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Hochzeitsrednerin Heidi Müller : Mehr als Standesamt und Imbiss

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Müller besprach mit ihrem Sohn und der künftigen Schwiegertochter haarklein die Details: Wie sollte die Zeremonie sein? Wie die Rede aussehen? Was sollte sie besser nicht erwähnen? „Beim Schreiben der Rede achtete ich dann darauf, dass auf einen sentimentalen Satz wieder ein humorvoller folgt. Nicht dass ich noch zu rührselig werde“, sagt sie und lächelt verschmitzt.

Wenn Müller spricht, formuliert sie überlegt und fast druckreif. Doch auch sie kommt mal aus der Ruhe. Einer dieser Momente war, als die Hochzeit ihres Sohnes vor der Tür stand: „In der Nacht vor der Trauung habe ich keine Minute geschlafen, der Text saß zwar, aber ich hatte natürlich Angst, vor Rührung zu weinen – das wäre irgendwie eine blöde Situation gewesen.“ Müller weinte nicht – zumindest nicht während der Rede. Alles ging gut über die Bühne, das Hochzeitspaar war glücklich und die Gäste auch. Nach der Zeremonie kamen etliche zu ihr und sagten: „Das müssen Sie unbedingt professionell machen.“

„Der perfekte Tag“

Müller ließ der Gedanke nicht los. Sie hatte ihre letzte Stunde gehalten, war von den Kollegen verabschiedet worden: Ruhestand. Doch Rumsitzen war nichts für sie. Sie schrieb sich an der Uni in Karlsruhe für Vorlesungen ein. Momentan hört sie „Deutsche Politik und Geschichte im Kinofilm“, ein Seminar. Zusätzlich noch eine Vorlesung zum Buddhismus, und Müller ist eine der wenigen aktiven Kräfte beim Uni-Radio. Viel zu tun. Doch sie fand: „Ein wenig Spielraum blieb mir schon noch in meinen Tagen, ich wollte das mit den Hochzeitsreden professionell angehen.“

Sie sagt das, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Wenn sie so erzählt, vergisst man fast, dass man eine 64-Jährige vor sich hat. Die Frau sprüht vor Energie. Müller wirkt so gar nicht wie eine ehemalige Lehrerin, die eben das Vortragen nicht lassen kann. Man kauft ihr den ehrlichen Wunsch ab, frisch vermählten Paaren eine für sie passende Hochzeitszeremonie gestalten zu wollen. Sie selbst hatte zwei große Beziehungen in ihrem Leben und sagt heute: „Die Liebe ist ein unglaublich starkes Gefühl. Heute selbst die Ehe zweier Menschen zu schließen – wenn auch nicht rechtskräftig – ist eine große Ehre für mich.“

Sie entschloss sich dann, das „professionell zu machen“, wie man ihr geraten hatte. Müller meldete ein Gewerbe an, ließ sich eine Homepage einrichten. „Der perfekte Tag“ heißt ihr Unternehmen. Und das ist auch ihr Anspruch an sich selbst. Möglichst perfekt in ihrem Job zu sein: „Ich hatte immer das Ziel: Wenn ich es mache, mache ich es richtig.“ Entsprechend engagiert ging sie ihr Vorhaben an. Doch zunächst ließ der Zuspruch auf sich warten – trotz extra erstellter Facebook-Seite. Müller ging auf Hochzeitsmessen. Sie war in Karlsruhe und Ettlingen, für den Quadratmeter zahlt man dort schnell 600 Euro pro Tag. Der Erfolg blieb aber aus: „Da waren aus meiner Sicht gar nicht so viele Paare, sondern vor allem Souvenirjäger. Die meisten Paare, die ich traue, gehen wohl ohnehin selten auf Hochzeitsmessen.“

Kirchliches Trauungsritual zieht nicht mehr

Der Durchbruch kam dann für Müller doch über das Internet, nur eben später als gedacht. Im Netz braucht es eben einige Zeit, bis man bei den Suchmaschinen oben gelistet wird. Doch inzwischen ist sie auf der Seite hochzeitsportal-karlsruhe.de unter den freien Rednern der erste Treffer. Und auch über ihre Website finden diverse Paare sie.

Den Menschen, die zu ihr kommen, sagen die Formen der Kirche nichts mehr, erklärt Müller. „Paare, die heiraten, wollen heute individuell behandelt werden und finden das wohl nicht mehr bei der Kirche. Die Paare, die zu mir kommen, möchten zwar keine kirchliche Trauung, aber auch keine, wo es heißt: Wir geben uns im Standesamt das Jawort, und nach einem kurzen Imbiss geht es heim.“ Der Wunsch nach einer klassisch-romantischen Zeremonie sei da.

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