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Hochzeitsrednerin Heidi Müller : Mehr als Standesamt und Imbiss

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Heute kommen die Anfragen fast jede Woche. Müller kommt dann für ein unverbindliches Vorgespräch oft zu den Paaren in die Wohnung. Dort schaut sie sich um. Wie ist das Wohnzimmer eingerichtet? Was steht in der Vitrine? „Allein die Wohnung sagt so viel über Menschen aus – mir geht es aber nicht um ein Spionieren, sondern den Menschen ist das ja auch wichtig: Wir wollen uns einfach gegenseitig kennenlernen.“ Sie lässt sich die Hobbys und die Lebenssituation der Menschen erklären, damit die Rede, die sie später für das Paar schreibt, so gut wie möglich passt. Nach dem Vorgespräch gibt Müller den Paaren einen Fragebogen, den beide Partner getrennt voneinander ausfüllen. „Wer ist bei Ihnen zu Hause der Herr über die Fernbedienung?“ ist eine dieser Fragen.

Bestimmtes Klientel fragt das Angebot nach

Für die Trauungen haben ihre Kunden die unterschiedlichsten Wünsche: „Es gibt Paare, die wollen, dass ein Hund oder anderes Tier beim Ringtauschen während der Zeremonie die Ringe nach vorne zum Brautpaar bringt.“ Vorher wird dann fleißig geprobt: Für den Hund wurde auf einer Hochzeit ein extra Gestell angefertigt, damit er die Ringe sicher transportieren konnte. All das wird vor der Hochzeit geplant und organisiert.

Wenn dann die Vorbereitungen mit dem Paar getroffen sind, recherchiert Müller los. Natürlich mit Einverständnis des Brautpaares: Sie telefoniert mit Geschwistern, den Eltern und den besten Freunden – je nachdem, wer mit ihr reden will. Recherche, um ein möglichst komplettes Bild der Liebenden zu bekommen.

Wenn Müller erzählt, bekommt man einen groben Einblick, was das für Paare sind, die freie Hochzeitsredner buchen. Sie traut einige, die schon geschieden sind. Kirchlich dürfen diese Menschen nicht mehr heiraten, in der freien Trauung finden sie eine Alternative. Zudem betreut sie auch gleichgeschlechtliche Paare. Manche kontaktieren Müller im vollen Bewusstsein, dass sie keine Theologin ist – und wollen in ihrer Hochzeit trotzdem einen religiösen Bezug haben. Die Hochzeitsrednerin muss dann den Spagat schaffen zwischen einer kirchlichen Zeremonie und einer unreligiösen Trauung. Ein anderes Mal sagte ein Paar ihr gleich zu Beginn: „Machen Sie bloß nichts Romantisches“, man wünsche es sich nüchtern. Keine Schnörkel, keine Liebesschwüre. Die Kunst für Müller besteht darin, das Ganze trotzdem stilvoll und festlich zu gestalten.

Keine Weddingplanerin

Ein anderes Paar orderte kürzlich die Hochzeit im Stil eines Actionfilms – geschrieben hat sie sie noch nicht. Sie steht auf, geht zum Regal und zieht den Film hervor: „Ich will ihn mir heute Abend noch mal anschauen, man bereitet sich ja vor.“ Gelegentlich gibt sie auch Tipps, da kommt ihr die Erfahrung aus der Theater-AG zugute. Sie gibt Ratschläge, wie die Braut geschickt einlaufen kann – oder wo man am besten in einer Räumlichkeit steht. Bei Bedarf organisiert sie auch schon mal einen DJ oder Blumenschmuck – Weddingplanerin will sie aber nicht sein. Um Parkplätze oder die Kinderbetreuung kümmert sie sich auch nicht. Aktuell überlegt sie aber schon, ob sie künftig nicht mit einer Mitarbeiterin zusammenarbeiten soll.

Ihre Reden schreibt sie immer zuerst von Hand. Manchmal kommen ihr gute Gedanken beim Gassigehen mit ihrem Hund Moneypenny. Jeder Text ist bei ihr höchst individuell. Es gibt keine Textbausteine, keine Phrasen, keine Standard-Abläufe. Die Hochzeitspaare seien auch völlig unterschiedlich. „Allein deshalb kann man keine Rede doppelt benutzen.“

Manche Paare laden sie ein, während der ganzen Feier dazubleiben. Das macht sie aber nie. Für sie ist ihre Aufgabe beendet, wenn die Zeremonie vorbei ist: „Die Paare wollen dann ja mit ihren Freunden und Verwandten feiern.“ So auch an diesem Nachmittag Ende Mai. Müller setzt sich in ihr Cabriolet und fährt davon. Schon morgen geht es weiter: Ein Brautpaar will mit ihr den Ort besichtigen, an dem die Hochzeit stattfinden soll.

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