damit zusammen, dass dunkle Hauttypen in der Regel mehr Melanin produzieren als helle. Als Wolters als nächstes zu ihrem Hautarzt ging, sagte der: Ja, das ist eben so, bei Ihrer dunklen Haut.

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