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Hochzeitsrednerin Heidi Müller : Mehr als Standesamt und Imbiss

  • -Aktualisiert am

„Linda, deine Kreativität und Freiheitsliebe treffen auf Florians Geduld und Herzlichkeit“: Heidi Müller bei der Arbeit. Bild: Marcus Kaufhold

Die Hochzeit als Actionfilm? Oder ein Hund, der den Ring trägt? Alles schon dagewesen. Heidi Müller ist Hochzeitsrednerin. Ihr Anspruch: die Zeremonie, die genau zum Paar passt. Wir haben sie dabei begleitet.

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          Als hätte ich es geahnt“, lächelt Heidi Müller und schaut auf die blauen Blumen vor sich. Sie selbst trägt ein tiefblaues Kleid. Die Blumen sind der Schmuck eines improvisierten kleinen Traualtars an diesem Nachmittag Ende Mai in Karlsruhe. Hier, in der „Cantina Majolika“, einem Edelrestaurant mitten im Karlsruher Schlossgarten, heiratet heute ein junges Paar unter freiem Himmel: Linda und Florian.

          Müller ist ein bisschen angespannt, gleich geht es los. Müller blickt auf die noch leeren Stuhlreihen vor sich. Im Slalom ist dort ein weißes Band verlegt, zwischen den Reihen hindurch. Dann greift sie zum Mikrofon, sie muss ein wenig um die Aufmerksamkeit der gerade eintreffenden Gäste kämpfen: „Mein Name ist Heidi Müller, und ich bin hier heute die Hochzeitsrednerin. Bitte geben Sie später die Eheringe, die durch das Band laufen werden, einfach weiter, und versehen Sie sie mit einem guten Wunsch für das Brautpaar.“

          Hochzeit mit persönlicher Note

          Die Gäste nehmen allmählich die Plätze ein, es geht los. Das Brautpaar schreitet zu den Klängen von „One Moment in Time“ durch den Mittelgang. Nachdem Linda und Florian ihre Plätze eingenommen haben, beginnt Müller: „Linda, du bist davon überzeugt, dass man durch Träume viel aus seinem Leben machen kann.“ Ihre Stimme hallt über die 120 Gäste hinweg. Später werden die zwei Ringe durch die Reihen gegeben, bis sie beim Brautpaar ankommen. „Deine Kreativität und deine Freiheitsliebe treffen auf Florians Geduld, Herzlichkeit und seine unsagbar positive Lebenseinstellung“, fährt Müller fort. „Gerade deswegen glaube ich, dass ihr euch perfekt ergänzt.“

          Dann fragt sie einzeln, zuerst die Braut: „Ist es dein aufrichtiger Wille, den hier anwesenden Florian zu deinem Ehemann zu nehmen, ihn zu lieben und zu achten, ihm treu zu sein, und in Freud und Leid zu ihm zu halten, so antworte mit Ja.“ Zum Schluss umarmt Müller beide, bevor das Brautpaar wieder auszieht. Linda meint danach: „Wir wollten unter freiem Himmel heiraten, und wir wollten eine wirklich persönliche Note in der Zeremonie haben. Durch das Vorgespräch haben wir gemerkt, wie gut es passt. Heidi Müller hat es wirklich sehr gut gemacht: persönlich, emotional und treffend formuliert.“

          Erst seit zwei Jahren im Geschäft

          Auf insgesamt 17 Eheschließungen spricht Müller in diesem Jahr als freie Hochzeitsrednerin, die 64-Jährige ist ausgebucht: „Besonders im Sommer wird es sich ballen.“ Und für nächstes Jahr haben schon zwei weitere Paare angefragt. Müller führt keine standesamtliche Trauung durch, sondern tritt an die Stelle eines Pfarrers – nur verteilt sie keinen kirchlichen Segen. Es gibt ein feierliches, von ihr choreographiertes Ritual, die Paare geben sich nach dem Standesamt noch mal vor ihr das Jawort und tauschen ihre Ringe. Zum Abschluss der Zeremonie hält Müller ihre Hochzeitsrede.

          Wohlüberlegt: Heidi Müller während ihrer Ansprache bei der Zeremonie von Linda und Florian in Karlsruhe Ende Mai Bilderstrecke

          Dabei führt die Frau mit den kurzen, weißen Haaren diese Art Trauungen noch gar nicht lange durch. Vor zwei Jahren ging sie in Rente, vorher unterrichtete sie knapp 40 Jahre als Lehrerin, primär im Fach Deutsch. Zudem leitete sie über 25 Jahre die Theater-AG an ihrer Schule.

          Wie kommt man zu so einem Job? „Alles begann mit der Hochzeit meines Sohnes, im August 2014 war das“, erzählt Müller. Der suchte damals mit seiner Verlobten eine freie Hochzeitsrednerin in Hamburg – und fand niemanden. Eine kirchliche Hochzeit kam für das Paar nicht in Frage, er fragte dann seine eigene Mutter.

          Die Hochzeit ihres Sohnes gab den Anstoß

          Müller kommt kurz ins Stocken: „Ja, natürlich war das auch seltsam – das eigene Kind zu verheiraten. Das ist irgendwie ein komisches Gefühl. Aber natürlich auch eine große Ehre.“ Sie wägte damals ab. Vorher hatte sie so etwas noch nie gemacht, fühlte sich unsicher und zugleich geschmeichelt. „Ich habe schließlich zugesagt und mich direkt in die Vorbereitungen begeben. Der Anspruch an mich selbst war natürlich enorm.“

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