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Kolumne : Fünf Dinge, die am Großstadtleben nerven

  • -Aktualisiert am

Wolken ziehen über die Frankfurter Skyline. Bild: Michael Braunschädel

Viele Leute zieht es in Großstädte. Auch unsere Autorin wollte immer in eine große Stadt. Mittlerweile weiß sie, dass dort nicht alles besser ist als auf dem Land.

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          Nach der Schulzeit stand für mich eine Entscheidung recht schnell fest: Ich wollte raus aus dem Kleinstadt-Nest und ab in die Großstadt. Welche, das war erst mal zweitrangig. Während andere Schulfreunde sich in den klassischen, kleineren Studentenstädten auf Plätze bewarben, kamen für mich nur Universitäten in Großstädten wie Hamburg, Berlin und München infrage. Am Ende landete ich in der bayerischen Hauptstadt. Nach Studium und Praktika in verschiedenen Großstädten muss ich mir aber eingestehen, dass nicht alles dort besser ist als auf dem Land. Manche Sachen nerven sogar ziemlich:

          1. Die Anonymität

          In der kleinen Stadt, in der ich aufgewachsen bin, ist kein Gang zum Bäcker möglich, ohne dass ich auf Bekannte treffe. Man kennt jeden Nachbarn, die Verkäuferin im Blumenladen und den Postboten. In Berlin, München oder Frankfurt kann ich hingegen einen ganzen Tag in der Innenstadt herumspazieren und meine Besorgungen erledigen, ohne ein einziges bekanntes Gesicht zu sehen. Klar, das hat auch seine Vorteile. Manchmal tut es gut, in der Masse unterzugehen. Aber manchmal fehlt eben doch der spontane Kontakt. Zufallsbegegnungen – auch wenn es sich nur um ein kurzes „Hallo“ oder ein freundliches Zunicken handelt – geben einem ein gewisses Heimatgefühl. Und sie kommen in Großstädten eben nicht ganz so häufig vor.

          2. Grau statt grün

          Spätestens durch die Corona-Pandemie ist vielen klar geworden, dass es in der Großstadt ohne die Cafés, Restaurants, Geschäfte und Partys ziemlich trist sein kann. Die Innenstädte waren oft leer und grau, man blieb am liebsten zu Hause und versuchte, es sich dort irgendwie schön zu machen. An den Wochenenden strömten die Massen raus aus den betonierten Metropolen und rein in die nächstgelegene Natur – ob in den Wald, an den See, oder auf den Berg. Im Sommer führte das zu überfüllten Badeseen, im Winter zu Staus auf den Zugangsstraßen zum Feldberg, denn die Frankfurter wollten Schlitten fahren. Da hatten natürlich diejenigen Glück, die etwas außerhalb wohnen – und bei denen die Natur bereits vor der eigenen Haustür beginnt.

          Als es mich zu Beginn der Pandemie wie so viele Studenten in die alte Heimat zurückzog, fühlte sich das fast wie Urlaub an. Im ersten Lockdown nutzten wir jede freie Minute in der Mittagspause und nach Feierabend, um mit unserem Hund auf dem Feld oder im Wald spazieren zu gehen. Das ging dort ganz ohne lange Anfahrt oder lästige Parkplatzsuche. Den zweiten und dritten Lockdown saß ich aber wieder in meiner 26 Quadratmeter großen Studentenbude fest. Das Bedürfnis, mal an die frische Luft zu gehen, blieb bestehen – aber wohin? Zum Supermarkt, den Müll runter bringen, oder doch die Freundinnen anfunken, um sich auf den dritten Coffee-to-go der Woche zu verabreden? Um dann statt in der Natur doch wieder durch die ausgestorbene Nachbarschaft zu spazieren? Ja, die meisten Städte geben sich mittlerweile Mühe, zwischen den ganzen Beton auch mal einen schönen Park zu setzen – aber das ist wirklich nicht dasselbe.

