https://www.faz.net/-hrx-a2u81

Verschwiegene Begleiter : Erwachsen, berufstätig – und mit Kuscheltier

  • -Aktualisiert am

Reinhardt berichtet von Kunden, die mehrere hundert Kilometer anreisen, um ihren Stoffbär, -hund oder -pinguin vorbeizubringen. „Sie haben Angst, ihr Liebstes zu verschicken“, sagt sie, und wenn es erst mal da sei, müsse es mit der Reparatur ganz schnell gehen. „Die Leute können nicht lange ohne ihr Kuscheltier sein. Am liebsten möchten sie es gleich wieder mitnehmen.“ Ihr Kundenkreis bestehe aus allen Altersgruppen, wobei die Männer knapp überwögen: „Manche schicken ihre Frauen vor, weil es ihnen unangenehm ist“, sagt sie. Die meisten aber seien ehrlich: „Heute morgen erst hat ein Mann seinen Plüschhund abgeholt“, sagt Reinhardt. „Er war sehr glücklich, ihn in einem Stück zurückzubekommen.“ Denn auch das sei wichtig: Die Stofftiere dürften keineswegs anders aussehen als zuvor. „Niemand will einen nagelneuen Teddy“, sagt Reinhardt. „Die müssen unbedingt ihren Charme behalten.“

Teddy-Doktorin: Marianne Reinhardt hat sich auf die Reparatur kaputter Kuscheltiere spezialisiert.
Teddy-Doktorin: Marianne Reinhardt hat sich auf die Reparatur kaputter Kuscheltiere spezialisiert. : Bild: Steve Przybilla

Doch woher rührt nun diese Zuneigung, die bis ins hohe Lebensalter reicht? Laut Reinhardt gibt es nicht den einen alles erklärenden Grund. Sie erzählt von Kunden, die ihre Teddys von ihren Partnern geschenkt bekommen haben. Von Frauen und Männern, deren Stofftiere schon den eigenen Eltern gehörten. Von 80-jährigen Senioren, die dem vertrauten Kindheitsduft nachhängen, den ihr Stofftier noch immer verströmt. „Viele sind total gerührt und weinen, wenn sie ihre Teddys wieder abholen“, sagt Reinhardt. Die gehörten zum Leben einfach dazu.

Ein treuer Begleiter

So sieht es auch Lukas, der seinen Racco ebenfalls auf fast alle Reisen mitnimmt. Das sieht man dem braunen Teddybären inzwischen auch an. „An den Armen und am Hals ist er schon ziemlich dünn“, sagt Lukas und lacht. „Wird wohl Zeit, dass er allmählich in den Ruhestand geht.“ Zu einem Reparaturshop möchte er ihn trotzdem nicht bringen. „Dann wäre er nicht mehr derselbe“, sagt er. „Wir Menschen werden doch auch älter, und man sieht es uns an.“ Mit Angeboten wie dem Reisebüro-Service kann Lukas derweil nur wenig anfangen. Das sei „reine Geldmacherei“, findet er. „Da nehme ich Racco doch lieber selbst mit.“

Trost spenden, Geborgenheit erfahren, Erinnerungen wecken: Wer als Erwachsener ein Kuscheltier besitzt, scheint am Ende die gleichen Gründe dafür zu haben wie ein Kind. Und dennoch scheint es für viele ein Tabu zu sein, fast schon ein größeres, als über Geld oder Sex zu sprechen. „Wenn ich beruflich unterwegs bin, verstecke ich Racco im Koffer, bevor das Hotelzimmer geputzt wird“, gesteht Lukas. „Abends hole ich ihn dann wieder hervor.“ Seine Frau beklage sich oft darüber, dass er beruflich zu viel unterwegs sei, erzählt der junge Mann. Zum Glück ist sie nicht komplett einsam, wenn er nicht zu Hause ist: Auch sie besitzt ein Kuscheltier – wie so viele.

Weitere Themen

Spahn plant Testpflicht für alle Reiserückkehrer Video-Seite öffnen

Berichten zufolge : Spahn plant Testpflicht für alle Reiserückkehrer

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant einem Bericht zufolge eine Testpflicht für alle Reiserückkehrer - egal, wo sie sich vorher aufgehalten haben. Bisher gilt die Testpflicht nur für Flugreisende und für Einreisende auch Hochrisikogebieten, die nicht vollständig geimpft sind.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.