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Verschwiegene Begleiter : Erwachsen, berufstätig – und mit Kuscheltier

  • -Aktualisiert am

Die Seelentröster aus Plüsch. Bild: Frank Röth

Kinder und ihre Kuschelfiguren sind oft unzertrennlich. Doch nicht nur sie: Auch manch ein Erwachsener besitzt einen Seelentröster aus Plüsch. Aber nur die wenigsten geben es zu.

          5 Min.

          Lukas hat ein Geheimnis. Seine Freunde wissen nichts davon, seine Eltern auch nicht und seine Arbeitskollegen schon gar nicht. Lukas kann ohne sein Kuscheltier nicht einschlafen. Der kleine braune Teddybär, genannt Racco, liegt jeden Abend neben ihm auf dem Kopfkissen, immer in Griffweite mit seinem flauschigen, an manchen Stellen schon ziemlich abgegriffenen Fell. Für Lukas ist das ganz normal, aber ein bisschen peinlich ist es ihm schon. Lukas ist 35 Jahre alt.

          Der junge Mann aus dem Rheinland steht mitten im Leben. Beruflich laufe es gut, sagt er, und auch sonst könne er nicht klagen: „Eigentlich bin ich ganz normal. Ich bin viel unter Leuten, mache gern Party und führe eine glückliche Ehe.“ Nur diese Sache mit dem Kuscheltier, die solle bloß keiner erfahren. „Im Freundeskreis bin ich eher der coole Typ“, sagt Lukas. „Ich glaube, die würden sich über mich schlapplachen.“ Sein Name ist in diesem Text deshalb geändert. Erzählen möchte er von seiner Liebe zu Racco trotzdem. „Weil es garantiert nicht nur mir so geht“, sagt er. „Ist ja auch gar nichts Schlimmes dabei.“

          Der Teddybär, der für Lukas so wichtig ist, hat schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Geschenkt bekam er ihn von seinen Eltern im Alter von vier oder fünf Jahren – ganz sicher ist er sich da nicht mehr. „Wir waren einfach unzertrennlich“, sagt er und zählt auf, wohin er Racco damals mitgenommen hat: auf den Spielplatz, zum Kindergarten, zu den Großeltern und zur Tante ins Sauerland. So geht es vielen Kindern. Doch während bei den meisten spätestens in der Pubertät der Teddy in den Keller wandert, war es bei Lukas anders: „Natürlich habe ich ihn irgendwann nicht mehr mit nach draußen genommen“, sagt er. „Aber wenn ich nach Hause komme, ist er immer noch da, so wie früher.“

          Der Teddybär als Kinderersatz?

          Nach einem stressigen Arbeitstag spricht Lukas mit seinem Kuscheltier. Er nimmt es in den Arm, streichelt ihm übers Fell und setzt es danach wieder aufs Kopfkissen. „Andere haben eine Katze, ich habe Racco“, sagt Lukas. Er findet das selbst ein wenig lustig und kann darüber lachen. Ist der Teddybär für ihn so etwas wie ein Kinderersatz? „Gute Frage“, entgegnet er. „Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nie nachgedacht. Ich würde es aber gar nicht so hoch hängen. Ich mag einfach meinen Teddy, das ist alles.“ Nur weil man eine besondere Hinwendung zu etwas habe, müsse man ja nicht gleich etwas kompensieren.

          Dass viele Menschen sich nicht trauen, offen über ihre mit Watte gefütterten Freunde zu sprechen, könnte auch mit der Populärkultur zusammenhängen. Wenn Erwachsene mit Kuscheltieren in Filmen zu sehen sind, ist die Handlung meist so absurd, dass man darüber nur noch den Kopf schütteln kann. Am bekanntesten dürfte die „Ted“-Kinoreihe sein, bei der ein Teddybär lebendig wird und einen Jungen bis ins Erwachsenenalter begleitet – um dann mit ihm Bier zu trinken, zu kiffen und Frauen anzubaggern. Schon in den 1990er-Jahren verließ Mr. Bean, der schräge Typ aus der gleichnamigen britischen Comedy-Serie, nie ohne seinen Teddy das Haus.

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