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Gesundheit : Wasser marsch!

  • -Aktualisiert am

Bild: Getty Images/Flickr RF

Trinken, Schwitzen, Baden - Wasser spielt nicht nur im Sommer eine lebenswichtige Rolle für unseren Körper. Zu wenig ist schlecht, zu viel auch. Richtig dosiert aber fördert es nicht nur die Gesund-, sondern auch die Schönheit.

          3 Min.

          Es ist gut, dass die Bibel kein Physiologiebuch ist. Denn im Buch Genesis heißt es, dass wir Staub sind, und auch, dass wir zum Staub heimkehren werden. Wäre die erste Aussage richtig, wäre es auch die zweite. Oder, anders gesagt: Bestünden wir aus Staub, wären wir tatsächlich schon unter der Erde. Denn ein Körper aus Staub könnte keine Vitamine auflösen, er könnte nicht die Zellen und die Organe damit versorgen, keine Schadstoffe abtransportieren, und auch ein körpereigenes Kühlsystem aus Staub ist schwer vorstellbar.

          Damit all das funktioniert, sind wir nicht Staub, sondern Wasser, zumindest größtenteils. Genauer gesagt: Bei Erwachsenen macht es rund zwei Drittel des Körpergewichts aus. Bei Männern ist der Anteil höher als bei Frauen, bei Schlanken höher als bei Adipösen. Das liegt an der Beschaffenheit des Gewebes: Männer haben mehr Muskeln als Frauen, Schlanke mehr als Korpulente. Und die Muskeln enthalten mehr Wasser als Fettgewebe. Aus demselben Grund sinkt der Wasseranteil mit zunehmendem Alter: Die Muskulatur geht zurück, und das Körpergewicht von Senioren besteht nur noch zur Hälfte aus Wasser. Außerdem nimmt im Alter auch das Blutvolumen ab.

          Wasser ist überall im Körper verteilt. Innerhalb der Zellen, außerhalb der Zellen, in allen Organen. Aber damit ist es nicht getan, man muss es nachfüllen, weil es dem Körper immer wieder verlorengeht, durch Ausscheidungen, Atmung und Schweiß. Nach vier Tagen ist man verdurstet, wenn man keine neue Flüssigkeit zu sich nimmt. Und weil es so lebenswichtig ist, sorgen Botenstoffe im Gehirn dafür, dass man das Trinken nicht vergisst. Der Hypothalamus ist mit sogenannten Osmo-Rezeptoren ausgestattet: Sie ermitteln, wie viel Salz je Liter Körperflüssigkeit enthalten ist. Ist die Salzkonzentration zu hoch, wird das Hormon ADH ausgeschüttet. Es bewirkt, dass die Nieren möglichst wenig Wasser ausscheiden - und dass das Durstgefühl entsteht.

          Wo dir kritische Menge beginnt, hängt vom Körpergewicht ab

          Gefährlich wird es aber nicht nur, wenn man zu wenig trinkt, sondern auch zu viel. So kamen schon Leute ums Leben, die wegen einer Wette stundenlang Wasser tranken, oder Marathonläufer, nachdem sie es becherweise hinuntergestürzt hatten. Sie tranken in kurzer Zeit mehr, als sie verkraften konnten. Bei einer Wasservergiftung gerät das Verhältnis von Wasser und Salzen durcheinander. Vom Darm aus gelangt Wasser ins Blut. Wenn mehr Wasser ins Blut gelangt, als die Nieren ausscheiden können, verdünnt es dort die Salzkonzentration zunächst außerhalb der Zellen, dann auch innerhalb. Als Folge funktionieren die Zellen nicht mehr richtig, und auch die Organe stellen ihren Dienst ein. In einem solchen Fall kann das Gehirn anschwellen, dann fließt das Blut nicht mehr ungehindert hindurch, Bewusstlosigkeit und Tod können die Folge sein.

          Die meisten Wasservergiftungen haben einen weniger drastischen Ausgang, und man hört spätestens dann mit dem Trinken auf, wenn man sich übergibt. Wo die kritische Menge beginnt, hängt auch vom Körpergewicht ab. „Zwei Liter, auf eine Stunde verteilt, sind für einen gesunden Erwachsenen noch ungefährlich“, sagt der Physiologe Helmut Schröck.

          Wir sind also nicht beschaffen wie die Kamele, die Flüssigkeitsverluste ausgleichen können, indem sie innerhalb von Minuten hundert Liter Wasser trinken. Beim Menschen ist weniger mehr: In gewohnten Breitengraden benötigt ein gesunder Körper über den Tag verteilt etwa zweieinhalb Liter Flüssigkeit. Meistens reicht es, nur einen Teil davon zu trinken, denn auch in fester Nahrung ist Flüssigkeit enthalten. Außerdem produziert der Körper durch die Verbrennung von Nährstoffen selbst rund einen drittel Liter Wasser, das er durch Ausscheidungen, Atmung und über die Haut wieder los wird.

          Die Nieren eines Gesunden produzieren täglich etwa zwei Liter Harn. Und insgesamt fördern rund drei Millionen Schweißdrüsen, die an den Handflächen, den Fußsohlen sowie an der Stirn besonders konzentriert sind, unentwegt winzige Mengen an Flüssigkeit, Salzen und Harnstoff nach draußen. Selbst an kühlen Tagen verschwitzen wir etwa einen halben Liter. Bei hohen Temperaturen auch mal mehr: Denn das Wasser auf der Haut verdunstet und kühlt damit den Körper - auf 37 Grad, auch wenn die Luft drum herum wärmer ist.

          Wer seinen Urlaub im Süden verbringt, verschwitzt bis zu zehn Liter am Tag. Dauert die Reise nur lange genug, mindestens ein paar Wochen, passt sich der Organismus an und verringert die Schweißproduktion. Nicht immer merkt man, wie viel Flüssigkeit den Körper verlässt: In Wüstenluft bleibt die Haut ziemlich trocken, obwohl sie literweise Flüssigkeit entweichen lässt. In den Tropen hingegen hat der Schweiß es wegen der hohen Luftfeuchtigkeit besonders schwer, in die Luft zu verdampfen. Die Kühlung funktioniert deshalb schlechter - was Kreislaufbeschwerden hervorrufen kann. Nicht nur Urlaub kann schweißtreibend sein, sondern auch körperliche Aktivität: Ein Sportler schwitzt bis zu eineinhalb Liter je Stunde.

          Aber wie auch immer es zu Flüssigkeitsverlust kommt, wichtig ist, ihn wieder auszugleichen: entweder durch Wasser oder, noch besser, durch verdünnte Fruchtsäfte oder Sportlergetränke, die Salze enthalten. Solange es nicht um sportliche Höchstleistungen in der Mittagshitze geht, hält die warme Jahreszeit aber nicht als Ausrede dafür her, sich besser gar nicht erst von der Stelle zu bewegen. An einem lauen Sommerabend eine halbe Stunde zu joggen, ist in der Regel unbedenklich, auch ohne mitgeführte Wasserreserven. Das mag zwar eine Durststrecke sein, aber eine, die als gesundheitsverträglich gilt.

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