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Humor trotz Krankheit : „Lachen vertreibt die schwarzen Gedanken“

  • Aktualisiert am

„Clown-Doktoren“ sorgen im sonst eher eintönigen Krankenhaus-Alltag für Spaß und Abwechslung. Bild: Röth, Frank

Können platte Witze aufmuntern, obwohl man schwer krank ist? Macht Lachen wirklich gesund? Entertainer Jürgen von der Lippe und seine ehemalige Arbeitskollegin Gaby Sonnenberg haben gemeinsam ein Buch geschrieben - ein Trostbuch.

          Gaby Sonnenberg hatte nicht geahnt, wie schwer krank sie war. Die Symptome waren unspezifisch, sie ähnelten einer Grippe. Als sie im Frühsommer 2011 von der Diagnose akute Leukämie erfuhr, musste schnell gehandelt werden. Von heute auf morgen wurde die dreifache Mutter ins Krankenhaus eingeliefert. Sofort begannen die Ärzte mit einer Chemotherapie. Die Nebenwirkungen der hochdosierten Krebsbehandlung machten der damals Achtunddreißigjährigen zu schaffen. In einer Zeit, in der es ihr besonders schlecht ging, in der sie nicht einschätzen konnte, wie es mit ihr weitergeht, entschied sich Gaby Sonnenberg, Menschen, die ihr wichtig sind, vom Krankenhausbett aus eine E-Mail zu schreiben. Eine Art „Abschieds-E-Mail“, wie sie selbst später sagt. Einer der Empfänger war Entertainer Jürgen von der Lippe; mit ihm hatte Sonnenberg bei der Fernseh-Spielshow „Geld oder Liebe“ zusammengearbeitet.

          Herr von der Lippe, können Sie sich noch erinnern, was Ihnen bei der E-Mail von Frau Sonnenberg, in der sie Ihnen von der akuten Leukämie erzählt hat, durch den Kopf gegangen ist?

          VON DER LIPPE: Es war vor allem Entsetzen und Hilflosigkeit. Ich brauchte ein bis zwei Tage, um zu überlegen, was ich ihr auf ihre Nachricht antworten könnte. Ich bin wie viele andere Menschen, gerade meiner Generation, völlig ungeübt im Umgang mit Kranken. Ich habe das nie gelernt, denn in meiner Kindheit und Jugend wurde noch mehr als heute über Krankheit und Tod einfach geschwiegen.

          Frau Sonnenberg, was für eine Antwort haben Sie sich von der „Abschieds-E-Mail“ erwartet?

          SONNENBERG: Ich habe eigentlich mit keiner Reaktion gerechnet. Die Mail an Jürgen entstand in einem Moment, in dem man bei mir eine Hirnblutung vermutet hatte. Ich wollte einfach danke sagen, da ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob ich in ein paar Stunden überhaupt noch schreiben kann.

          Die Hirnblutung hat sich nicht bestätigt. Sie konnten weiter schreiben. Und dieser erste E-Mail-Wechsel war eine Initialzündung für ein gemeinsames Buch. Ein Buch für Menschen, die an einer schweren Krankheit leiden. Ein Trostbuch, was aufbauen soll, wie Sie beide sagen. Ein Buch, das nur aus den E-Mails besteht, die Sie sich hin und her geschrieben haben.

          VON DER LIPPE: Ich wollte Gaby mit meiner ersten Antwort motivieren, weiterzumachen, nicht aufzugeben, und habe ihr vorgeschlagen, gemeinsam ein Buch zu schreiben. Die Idee, dass es ein Buch sein soll, das Schwerkranken Kraft, Hoffnung und Lachen schenkt, kam allerdings von ihr.

          SONNENBERG: Ich hatte in meiner Situation einfach festgestellt, dass es so ein Buch nicht gibt. Bücher für Schwerkranke sind oft traurig und ziehen einen runter.

          VON DER LIPPE: Nach dem Vorschlag von Gaby, ein Buch voller Humor zu schreiben, habe ich als Komiker natürlich auf das zurückgegriffen, was ich ohnehin kann, und habe Gaby direkt einen ganzen Fundus von meinen Witzen geschickt.

          Frau Sonnenberg, konnten Sie in einer Situation, in der es Ihnen so schlecht ging, überhaupt über die Witze lachen?

          SONNENBERG: Ja, das konnte ich. Sie haben mir gutgetan. Lachen vertreibt wirklich ein wenig die schwarzen Gedanken.

          Macht Lachen wirklich gesund?

          SONNENBERG: Na ja, zumindest wirkt es positiv auf die Seele und das Wohlbefinden.

          Aber können Sie sich vorstellen, dass es auch Menschen gibt, die in solchen Situation nichts mit platten Witzen wie „Hör mal, der Herbert...“ anfangen können?

          VON DER LIPPE: Wenn man sich in einer Verfassung befindet - und das betrifft auch Gesunde -, in der man für Witze nicht empfänglich ist, dann wird man über einen Witz nicht lachen. Aber dann richtet der Witz trotzdem keinen Schaden an. Ein Witz ist ein Angebot, das man in bestimmten Momenten natürlich ablehnen kann. Meiner Meinung nach gibt es aber keinen Grund, ein komisches Angebot erst gar nicht zu machen, schon gar nicht nur aus der Überlegung heraus, dass es möglicherweise keine Wirkung haben könnte. Wenn ein Witz nämlich eine Wirkung hat und das Angebot ist nicht da, dann hat man eine Gelegenheit verpasst, dass der Betroffene sich besser fühlen kann.

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