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Weine aus Namibia : Nur die Sonne ist Zeuge

Trauben der Neuras Winery: Aus ihnen werden ein Shiraz und ein Cuvée aus Shiraz, Merlot und Petit Verdot hergestellt. Bild: © Prof Ian Purves

Alles fing mit einem deutschen Gartenbauer an: Am Rande der Namib-Wüste, einer der heißesten und trockensten Gegenden der Welt, keltert der Kellermeister der Neuras Winery seine Rotweine. Und die sind richtig gut.

          In der Sossusvlei Lodge herrscht Hochbetrieb. Den ganzen Tag über kommen neue Gäste. Sie alle wollen die Dünen sehen. Und die ausgetrocknete Oase mit ihren Baumgerippen. Sossusvlei ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Namibia; das ganze Jahr über strömen Touristen in diese einzigartige Wüstenlandschaft, die sich über Hunderte Kilometer bis zur Küste des Atlantischen Ozeans erstreckt und die höchsten Sanddünen der Welt beherbergt. In der Sossusvlei Lodge direkt am Eingang zum Namib-Nationalpark übernachten viele von ihnen. Die Tage verbringen sie in der rot schimmernden Wüste, abends sitzen sie auf der Terrasse und lassen sich gegrillte Kudu- und Springbock-Steaks, Garnelen-Salat oder Hühnchen-Curry schmecken. Dazu trinken sie südafrikanische, französische oder italienische Weine.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Tropfen der Neuras Winery sind auf der Weinkarte nicht zu finden. Dabei liegt das Weingut nach namibischem Verständnis praktisch um die Ecke: nur knapp 80 Kilometer Schotterpiste entfernt, etwa auf halber Strecke nach Maltahöhe, der nächsten nennenswerten Siedlung.

          Fünf Quellen liefern das Wasser

          Corné de Roubaix hat sich bewusst für diese Einöde entschieden. Der Dreiunddreißigjährige ist vor knapp zwei Jahren zur Neuras Winery gekommen. Nach acht Jahren in verschiedenen gastronomischen Betrieben reizte den Nachfahren von Hugenotten, die vor vielen Generationen ins südliche Afrika kamen, die Herausforderung, mitten in der Mondlandschaft der Naukluft-Berge, am Rande der Namib-Wüste, ein erstaunliches Projekt zu begleiten: die Produktion von anspruchsvollen Weinen - in einer Gegend, die zu den heißesten, trockensten und am dünnsten besiedelten der Welt zählt.

          Mit dem Keltern der Weine hat de Roubaix allerdings nichts zu tun, er ist für das Marketing des Weinguts zuständig. „Neuras und seine Weine sind wirklich einzigartig“, sagt er und lässt seine Gäste die beiden Weine des Hauses probieren: den ungewöhnlich leichten, beerig-würzigen Shiraz und den dunklen, vollmundigen Namib Red Blend, eine Cuvée aus Shiraz, Merlot und Petit Verdot.

          Das Geheimnis der Neuras Winery sind die fünf Quellen, die auf dem Gelände der früheren Farm liegen. Sie liefern das nötige Wasser für die Kultivierung der Rebstöcke, 1800 Jahre altes Wasser aus den Tiefen der Halbwüste der Naukluft-Berge. Ohne diesen Schatz wäre die Weinproduktion bei jährlichen Niederschlagsmengen zwischen 75 und 100 Millimetern undenkbar - europäische und amerikanische Winzer können schließlich mit 500 bis 1500 Millimetern im Jahr rechnen. Auch der kleine Gay River, der sich durch das Anwesen zieht, könnte nichts ausrichten, denn er ist im Grunde nur ein dünnes Rinnsal - und die meiste Zeit ohnehin ausgetrocknet.

          Einst ein Rastplatz für deutsche Kolonialtruppen

          Aber die Quellen sprudeln. Unter den Palmen neben den alten Rebstöcken plätschert das kalte, klare Wasser aus der Erde und sammelt sich in Naturbassins. Wegen der stetigen Bewässerung sind die Weine der Neuras Winery keine von Sonne und Hitze aufmunitionierte Fruchtbomben, sondern erstaunlich leichte, aromatische Tropfen von bemerkenswerter Eleganz. Einen positiven Einfluss haben auch die säurearmen, mineralischen Böden sowie der nahe Haruchas-Bergrücken, der die heißen Wüstenwinde abschwächt. Und schließlich sorgen Hitze und Trockenheit dafür, dass die Rebstöcke kaum von Krankheiten und Schädlingen bedroht werden und auf den Einsatz von Chemikalien vollkommen verzichtet werden kann.

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