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Kolumne „Fünf Dinge“ : Fünf Dinge, die an der Hochzeitsplanung nerven

Wer macht hier große Augen? Zwei Strohfiguren mit Hochzeitskleid und Anzug werfen sich auf einem Hof in Lüdersen verliebte Blicke zu. Bild: dpa

Der schönste Tag im Leben ist der, an dem man heiratet. Wäre da nicht die Vorbereitung! Weddingplanner mit „super süßen“ Ideen, überteuerte Festtagssuppen, Hochzeitsdiäten – ein vorehelicher Graus! Die Kolumne „Fünf Dinge“.

          4 Min.

          1. Die immer gleichen „super süßen“ Ideen der Veranstalter

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die erste Lektion, die jeder, der eine Hochzeit plant, lernen muss, ist folgende: Die eigene Hochzeit ist nur eine von hunderten, ja tausenden im Jahr und man selbst nur Teil einer gut geölten Heiratsmaschinerie, die an 365 Tagen im Jahr von Sylt bis Berchtesgaden auf Hochtouren läuft. Natürlich soll der eigene Hochzeitstag „etwas ganz Besonderes“ sein, „total einzigartig“ und „individuell“ – diesen Wunsch hegte noch jedes Brautpaar. Die Realität sieht anders aus, wenn man nicht gerade die komplette Hochzeitsgesellschaft auf den Himalaya verfrachten möchte oder immerhin an den Gardasee. Tatsächlich reihen die meisten Veranstalter Hochzeit an Hochzeit, Braut an Braut und Torte an Torte. Daraus kann man ihnen nicht einmal einen Vorwurf machen, so verdienen die eben ihr Geld. Für meinen Freund und mich kam diese Einsicht nach dem dritten oder vierten Gespräch: Da saß sie also, die dritte oder vierte Location-Betreiberin, die sich neckisch als „eure persönliche Wedding-Planerin“ vorgestellt hatte und dann mit säuselnder Stimme erklärte: „Ich hab mir da was gaaaanz Besonderes für euch überlegt.“ Als sie schließlich eine Prosciutto-Maschine für den Empfang vorschlug („sehr stilvoll“), eine Candy-Bar anstelle des Nachtischs („super süß“) und eine Gin-Station, an der sich die Gäste ihre Getränke selbst mixen können („das kommt total gut an“), konnten wir uns ein Lachen nicht verkneifen.

          Haargenau dieselben Vorschläge hatten wir schon zigmal von anderen Veranstaltern gehört oder in Magazinen gesehen. Sehr zu empfehlen sind übrigens auch eine Foto-Booth (eine Foto-Station, die an einen Passfoto-Automaten erinnert) und der Naked-Cake (eine mehrstöckige Hochzeitstorte, die man um ihre Glasur beraubt hat, der man aber gnädigerweise ein paar Beeren gegeben hat, um sich zu bedecken). Man mag die Ideen gut oder schlecht finden – das ist Geschmackssache. Aber wenn man sie dann schon zum fünften Mal hört, klingen sie so abgedroschen, dass sie jeglichen Charme verlieren. Ich empfehle da eine Runde Hochzeits-Bullshit-Bingo beim nächsten Gespräch mit Ihrer „ganz persönlichen Wedding-Planerin“. Wetten, Sie kriegen alle voll?

          2. Die Geister, die wir riefen

          Als mein Freund mir den Heiratsantrag gemacht hat, waren wir auf Sardinien. Meine erste, vom Pinienduft und Meersalz geschwängerte Idee: Eine kleine Hochzeit, nur die engste Familie und die Trauzeugen, eine alte Kapelle auf einem Hügel, dahinter das tiefblaue Meer. Irgendwo zwischen der letzten Pizza und dem Rückflug nach Deutschland ging dieser Plan allerdings flöten. Jetzt organisieren wir ein Fest mit 130 Gästen, aus der Kapelle wurde eine Kirche und der Satz „Wir wollen nix Aufwendiges“ klingt wie die Verhöhnung seiner selbst. Nicht, dass wir es maßlos übertreiben würden. Aber sobald der Entschluss zu heiraten einmal gefasst war, schien sich die Planung zu verselbständigen, und ehe wir uns versahen, fühlten wir uns wie Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr loswird.

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