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Gesichtscreme für Männer : Asche auf mein Haupt

  • -Aktualisiert am

Gesichtscremes gibt es viele – nicht alle halten, was sie versprechen. Bild: Dieter Rüchel

Jahrelang bin ich ohne Gesichtscreme ausgekommen. Jetzt nehme ich Aschecreme. Und sie hilft.

          3 Min.

          Ich habe der Pflege meiner Haut nie viel Bedeutung beigemessen. Trotzdem fragten mich die Leute, wie ich das denn mache, mit meiner „reinen Haut“. Mit Anfang 20 war das einfach: nicht waschen, nicht cremen, nicht rausgehen, viel Urlaub. Andere Faktoren, das las ich erst später, trugen wohl dazu bei: kein scharfes Essen (manche sagen, es sei andersherum), kein Alkohol, kein Nikotin. Ausreichend zu trinken - daran arbeite ich noch.

          Als Mann in den Zwanzigern hat man es einfach. Das ist ein Alter, in dem sich Frauen schon in einer Faltenkrise wähnen, weil ihre Haut zehn Jahre schneller reift, während er in der Haut eines 15 Jahre alten Mädchens steckt (und sich manchmal auch noch so benimmt). Männerhaut ist dicker, sie verträgt Sonne dank Melanin besser und Trockenheit dank guter Wasserbindung. Bis sie Mitte 30 sind, haben Männer straffere Haut als Frauen. Dafür müssen sie in Kauf nehmen, dass sie sich nicht so weich anfühlt, weil das Unterhautfettgewebe schwächer ist. Mit 35 geht es dann aber schon bergab. (Sorry.)

          Ein anderes Manko treibt schon viel früher wilde Blüten: die Rasur. Die Irritationen, treffend Rasurbrand genannt, treten häufig dann auf, wenn die Haut nicht richtig behandelt wird. Auch ich kenne das. So kam ich zur Asche-Basis-Creme, oder besser: sie zu mir. Ein Freund nahm sie schon seit Jahren auf Empfehlung seines Arztes, und ich dann irgendwann auch. Eine Öl-in-Wasser-Emulsion. Die neutrale Verpackung im klinischen Look mit Helvetica-Schrift stiftete Vertrauen. Aschecreme, das klingt nach Island, Eyjafjallajökull, Feuer, Ausbruch, Stille, Natur. Und tatsächlich: Dank Asche-Basis-Creme hatte ich nie wieder Probleme nach dem Rasieren.

          Aschecreme – die Wunderwaffe der Dermatologie

          Sie eigne sich, steht auf der Verpackung, „zur Pflege der gesunden oder angegriffenen Haut“. Das ist fürs Marketing natürlich gut. Sie kostet zwischen 10 und 15 Euro und wird, wenn man Foreneinträgen glauben darf, wohl häufig von Ärzten empfohlen. Die Asche-Basis-Creme, heißt es im Internet, helfe gegen Neurodermitis, Akne, Sonnenbrand, Flechten und Flecken unbekannten Ursprungs, Beziehungsprobleme, Zweifrontenkriege und Atomangriffe, jedenfalls so ungefähr.

          Aber was ist drin in dieser Wundertube? Die Erkenntnis „keine Ahnung, aber irgendwie hilft es ja“ führt nicht zum Ziel. „Aqua, Petrolatum, Paraffinum, Liquidum“: Wasser, Erdölprodukte, dann ein Lösungsvermittler, Verdickungsmittel, ein Konservierungsstoff, sechs Duftstoffe. Laut Herstellerangaben eignet sie sich gut für Allergiker, dabei können doch auch Duftstoffe Allergien hervorrufen. Außerdem werden „PEG-40-Stearate“, die auch in der Creme sind, in der Regel aus der Ölpalme gewonnen, und zwar nicht sehr umweltgerecht.

          Drum prüfe wer sich ewig cremt

          Unbestritten scheint, dass die Aschecreme hilft. Auch ich kann nicht klagen. Viele Leute berichten, dass sie jahrelang genau nach dieser Creme gesucht hätten. Eine Emulsion fürs Leben. So schlimm könne sie also nicht sein. Immerhin seien in Europa weit mehr Inhaltsstoffe verboten als in den Vereinigten Staaten. Dennoch schreibt eine Nutzerin: „Wenn du dir die Haut mit Paraffin zukleistern willst: bitte.“

          Leider gibt es fast keine Hautpflegeprodukte ohne Paraffin. Und gegen Falten kommen Cremes ohnehin nicht an. Die meisten von ihnen, egal ob sie fünf Euro kosten oder 50, sind Emulsionen. Weil die Struktur der Cremes nicht mit der Schutzschicht auf der Haut korrespondiert, lagern sie sich an der Oberfläche ab und verstopfen oft die Poren. Wasser spüle die Wirkstoffe der Cremes sofort aus, meint ein Nutzer, sie seien also nutzlos. Das sei der „Auswascheffekt“. Also lieber doch keine Creme? Ein von Furchen gegerbtes Gesicht im Alter soll charismatisch sein und wahre Wunder wirken.

          „Ich wasche mir nie das Gesicht.“

          Angeblich nutzen nur zehn Prozent der deutschen Männer Gesichtscreme. Ein ausbaufähiger Markt. Männercremes tragen tolle Namen, die an Automarken und Baumaschinen erinnern, ihre Verpackungen sehen stahlhart aus, sie boosten und powern und protecten. Auch Jogi Löw schmiert sie sich ins Gesicht. Die führenden Kosmetikhersteller meinen, 90 Prozent aller Pflegeproduktkunden wollten im Büro gut aussehen, drei Viertel täten es ihrer Frau zuliebe. Cremes für Männer sind weniger fett als die für Frauen, weil Männerhaut von Natur aus fetter ist. Männer brauchen also eher feuchte, „revitalisierende“ Cremes. Meine Asche-Creme fühlt sich revitalisierend an.

          Irgendwann komme ich zur Frage: Sollte man das Gesicht, wenn man es schon nicht eincremt, überhaupt waschen? Die Keime lauern schließlich überall. Manche sagen: bloß nicht, wegen der Austrocknung! Oder heißt das jetzt „Austrockeneffekt“? Auf einem Magazincover mit Selma Hayek stand: „Ich wasche mir nie das Gesicht.“

          Das war natürlich, ganz ungeschminkt gesagt, Quatsch. Im Text sagte sie: „Ich wasche mein Gesicht nie morgens, sondern nur abends, dann kann die Haut sich über Nacht regenerieren.“ Eine passende Creme scheint sie nicht gefunden zu haben. Jetzt verkauft sie ihre eigenen Pflegelinie in amerikanischen Drogeriemärkten.

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