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Kolumne : Fünf Dinge, die an Instagram nerven

  • -Aktualisiert am

Selfie schießen und direkt bei Instagram hochladen: Für viele Menschen gehört das soziale Netzwerk auch in den Ferien immer dazu. Bild: Reuters

Sexbots, stille Beobachter, Liveticker von Influencern, Suchtgefahr und der ständige Vergleich mit anderen: Fünf Dinge, die unsere Autorin an Instagram nerven.

          4 Min.

          In meinem Freundeskreis gibt es niemanden, der nicht auf Instagram angemeldet oder zumindest mal eine Zeit lang aktiv gewesen ist. Seit sieben Jahren nutze ich die Plattform – und bin mittlerweile wohl so etwas wie süchtig. Auch wenn ich mal wochenlang gar nichts poste, vergeht kaum ein Tag, an dem ich die App nicht öffne. Das Paradoxe: Eigentlich nervt mich Instagram. Aber was genau daran?

          1. Banale Liveticker

          Liveticker können ziemlich spannend sein – bei den Wahlen in den Vereinigten Staaten oder der Fußball-Weltmeisterschaft. Aber nicht, wenn es um den Tagesablauf diverser Influencer geht. Hier ein Beispiel:

          8:20 Uhr: Damit ihre Fans wissen, dass sie die Nacht überlebt haben, melden sie sich morgens direkt nach dem Aufstehen mit einer Story à la: „Guten Morgen ihr Lieben, ich bin jetzt wach. Hoffe ihr habt gut geschlafen und wünsche euch einen schönen Tag.“ Es folgt ein Video, das die Person beim Schminken zeigt.

          8:50 Uhr: Erst wird das Frühstück (meistens Porridge mit einem ganz individuellen Topping), dann die To-Do-Liste für den Tag mit der Community geteilt. Darauf stehen aber keine Galaabende oder Shootings für Hochglanz-Magazine, sondern eher Dinge wie: die Wohnung aufräumen, einkaufen gehen, Papierkram erledigen, Freunde besuchen und ein Fitness-Workout absolvieren.

          13:05 Uhr: Das nächste Live-Update: „Sorry, dass ich mich heute so wenig melde und etwas inaktiv bin. War gerade beim Arzt und jetzt gehe ich einkaufen. Wir brauchen noch Zitronen und Spülmittel.“ Danke für die Info.

          14:00 Uhr: Erst wird der Einkauf und anschließend das Mittagessen präsentiert.

          15:30 Uhr: Fünf Storys hintereinander, in denen zu sehen ist, wie die Person ein Gerät zur Zahnaufhellung in ihrem Mund trägt und dieses mit einem unglaublich attraktiven 15-Prozent-Rabatt-Code bewirbt. Wer da nicht zuschlägt, ist selbst schuld.

          18:10 Uhr: Ein Foto in Sportbekleidung, das belegt, dass die Person auch heute wieder ein Fitnessprogramm absolviert hat, kurz darauf wird das Abendessen präsentiert.

          20 Uhr: Manchmal folgt noch eine Story, in der die Kinder beim Spielen oder der laufende Fernseher zu sehen ist – die Highlights des Alltags eben.

          2. Sexbots

          Auf einmal waren sie überall: Sexbots. Selbst unter einem Instagram-Post von einer Nachrichtenseite über die steigende Anzahl an Todesfällen im Zusammenhang mit Corona kommentiert „crazyyy.tatii“: „Ich liebe Blowjobs. Wen darf ich heute verwöhnen?“ Pietätloser geht es wohl kaum. Accounts wie diese sehen auf den ersten Blick aus wie die von jungen Frauen, die Aufmerksamkeit bekommen wollen, indem sie Fotos von sich in Unterwäsche posten. Doch hinter den Posts stecken keine Menschen, sondern Fake-Accounts, die von einem Computerprogramm gesteuert werden. Jeder hat wohl schon mindestens einmal eine Abo- oder Nachrichten-Anfrage von so einem Bot erhalten.

          Kürzlich bekam ich eine Nachricht von Stefani Carollin. Auf dem Profil des Accounts war ein einziges Foto hochgeladen. Darauf ist eine junge Frau zu sehen, die ein Oberteil mit einem Ausschnitt trägt, der so tief ist, dass gerade noch so die Brustwarzen bedeckt sind. Darunter schreibt „sie“: „Hey Mann, was machst du im Badezimmer außer duschen?“ In der Profilbeschreibung steht: „Ich liebe hübsche Männer und große…“ und dahinter drei Auberginen-Emojis. Darunter ist ein Link, der den User auf eine kostenpflichtige Porno- oder Chatseite locken oder einen Virus übertragen soll. Um dies zu verhindern gilt: Niemals externe Links anklicken und den Sexbot direkt als Spam melden. Dann löscht Instagram ihn mit etwas Glück.

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