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Heiko Maas auf Instagram : Perfekt in Szene gesetzt

Hart am Arbeiten, und die Kommentatoren schimpfen trotzdem: Heiko Maas auf Instagram Bild: Screenshot/Instagram/maas.heiko

Nach dem umstrittenen Türkei-Besuch von Heiko Maas twitterte Cem Özdemir sarkastisch: „Hoffe, die Ausbeute für Instagram passte zumindest.“ Wie präsentiert sich der Außenminister auf der Plattform – und ist das ein Problem?

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          Die Reise in die Türkei war für den deutschen Außenminister Heiko Maas kein großer Social-Media-Erfolg: Auf Instagram bekam er für ein am Samstag veröffentlichtes Foto von einem Sonnenaufgang (oder war es ein Untergang?), das auf dem Flug nach Ankara aufgenommen wurde, nicht sehr viele Herzchen. Bis Sonntagabend waren es nur knapp 2000. Deutlich erfolgreicher war seine Reise zur UN-Vollversammlung in New York im September: Für ein Foto, das ihn damals im Anzug auf dem Boden sitzend zwischen einer Kaffeetasse, einer Dose Cola und seinem Redemanuskript zeigte, gab es mehr als 5700 Likes.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Dass der deutsche Außenminister auf Auslandsreisen vor allem an seine Instagram-Follower denkt, ist natürlich eine unverschämte Unterstellung. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir konnte sich diese nach Maas' umstrittenem Türkei-Besuch aber nicht verkneifen. Er twitterte am Sonntag: „Schicksal der Menschen in Syrien? Ansehen unseres Landes? Weniger wichtig als die Profilierung gegen eine Kabinettskollegin? Nie war der Bedeutungsverlust deutscher Außenpolitik deutlicher. Hoffe, die Ausbeute für Instagram passte zumindest.“

          Aber was macht der Außenminister eigentlich auf Instagram? Das erste Foto auf seinem Account veröffentlichte Maas im September 2018, er war darauf vor einem Flugzeug zu sehen, dazu schrieb er: „Seitdem ich Außenminister bin, war ich in 24 Ländern – und ab jetzt bin ich auch auf Instagram.“ Dazu stellte er das Hashtag: #diplogram. Seitdem kann man Maas dabei zusehen, wie er um die Welt reist, Fahrrad fährt, im Anzug Fußball spielt, verträumt von Booten aufs Wasser schaut oder Kaffee umrührt. Ein gutes Jahr später ist er auf der Plattform nicht gerade ein Star, er hat rund 41.000 Follower. Zum Vergleich: Dieter Bohlen hat 1,3 Millionen.

          Dabei bekommen die Fans von Bohlen nur eine Figur präsentiert: Er ist immer der gutgelaunte, braungebrannte Berufsjugendliche. Heiko Maas schlüpft dagegen in immer neue Rollen: Er kann ernst, er kann sportlich, er kann locker, er kann verträumt, und immer sieht er dabei aus, als spielte er diese Rolle gerade in einem Film. Perfekt in Szene gesetzt. Man kann sich kaum vorstellen, dass zum Beispiel das Bild, auf dem Maas eine Zugangstreppe zu einem Flugzeug hochjoggt, beim ersten Versuch so aussah: dynamischer Politiker, entschlossener Blick, verschwommener Hintergrund. Musste Maas auf dem Weg zum 30. Jahrestag des Genscher-Auftritts in der Prager-Botschaft also fünf Mal die Gangway hochjoggen, bis das Foto so gut aussah?

          Rührend: der Außenminister mit Kaffee

          Man könnte entgegnen, dass sich Politiker für die Presse schon immer in Szene gesetzt haben. Warum sollten sie dafür jetzt nicht die sozialen Medien nutzen? Cem Özdemir macht das auf Twitter und Instagram genauso. Problematischer als die gestellten Fotos ist ein anderes Instrument, das Maas auch gerne nutzt: Fragerunden auf Instagram. Die sind bei vielen Prominenten sehr beliebt, weil sie sich selbst aussuchen können, welche Fragen der Nutzer sie beantworten – und nur diese dann in ihren Storys auftauchen.

          Umstrittene Rapper wie Bushido, denen man gerne Fragen zu ihren Verbindungen ins kriminelle Milieu stellen würde, nutzen das besonders gerne. Böse Stimmen behaupten, dass sich manch ein Rapper die netten Fragen über einen Zweitaccount einfach selbst stellt. Musiker brauchen für ihre Öffentlichkeitsarbeit jedenfalls keine Journalisten mehr, viele geben überhaupt keine Interviews mehr – und erreichen über Instagram trotzdem ein Millionen-Publikum.

          An kritischen Medien vorbei senden

          In der Politik ist der Trend, an kritischen Medien vorbei zu senden, schon lange angekommen, man denke an Twitter-Präsident Trump – oder an das „Interview“ von Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus mit seiner Parteikollegin Angela Merkel. Auch Heiko Maas findet die Fragen seiner Follower schon „viel besser als auf der Bundespressekonferenz“, wie er in einer seiner „Highlight-Storys“ sagt. Er gibt zwar abseits von Instagram noch genug Interviews, aber auf der Plattform pickt er sich gerne zusätzlich die Fragen heraus, die zu seiner aktuellen Rolle oder Agenda besonders gut passen. Vor der Europawahl zum Beispiel: „Warum sollte ich die Sozialdemokraten wählen?“ Das wurde er auf der Bundespressekonferenz wahrscheinlich noch nicht gefragt.

          Etwas befremdlich wirkt es, wenn seine verschiedenen Rollen aufeinandertreffen. Einmal beantwortet Maas zum Beispiel in derselben Story die Fragen: „Muss man sich Sorgen über Krieg in Iran machen?“ Und: „Haben Sie auch so eine coole Jogginghose wie Katarina Barley?“ Als Maas gefragt wird, welches Buch er gerade liest, und das dann zufällig auf dem Tisch liegt, muss er immerhin selbst lachen über so viel gespielte Authentizität.

          Bei einer anderen Frage erinnert sich Maas an seine Zeit bei den Jusos und „wilde Bilder im Landtag mit zerrissenen Jeans, die heute hoffentlich keiner mehr findet“. Da würde man gerne die Rückfrage stellen: Sind diese Bilder wirklich peinlicher als das Auf-dem-Boden-sitz-Foto aus New York? Zurecht würde es diese Unverschämtheit wohl nicht in die Auswahl der Fragen schaffen, die öffentlich gezeigt werden. Der deutsche Außenminister beantwortet nur seriöse, wichtige und kritische Fragen. Zum Beispiel: „Wo hast du deine Lederjacke her? 😍“

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