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Geburtenbeschleunigung : Komm doch endlich auf die Welt!

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Steht die Geburt kurz bevor, wollen viele, dass es endlich losgeht Bild: dpa

Steht die Geburt kurz bevor, wollen viele Schwangere, dass es möglichst losgeht. Die Liste der Tricks und Hausmittelchen, die da angeblich helfen, ist lang. Doch bringen sie wirklich, was frau sich davon verspricht?

          Am Ende der Schwangerschaft wünschen sich viele Frauen die Geburt sehnlich herbei. Vieles, was früher mühelos ging, ist rund um den Entbindungstermin nur noch eine Strapaze. Weder an erholsamen Schlaf ist zu denken, noch kann frau sich richtig bücken oder sich weit von einer Toilette entfernen. Wie also, fragen sich dann viele Schwangere, kann ich helfen, endlich die Wehen auszulösen?

          Die Liste an Hausmittelchen und Tricks, die Bekannte und Freunde dann empfehlen, ist lang. Und laut einer Umfrage unter 200 Hochschwangeren greift etwa die Hälfte in solchen Situationen dann auch wirklich auf Hausmittel zurück, in der Hoffnung, dass es endlich losgeht. Die meisten versuchten es laut der Umfrage tatsächlich mit Laufen, Sex, scharfen Speisen oder Brustwarzenmassage. Einige gaben auch an, sie hätten sich körperlich betätigt, Abführmittel eingenommen oder Akupunktur angewandt.

          Christian Albring ist Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte und weiß: „Wenn eine Frau etwas versucht und dann prompt die Wehen einsetzen, erinnern sich später natürlich alle daran.“ Doch bei einer Frau um die 40. Schwangerschaftswoche könne es naturgemäß jeden Moment losgehen; ob die Wehen also ohnehin begonnen hätten oder durch irgendeinen Trick hervorgerufen wurden, kann man hinterher eigentlich nicht feststellen.

          Den Geburtsbeginn ohne Not auslösen?

          Wollte man den Zufall ausschließen, müsste man, wie üblich in der Medizin, systematischer vorgehen: Eine größere Anzahl von Frauen probiert ein und dasselbe Mittel aus; eine ähnlich große Gruppe mit vergleichbaren Voraussetzungen tut dagegen nichts. Nun kann man am Ende auszählen, in welcher Gruppe die Kinder früher kamen.

          Wichtig ist es dem Gynäkologen zu unterscheiden: „Es gibt das Bemühen, die Geburt selbst so gut wie möglich vorzubereiten, und eine Geburtseinleitung aus medizinischen Gründen.“ In jenen Fällen, in denen eine schnelle Geburt für die Gesundheit von Mutter oder Kind notwendig ist, müsse man aber absolut sichergehen und medizinische Maßnahmen einsetzen, betont auch Clemens Bartz, Leiter der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums Saarbrücken. Wenn es dagegen „nicht um die Wurst ginge“, sondern mehr um Wehenunterstützung oder eine sanfte Geburtseinleitung, dann könne man auch was ausprobieren. „Auch wenn vieles davon für Mediziner schwer nachzuvollziehen ist“, so formuliert Bartz, der auch Mitautor der neuen Leitlinie zur Geburtseinleitung ist, diplomatisch.

          Doch ist es überhaupt sinnvoll, den Geburtsbeginn ohne Not von außen auszulösen? Frauenarzt Albring meint: Nein. Die Schwangerschaftsdauer habe ja ihren Sinn. Er erlebt, dass sich werdende Eltern oftmals zu sehr auf den einmal errechneten Termin fixierten. „Die Frauen zählen manchmal ab, nur noch fünf Tage, nur noch vier Tage...“, berichtet er aus seiner Praxis. Dann sei die Enttäuschung groß, wenn der entscheidende Tag verstreicht. Doch tatsächlich, das zeigt auch die Statistik, hält sich nur ein sehr geringer Prozentsatz der Kinder an die Terminvorgabe von Eltern oder Ärzten. Die meisten kommen irgendwann vor oder nach dem Termin.

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