          3. Der Stress

          Durch die Frankfurter Innenstadt zu laufen, ist für mich vor allem eins: stressig. An einem gewöhnlichen Nachmittag über die Zeil zu schlendern, kann mir nun wirklich keiner als angenehme Beschäftigung verkaufen. Als ich mich kürzlich an einem Samstag in die Frankfurter Innenstadt wagte (selbst Schuld, könnte man meinen), konkurrierten dort allein an der Hauptwache drei Protestkundgebungen um die Aufmerksamkeit der Passanten. An einen Corona-Abstand von 1,50 Metern war nicht mehr zu denken. Dazu der Dreck, der Lärm, die Tauben, die gefühlt die ganze Stadt übernommen haben – wirklich genießen konnte ich den Ausflug nicht. Das schien nicht nur mir so zu gehen: Alle wirkten, als hätten sie es vor allem eilig, vom Kern der Stadt wegzukommen. So zogen die Leute im Schnellschritt aneinander vorbei und trugen damit nur noch mehr zu dem gestressten Ambiente bei – ein Teufelskreis.

          4. Die vielen, vielen Autos

          Ganz egal, ob ich selbst in einem sitze, zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs bin: Die Anzahl der Autos in Großstädten hat mich schon oft an den Rand der Verzweiflung getrieben. Sie sind einfach überall. Als Autofahrer steht man immer im Stau und braucht für den Heimweg im Feierabendverkehr dreimal so lang wie sonst. Waghalsige Autofahrer scheren vor einem in die Spur, weil die gerade ein bisschen besser zu laufen scheint als die eigene. Und vor der Ampel ist die Grünphase schon längst wieder vorbei, wenn sich die lange Reihe an Autos vor einem endlich in Bewegung gesetzt hat.

          Als Fahrradfahrer wuselt man durch den dichten Verkehr, wenn mal wieder kein Fahrradweg auffindbar ist, fürchtet sich vor jedem abbiegendem Auto und am Ende grenzt es an ein Wunder, wenn man unversehrt an seinem Ziel ankommt. Und selbst beim Feierabend-Wein im Lieblingscafé trägt der Anblick und der Lärm von Autos nicht gerade zur Erholung bei. Autos gibt es natürlich auch in ländliche Gegenden – oft werden sie dort sogar viel dringender benötigt, weil das Bus- und Bahnnetz nicht so gut ausgebaut ist. Aber in der Stadt findet man sie immer im Rudel vor.

          5. Der Wohnungsmarkt

          Trotz allem kann ich meine Großstadtliebe noch nicht ganz ablegen. Und das bringt mich auch gleich zur letzten Sache, die an Großstädten wirklich nervt. Denn wenn man sich trotz aller Makel nach einem Leben in der anonymen, grauen, stressigen Großstadt mit den vielen, vielen Autos sehnt, steht man vor einem weiteren Problem: der Wohnungssuche. Die Erfahrungen aus meinem Studienort München sind da vielleicht nicht ganz repräsentativ, schließlich handelt es sich bei der bayerischen Hauptstadt um die Königsklasse der hohen Mietpreise. Aber insgesamt wird es doch zunehmend schwerer, in deutschen Großstädten eine schöne und vor allem bezahlbare Wohnung zu finden. Es trübt die Vorfreude auf einen neuen Arbeits- oder Studienplatz ungemein, wenn man sich erst mal wochenlang nur noch mit der Wohnungssuche beschäftigen muss.

          Ich gab die Suche irgendwann auf und entschied mich für eine Wohnung im Studentenwohnheim – die aber auch nicht so leicht zu kriegen war. In meinem Instagram-Feed findet sich jeden Tag jemand, der eine Wohnung sucht: „Suche Zimmer oder Wohnung in Berlin ab September“. Dazu der Hinweis: „Bitte teilen!“. Dass jemand auf Instagram eine Wohnung in Ulm oder Tübingen sucht, habe ich noch nicht mitbekommen. Um bei dem ganzen Aufwand nicht doch irgendwann auf die ländliche oder kleinstädtische Alternative auszuweichen, muss man schon ganz schön Großstadt-fanatisch sein.

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