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Ankleidezimmer : Dem Körperkult ein Zuhause

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Auch diese flauschige Kopfbedeckung braucht ein Zuhause. Die Pläne für das Weiße Haus sehen einen Glam Room für Melania Trump vor. Bild: dpa

Im Weißen Haus lässt sich Melania Trump einen „Glam Room“ einrichten. Auch in Deutschland bekommen Kleider, Make-up und Schuhe immer öfter ein eigenes Zimmer.

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          Wham! Glam!“, dachte man sich, als zur Einführung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump neue Pläne des Weißen Hauses veröffentlicht wurden. Auf der Skizze von Regierungszentrale und Residenz erschien ein Schönheitsraum für Präsidentengattin Melania: ein Glam Room. Allein der Name dieses neuen Zimmers ließ Nichtleser von Klatschblättern rätseln, was sie da wohl vorhat. Ganz einfach: Geplant ist ein Raum nur für Kleider, Lockenstäbe, Lipglossbatterien und das Einlaufen von Stilettos im Zentrum der Macht. Denn ein Glam Room ist die moderne Erweiterung des klassischen Ankleidezimmers um Sofas, offene Schuhregale, Make-up-Station und Fönplatz.

          „Der Begriff ,Glam Room‘ wurde durch Prominente wie Reality-Star Kim Kardashian geprägt und war bisher eher ein amerikanisches Einrichtungsthema als ein deutsches“, sagt Delia Fischer, Gründerin von Westwing, einem Online-Handel für Einrichtung und Wohnaccessoires. Sie sieht den Glam Room als moderne Version des Boudoirs. „Diven wie Céline Dion, Mariah Carey und Donatella Versace haben aufwendig gestylte Glam Rooms mit Garderobe und professionellen Make-up- und Friseureinbauten“, sagt Fischer.

          Kleidung nimmt in unserem Leben mehr Raum ein

          Abgesehen vom Präsidentensitz scheint die Supermodellisierung auch unserer Häuser ein Trend, der nicht aufzuhalten ist. Der schöne Schein – Glamour, Spiegel und Hochglanzflächen – gilt neben der natürlicheren Grünwelle als letzter Schrei des zeitgenössischen Interior Designs. Sicher kann man Glam Rooms als überflüssige Zimmer zum Aufbrezeln von reichen Park-Avenue-Bewohnerinnen abtun, die von ihrem Aussehen besessen sind. Oder als Spleen von Popstars, die ohne persönlichen Lipgloss-Retuscher keinen Schritt gehen. Doch das greift zu kurz. Westwing-Gründerin Fischer vertritt die Ansicht, dass sich unser Verhältnis zum Körper in gewisser Weise im Grundriss unserer Häuser widerspiegle. „Große Bäder und Home-Spas sind in den letzten Jahren immer gefragter, ein Ausdruck vom Wellness-Bewusstsein, ganz nach dem Motto ,Mein Körper ist mein Tempel‘.“

          Helle Pudertöne schmeicheln dem Teint. Ideal sind Tageslicht und ein Spiegel zum Schminken.

          Auch ein Glam Room könne ein Zeichen sein von Luxus, der nun für die breite Masse erschwinglich ist, sagt die Unternehmerin. Sie sieht im zunehmenden Raum, die Kleidung in unserem Leben einnimmt, eine typische Erscheinung einer visuell geprägten Gesellschaft, in der Stilettos Sammlerstücke und In-Taschen Trophäen sind wie früher handgemaltes Porzellan oder selbstgeschossene Hirschgeweihe: „Wir möchten unsere Kleidung, Schuhe und Make-up nicht verstecken, sondern ihnen einen gebührenden Platz geben, nicht nur an uns, sondern eben auch in unserem Zuhause“, sagt sie.

          Fast jeder kann sich einen Glam-Room einrichten

          Nach Ansicht von Fischer kann man sich auch mit begrenztem Budget ein kleines Ankleidezimmer schaffen: „Man braucht zum Schminken idealerweise eine Kommode mit Tageslicht und Spiegel, dann einen Sessel oder Sofas sowie offene Kleiderschränke. Dazu einen schönen Teppich, damit man barfuß laufen kann. Als Farben eignen sich helle, vor allem pudrige Töne, die dem Teint schmeicheln. Bei Stoff rate ich zu gemütlichen, glamourösen Materialien wie Samt.“

          Kleidung, die der gesellschaftlichen Stellung und dem Anlass entspricht, war über Jahrhunderte hinweg immer auch ein Zeichen von sozialer Position und Macht. Ebenso wie die Tatsache, über viel Raum für Schönheitsrituale zu verfügen – und das getrennt vom Ehepartner. Von der Barockzeit an ist in den Bauten des Hochadels eine dezidierte Trennung von weiblichen und männlichen Lebensbereichen klar zu sehen und in ihnen auch eigene Rückzugsräume: die sogenannten „Appartements“ von Monsieur und Madame in unterschiedlichen Gebäudeflügeln.

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