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Japanische Badehäuser : Wasser des Glücks

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Wir wollen testen, wie wohltuend und entspannend ein Besuch im Onsen mit Übernachtung im Ryokan wirklich ist. Von Kyoto aus geht es nach Kinosaki Onsen, in eine für ihre heilenden Quellen bekannte Bergstadt in der nördlichen Hyõgo-Präfektur an der Küste des Japanischen Meers. Hier blickt man auf eine 1300 Jahre alte Geschichte der Thermalquellenkultur zurück. Dafür nehmen wir es auf der zweieinhalbstündigen Fahrt auch in Kauf, zweimal umsteigen zu müssen. Die Entschleunigung erleben wir schon auf dem Weg und das im Wortsinn: Es geht los mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, dann wechseln wir in eine gemächlich fahrende Regionalbahn, und zuletzt rollen wir mit einem Einwaggon-Gefährt im Bahnhof von Kinosaki ein.

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Der Ort mit den breiten Gassen und dem Bach im Zentrum wirkt wie leergefegt. Es ist unglaublich ruhig. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass hier mehr als 600.000 Übernachtungen im Jahr verzeichnet werden. Ob sich die Besucher wie gekochte Sardinen in einem der sieben öffentlichen Badehäuser tummeln, der zentralen Attraktion des Orts? Auch die meisten Ryokans haben kleine heiße Quellbäder, Gäste der Luxussuiten haben oft sogar ihren eigenen Hot-Pool. „Viele Ryokans sind darauf angelegt, dass Gäste sie nicht verlassen“, sagt Marie-Luise Legeland. „Kinosaki hat sich die öffentliche Badekultur allerdings erhalten. Noch immer werden die öffentlichen Badehäuser von gut 80 Prozent der Besucher genutzt.“

Heilung und Entspannung

Der Ort gleicht einem einzigen großen Wellnessbereich, in dem die Besucher zwischen ihren Ryokans, den Cafés und Restaurants und den Badehäusern flanieren. Sie tragen dabei eine besondere Uniform: ein traditionelles Outfit, das aus Yukata, einem leichten Kimono, den hölzernen, klackernden Geta-Sandalen und den Tabi-Socken mit Extraloch für den großen Zeh besteht.

Die traditionelle Kleidung passt zum Stadtbild im historischen japanischen Stil. Als ein Erdbeben 1925 die gesamte Stadt zerstörte, sagt Legeland, habe man beschlossen, sie nach altem Vorbild wieder aufzubauen. „Aber erst durch die Denkmalschutzbewegung, die seit den sechziger Jahren aktiv agierte, gelang es, das Stadtbild einigermaßen homogen zu erhalten. Als alle auf den Westen schielten, hat Kinosaki schlauerweise früh erkannt, dass sich Tradition gut vermarkten lässt.“

Statt dicke Hotelklötze mit Vergnügungsparks zu bauen, hat man in Kinosaki den ursprünglichen Charme bewahrt. Man setzt nicht auf Animationsprogramme, sondern auf Kulturfeste. Auch kulinarisch hat der Ort viel zu bieten, zum Beispiel die große Matsuba-Schneekrabbe, eine örtliche Spezialität, die in den besucherreichen Wintermonaten von November bis März Saison hat. Dann schmeckt auch das Tajima-Fleisch besonders gut. Das als bestes Rindfleisch der Welt bezeichnete Kobe stammt übrigens auch vom Tajima-Rind.

Im Badehaus: Szene einer Zeremonie im 18. Jahrhundert.
Im Badehaus: Szene einer Zeremonie im 18. Jahrhundert. : Bild: Hulton Fine Art Collection/Getty

Aber vor dem Essen ein Bad! In unserem Ryokan angekommen, schlüpfen wir in die zurechtgelegten Yukata und machen uns auf den Weg. Das hoteleigene Onsen ist wie überall in einen Frauen- und einen Männerteil getrennt. Im Saal ist das Tragen von Badebekleidung ebensowenig gestattet wie das Benutzen großer Handtücher, nur ein kleines Handtuch, das Tenugui, darf mitgenommen werden. Ein Tattoo am Körper überklebt man besser mit einem Pflaster: Tätowierungen sind im Onsen gar nicht gerne gesehen, wenn nicht gar strikt verboten – ein Relikt aus der Zeit, als ausschließlich Mitglieder der Yakuza, der japanischen Mafia, tätowiert waren.

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