Injektion in die Brust : Busenwunder für eine Nacht
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Einmal ein Dekolletee wie Christina Hendricks haben, und sei es nur für eine Nacht: Einige Frauen finden den Gedanken reizvoll. Bild: Picture-Alliance
Auf der Hochzeit oder beim Abschlussball mit tollen Formen protzen und am nächsten Tag wieder ganz die Alte sein – in Amerika sind Brustvergrößerungen für 24 Stunden der neueste Beauty-Trend. Ist das wirklich die Zukunft der Schönheitschirurgie?
Einmal eine dralle Diva sein: Mit einer seltsamen Mischung aus „Baywatch“ und „Aschenputtel“ macht der New Yorker Schönheitschirurg Norman Rowe in seiner Branche Schlagzeilen. „Insta-Breast“ nennt er eine Behandlung, welche die Brüste seiner Kundinnen vorübergehend auf voluminösere Maße anschwellen lässt: Ein paar Stunden nur dürfen die Damen dann einen üppigen Busen spazierentragen - nach einem Abend oder einem Ausflug ans Meer aber hat sich der Effekt gewissermaßen in Luft aufgelöst.
Mit der Injektion einer Kochsalzlösung ins Brustgewebe bewerkstelligt Rowe das vorübergehende Busenwunder. „Das ist völlig harmlos, man scheidet die Lösung schließlich mit dem Urin wieder aus“, erklärte uns Rowe. Er biete die Prozedur an, damit Frauen, die eine chirurgische Brustvergrößerung in Betracht ziehen, gewissermaßen einen Testlauf unternehmen können. „Try it before you buy it“, etwa: Probier’s aus, bevor du’s kaufst, nennt der Arzt das Verfahren, das in den amerikanischen Medien bereits für einiges Aufsehen gesorgt hat.
„Urlaubsbrüste könnten der neue Knüller der Schönheitschirurgie sein“, titelte etwa der amerikanische Fernsehsender „ABC“. Solche Wellen hat das Verfahren in der Öffentlichkeit geschlagen, dass der Mediziner inzwischen eine PR-Agentur mit der Koordination seiner Interviewtermine beschäftigt.
Kein Eintagsbusenwunder
Dabei ist das Verfahren, das Rowe seit zweieinhalb Jahren anwendet, denkbar simpel und allseits bekannt - Schönheitschirurgen in aller Welt spritzen routinemäßig Kochsalzlösungen bei Fettabsaugungen ins Gewebe, um Blutergüsse zu verhindern. Rowe sagt, die vorübergehende Volumensteigerung des Gewebes werde auch bei Kundinnen eingesetzt, die sich für einen bestimmten Augenblick vollere Wangen oder ein runderes Kinn wünschten. „Und ich dachte mir irgendwann: Warum soll ich das nicht auch mit der Brust machen?“
Mit Hilfe von 250 bis 275 Millilitern Kochsalzlösung wird aus Körbchengröße A plötzlich C. Die Prozedur dauert ganze zwanzig Minuten - billig ist sie nicht: 2500 Dollar berechnet der Schönheitschirurg nach eigenen Angaben für die Injektionen. Für den doppelten Preis, so bemerken Kollegen spitz, bekäme man bereits permanente Implantate. Bei Rowe kostet die Dauerlösung zwischen 8000 und 9000 Dollar, wenn auch unter Anrechnung der Insta-Breast-Injektion.
Rowe behauptet, er setze den Preis deswegen ziemlich hoch an, weil er den Eingriff als Probelauf für eine permanente Brustvergrößerung konzipiert habe, nicht als „Eintagsbusenwunder“ für Leute, die dafür schnell mal 200 oder 300 Dollar auf den Tisch legen würden. „Ich möchte, dass Kandidatinnen für eine Brustvergrößerung vorab sehen und fühlen können, wie es sich mit einem größeren Busen lebt. Ich habe das weder als 24-Stunden-boob-job konzipiert, noch will ich es so anwenden.“
Der Wunderbusen für jeden Tag
Seine gutbetuchten Kundinnen sehen das etwas anders. Die Verlockung, eben mal schnell das Dekolleté zu füllen, ohne sich gleich unters Messer begeben zu müssen, ist vor allem für die Damen aus Manhattans Oberschicht, die Rowe in seiner Praxis an der vornehmen Upper East Side aufsuchen, groß.
Rowe gibt dann aber auch zu, dass einzelne Frauen schon zweimal für einen Insta-Breast-Eingriff in seiner Praxis waren. Geld spielt da keine Rolle. Manche von ihnen wollen den neuen Freund beeindrucken oder ihre Chancen beim Partyflirt ausbauen. Andere wollten beim Abschlussball oder am Hochzeitstag in toller Form auflaufen.
Amanda Sanders etwa, eine Imageberaterin aus New York, hat bereits zwei Insta-Breast-Eingriffe bei Rowe hinter sich - einmal ließ sie sich die Oberweite für eine Veranstaltung aufmotzen, das zweite Mal für einen Kurzurlaub auf den Bahamas. „Ehrlich gesagt wünsche ich mir, ich könnte das jeden Tag machen“, sagte die Einundvierzigjährige dem Sender „ABC“. In ihrem Beruf würden schließlich gewisse Erwartungen an ihre Erscheinung gestellt. „Aber zu einem dritten Eingriff“, meint Rowe, „sage ich nein.“