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Kolumne „Fünf Dinge“ : Fünf Dinge, die an Corona-Leugnern nerven

Ein Corona-Leugner auf einer Demonstration Den Haag am 23. August Bild: EPA

Sie erfinden alternative Fakten, glauben keiner Zahl von Forschern und Politikern und wollen nicht einmal aus Solidarität eine Maske tragen: Fünf Dinge, die an Corona-Leugnern nerven.

          5 Min.

          Eins vorweg: Wenn Sie das Coronavirus für eine Erfindung halten und Bill Gates für den heimlichen Chef einer Weltverschwörung, dann sollten Sie besser nicht weiterlesen. Oder falsch: Gerade dann sollten Sie weiterlesen! Schon klar: Egal, was wir von der gelenkten und lügenhaften Mainstream-Fake-Presse hier schreiben, Sie werden es uns ohnehin nicht glauben. Dabei ist es überaus erfrischend, sich mit den Argumenten anderer auseinanderzusetzen. Deshalb wollen wir das an dieser Stelle tun – voilà: Fünf Dinge, mit denen Corona-Leugner anderen in der Pandemie auf die Nerven gehen.

          1. Kein Maß

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Zustände, unter denen wir in Deutschland leben, sind die besten, die dieses Land je erlebt hat. Wer hier lebt, kann frei seine Meinung sagen, ohne Repressionen oder Schlimmeres befürchten zu müssen; die Demokratie ist stabil, die staatlichen Strukturen funktionieren reibungslos, es gibt sauberes Trinkwasser und ein dichtes soziales Netz. Vor allem ist unser Gesundheitssystem so gut, dass es selbst eine Pandemie in Schach halten kann, die es nach Meinung vieler Coronaleugner gar nicht gibt. Wer deshalb ernsthaft davon überzeugt ist, das Tragen von Papier- oder Stoffmasken – von Masken! – sei ein Akt staatlicher Bevormundung und ein massiver „Eingriff in unsere Freiheitsrechte“, der hat offenkundig noch nie von Ländern gehört, in denen Freiheitsrechte wirklich massiv eingeschränkt werden, von Nordkorea über Weißrussland bis nach China oder Tschetschenien. Die Kritik an den angeblich so „repressiven“ Maßnahmen in der Corona-Pandemie entbehrt deshalb jeder Verhältnismäßigkeit. Angesichts der Bilder im Frühjahr aus Spanien oder Norditalien, wo die Krankenhäuser von schwer- und schwerstkranken Covid-19-Patienten überfüllt waren und die Leichen der Gestorbenen in der Nacht mit Militärfahrzeugen in improvisierte Leichenhallen geschafft werden mussten, sind Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und Nies-Etikette ein mehr als vertretbarer Preis dafür, dass Deutschland die Pandemie bislang sehr gut gemeistert hat.

          2. Keine Toleranz (für Fehler)

          Ja, es stimmt: Manche Politiker haben zu Beginn der Krise noch anders geredet als ein paar Monate später. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hielt eine allgemeine Maskenpflicht noch im März nicht für geboten – um sie wenige Wochen später dann plötzlich doch für sinnvoll zu erachten. Auch Infektiologen wie Christian Drosten von der Berliner Charité haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder selbst korrigiert – und schon begann in den Kreisen jener, die Behörden, Politiker und die Vertreter des „Systems“ ohnehin für Scharlatane halten, wieder das Geraune von „Fake-News“. Dabei ist dieses Virus neu, und nicht nur die Politik, sondern auch die Forschung mussten sich erst Stück für Stück mit ihm und der neuen Bedrohung vertraut machen. Falschannahmen und Fehleinschätzungen, die man wenig später wieder korrigieren muss, weil sie von neuen Forschungserkenntnissen überholt wurden, sind dabei nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und sie sind nicht automatisch ein Zeichen mutwilligen Betrugs oder von „Fake-News“, sondern einer Wissenschaft, die zu ihrer Fehlbarkeit steht und dadurch umso glaubwürdiger wird. Dasselbe gilt für Politiker: Lieber Volksvertreter, die offen mit Fehleinschätzungen umgehen und hoffentlich aus ihnen lernen, als ein egomaner, besserwisserischer Präsident wie Donald Trump, der sich schon zu Beginn der Pandemie zum größten denkbaren Fachmann für Corona-Fragen stilisierte und den Amerikanern unter anderem den gefährlichen Ratschlag gab, sich Desinfektionsmittel zum Schutz gegen das Virus zu spritzen.

          3. Der Generalverdacht

          Die Corona-Pandemie ist für viele eine Gelegenheit, ihren ohnehin großen Frust gegenüber der Politik loszuwerden. Frust über die Flüchtlingspolitik der Merkel-Regierung und die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich; über das Gefühl der Machtlosigkeit und die empfundene Bevormundung der „kleinen Leute“; über unsere immer unübersichtlicher werdende Welt und angebliche „Chemtrails“, mit denen eine vermeintliche Riege mächtiger Verschwörer um Bill Gates sich die Welt untertan machen will. Statt zu differenzieren und rational zu argumentieren, ventilieren viele nur noch ein diffuses Unbehagen gegen „dieses System“ und „die da oben“, denen per se jede Aufrichtigkeit abgesprochen wird.

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