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Kolumne : Fünf Dinge, die als Flugbegleiterin nerven

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Über den Wolken vergessen Passagiere nicht nur manchmal ihre gute Kinderstube. Bild: dpa

Passagiere, die Angst haben, kein Getränk zu bekommen und Gäste, die in Kaffeebecher pinkeln: Als Flugbegleiterin erlebt man viele nervige Alltäglichkeiten – und ein paar besonders unangenehme Ausnahmen.

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          1. Das Gepäck

          Vor allem auf Kurzstrecken hat mittlerweile fast jeder Passagier super viel Gepäck dabei, das er mit in die Kabine bringt. Dort sind die meisten Gäste aber nicht dazu in der Lage, es richtig unterzubringen. Am liebsten sind uns Gäste, die ihr Gepäck quer ins Fach legen, sehen, dass es nicht passt – und sich dann hinsetzen. Oft kommen wir zu dem Fach und wissen nicht, wem der Koffer gehört. Das klärt sich erst, wenn wir laut fragen – oder spätestens, wenn wir erklären, dass wir den Koffer leider entfernen müssen, wenn sich niemand meldet. Andere Passagiere bleiben einfach mit ihrem Gepäck im Gang stehen, schauen uns fragend an und machen gar nichts. Wir dürfen während des Einsteigens aber die Türen nicht verlassen. 

          2. Die Angst, vergessen zu werden

          Sobald wir losgeflogen sind, ziehen Passagiere gerne am Rock und machen Klack- oder Pfeifgeräusche, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Angst, beim Getränkeverteilen vergessen zu werden, ist bei vielen sehr groß. Wir haben ein bestimmtes System, nach dem wir die Reihen abarbeiten. Trotzdem ruft in jeder Reihe, die man für den Kollegen überspringt, jemand: „Hallo, hallo“. Der Knopf, mit dem man eine Flugbegleiterin rufen kann, ist eigentlich auch nicht dafür da, um Bestellungen aufzugeben. Den soll man drücken, wenn es einem nicht gut geht. Es ist nicht schlimm, wenn sich da auch mal jemand bemerkbar macht, der etwas zu trinken will und nicht rauskommt, weil der Nachbar schläft. Aber wenn jemand permanent drückt, erschrecken wir ständig, weil wir denken, es ist etwas passiert. Uns ist es da viel lieber, wenn jemand in die Küche kommt. Aber das gilt nicht für alle Fluggesellschaften. Deswegen trauen sich das manche Passagier vielleicht auch nicht.

          3. Die Kopfhörer

          Oft rufen uns Gäste zu sich, um etwas zu bestellen – setzen aber ihre Kopfhörer nicht ab. Wir fragen also, was sie wollen, und sie sagen immer wieder: „Hä, hä?“ oder „What, what?“. Das betrifft auf jedem Flug fast jeden zweiten Fluggast. Manche Kollegen machen einfach nur noch Mundbewegungen – bis die Passagiere endlich die Kopfhörer absetzen.

          4. Das Aufspringen

          Sobald die Anschnallzeichen vor der Landung oder bei Turbulenzen aufleuchten, stehen viele Passagiere auf und rennen aufs Klo. Bei der Landung verstehe ich das noch, viele wachen da gerade erst auf und wollen noch mal schnell auf die Toilette, bevor wir landen. Aber bei Turbulenzen ist es wirklich gefährlich – die Leute interessiert das oft nicht. Sie stehen auf und halten sich überall fest, wenn es wackelt. Wir können niemanden dazu zwingen, sitzenzubleiben, aber das Rumlaufen geschieht auf eigene Verantwortung. Wenn es Turbulenzen gibt, müssen wir uns ja selbst hinsetzen. Spätestens wenn man das sieht, sollte man eigentlich kapieren, dass wir das nicht zum Spaß machen.

          5. Die Hygiene

          Es gibt Passagiere, die uns einfach alles in die Hand drücken – auch volle Kotztüten oder Windeln. Da bitten wir sie dann, doch bitte selbst ins Bad zu gehen und sie zu entsorgen. Sehr unschön ist es auch, wenn Passagiere sich am mitgebrachten Essen der Crew bedienen. Man muss nur kurz seine Tupperware mit Salat in der Küche abstellen, um noch etwas zu erledigen, schon hängt ein Gast drüber. Die Dosen werden einfach aufgemacht, das kommt ganz oft vor. Und das absolut Schlimmste ist einer Kollegin kürzlich passiert: Ein Gast hat in ihren privaten Kaffee-Thermobecher gepinkelt, weil keine Toilette frei war.

          Protokolliert von Sebastian Eder

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