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Kolumne „Fünf Dinge“ : Fünf Dinge, die am Oktoberfest nerven

Mit rund 5,8 Prozent Alkoholanteil ist Wiesnbier stärker als „normales“ Bier – das verträgt nicht jeder. Bild: dpa

O’zapft is! Unsere Autorin, aufgewachsen im Münchner Umland, schafft es dieses Jahr wohl nicht auf die Wiesn – und ist nicht unbedingt traurig.

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          „Kommst du zur Wiesn?“ Diese Frage habe ich den vergangenen Wochen ziemlich häufig gestellt bekommen. Als ich in der Oberstufe war, gab es unter uns Münchner Vorstadtschülern eine Art Wettbewerb, wer es in den 16 Festtagen am häufigsten auf die Wiesn schaffte. Ich glaube, mein persönlicher Rekord lag bei fünf Mal. Trotzdem lautet meine Antwort in diesem Jahr wohl nein – und stimmt mich auch nicht traurig. Das hat fünf Gründe. 

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          1. Es ist einfach sauteuer

          Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: 11,80 Euro kostet die Maß inzwischen. Klar kann man auf einem Superlativ-Fest wie der Wiesn nicht die gleichen Preise erwarten wie auf der Dult in Altötting. Und ich finde Leute, die immer in der Vergangenheit schwelgen, normalerweise doof – aber als ich mit 16 meine erste Maß bestellt habe, da hat ein Zehner noch locker ausgereicht, inklusive Trinkgeld. Was man mittlerweile an einem Wiesnwochende ausgibt, gleicht dagegen gefühlt den Kosten für einen zweiwöchigen Urlaub auf den Malediven. Na gut, das mag übertrieben sein – aber für einen Kurztrip nach Mallorca reicht es bestimmt.

          In ist, wer drin ist: Fast 7000 Plätze hat das Hacker-Festzelt. Wer einen will, muss Monate vorher reservieren – oder die Ellenbogen ausfahren.

          2.  Hat jemand einen Tisch?

          Jedes Jahr das Gleiche: Anfang September ärgern sich alle, dass schon wieder niemand einen Tisch reserviert hat und versuchen hektisch, sich noch irgendwie bei der Cousine der Freundin des Bruders der Nachbarin dranzuhängen. Nächstes Jahr sollten wir aber wirklich reservieren, sagen dann alle immer und nicken sich mit ernsten Blicken zu. Macht im Januar, wenn die ersten Tische vergeben werden, aber doch keiner – denn Janina macht von September an vielleicht ein Auslandssemester, bei Patrick steht dann ein wichtiges Projekt an und Corinna ist schwanger. Auf Risiko kann man hingehen, wenn man bereit ist, den Abend neben völlig betrunkenen Touristen aus Australien, Neuseeland – oder besonders anstrengend – Italien zu verbringen.

          3. Die Preißn

          „Wo geht’s denn hier zu den Wiesen?“, ist ein Satz, mit dem man zielsicher jeden Münchner zur Weißglut treibt. Es ist nur eine Wiesn, kurz für Theresienwiese, wo das Fest stattfindet! Wer sich dann noch schnell auf dem Hauptbahnhof eine 40-Euro-Lederhose aus Plastik oder ein Mini-Dirndl in neonpink zugelegt hat, muss froh sein, wenn er nicht hochkant aus dem Zelt fliegt. Kommt lieber in Jeans. Und trinkt euer Bier nicht so schnell. Und versucht nicht „Maß“ zu sagen. Fahrt bloß keine Fahrgeschäfte nach Zeltschluss. Und nein, das weiße Zeugs, dass sich hier alle durch die Nase ziehen, ist (wahrscheinlich) kein Koks. 

          4. Man kommt nie trocknen Fußes nach Hause

          Die nassen Füße liegen dabei selten primär an den Pfützen, die sich bei Regen auf der Zeltgasse bilden. Irgendein Tischnachbar hat immer eine Maß zu viel bestellt und schafft es beim Schunkeln, einem sein Bier über die Füße zu schütten. Wenn man Glück hat, kommt es wenigstens direkt aus dem Glas und hat nicht bereits einen Umweg über den Magen genommen. Der Kotzhügel hat seinen Namen nicht ohne Grund.

          5. Der Hype

          Schon Wochen vor dem Anstich gibt es kein anderes Thema: Lokalmedien erfinden am laufenden Band irgendwelche Trends und verbreiten schon mal unseriöse Wettervorhersagen, Influencer werben alle für dieselben zwei Trachtenlabel, und die Radio-Sender haben den aktuellen Wiesnhit schon tot gespielt, bevor das erste Zelt eröffnet hat. Alle drehen völlig durch. Nicht mal wenn man München oder gar Bayern verlässt, gibt es ein Entkommen: Am Frankfurter Flughafen ist alles blau-weiß geschmückt, am Ostbahnhof findet etwas statt, was sich „Frankfurter Oktoberfest“ schimpft und es gibt sogar ein Partyschiff. Da vermisst man doch glatt das Original.

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          Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort mittwochs die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“die Kolumne „Der Moment“ und die „Fünf Dinge“-Kolumne. In der „Fünf Dinge“-Kolumne geht es um eine Handvoll Punkte, die nerven: am Fitnessstudio, an der Büroküche, an einer aktuellen Debatte, an Weihnachten – oder an sonst irgendwas.

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