https://www.faz.net/-hry-9l0iu

Kolumne „Fünf Dinge“ : Fünf Dinge, die am deutschen Bierkonsum nerven

Schmeckt’s? Annegret Kramp-Karrenbauer beim Politischen Aschermittwoch der CDU Hessen mit Parteifreunden Bild: dpa

Was in vielen Kneipen serviert wird, liegt weit unter dem Stand der Technik. Auch beim Bierkauf im Laden kann man oft nur den Kopf schütteln. Und das Reinheitsgebot? Fünf Gründe für mehr Bierkompetenz.

          Eine Klarstellung vorab: Bier ist ein faszinierendes, köstliches Getränk, das die Menschheitsgeschichte begleitet hat und es auch weiterhin tun wird. Von Krisengerede über den Umstand, dass die Deutschen pro Kopf im Jahr immer weniger davon trinken, bleibt es völlig unberührt. Denn einige trinken immer noch zu viel, und warum sollte man jemanden dazu bewegen, mehr zu trinken, als er möchte? Es wäre keine schlechte Nachricht, wenn Bier künftig weniger, dafür aber qualitativ hochwertiger, in nachhaltigerer und – soweit es geht – ökologischer Form getrunken würde.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Der nachlassende Konsum jedenfalls ist nicht das Problem des deutschen Biers. Das besteht vielmehr darin, dass der weltbekannten Biernation Deutschland irgendwie das rechte Maß und die Wertschätzung fürs Bier abhandengekommen sind. 

          1. Schlecht geführte Kneipen und Gaststätten

          Dieser Absatz soll niemandem den Gang in die Kneipe oder den Biergarten verleiden, das können sehr idyllische Orte sein. Allerdings kommt man vielerorts ums Trübsalblasen nicht herum. Viele Gaststätten sind einfach nicht in der Lage, Bier, das im Grunde ein sehr zartes, empfindliches Getränk ist, pfleglich zu behandeln. Das beginnt bei den Zapfern, die anhaltend die Tülle ins Bier halten, gar Bier zusammenschütten, oder, weil einige mal etwas vom Sieben-Minuten-Pils gehört haben (ein Mythos), dem Bier derart viele Zapfstöße verabreichen, dass es, am Eichstrich angekommen, kaum noch Kohlensäure aufweist.

          Außerdem kommen die Gläser oft zu warm auf den Deckel, manchmal direkt aus der Spülmaschine, und wegen ungeeigneter Spülmittel oder Fett im Glas bildet sich eine mangelhafte Schaumkrone, über der dann oft noch ein sanfter Duft von Putzaroma schwebt. Das mag jetzt kleinlich klingen, auf der anderen Seite: Ein ungepflegtes Bier ist nicht einfach ärgerlich, es ist, weil es so geschmacksempfindlich ist, schlimmer als kein Bier. Ist es so schwer, sich geeignetes Equipment zum Bierausschank anzuschaffen und vernünftige Arbeitsabläufe festzulegen?

          Und dann wären da noch die Kellner, die oft ihr Bestes geben, wegen Unterbesetzung aber nicht selten das Bier minutenlang auf der Theke herumstehen lassen. Muss man als Bierliebhaber über alles hinwegsehen, nur weil Bier ein Billig-Image hat – paradoxerweise sogar bei jenen, die es ausschenken?

          Es war wohl ein Fehler, im Jahr 2005 die vergleichsweise strenge Schankanlagen-Verordnung in Deutschland aufzuheben. Seither muss, wer Bier ausschenken will, nur noch einen mehrstündigen Kurs ohne Prüfung ablegen. Echtes Know-How baut man hier nicht auf. Muss denn Flaschenbier in vielen Kneipen die beste Entscheidung sein?

          2. Getränkemärkte

          Die deutschen Getränkemärkte und die Getränkeabteilungen der großen Supermärkte hatten in den vergangenen etwa fünf Jahren fast deutschlandweit große Fortschritte gemacht. Plötzlich bekam man, auch außerhalb Bayerns, Spezialbiere aus den entlegensten Regionen Deutschlands. Fast überall stand mit einem Mal das legendäre Rauchbier der Bamberger Privatbrauerei Schlenkerla im Regal. Dann kamen die ersten ausländischen Spezial- und Craftbiere: tschechische, belgische, gelegentlich auch amerikanische, und fast schon konnte man den Eindruck gewinnen: Wenn es so weiter geht, wird Deutschland noch das reine Bierparadies – zu keinem Anlass, zu keinem Gericht würde einem mehr das passende Bier fehlen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wirtschaft in Amerika : Trumps Sommer des Missvergnügens

          Signale eines Konjunktureinbruchs in Amerika machen Trump nervös. Die Wirtschaftslage könnte seine Wiederwahl 2020 gefährden. Die Reaktion des Präsidenten zeigt ein bekanntes Muster.

          Johnson in Paris : In Berlin war mehr Esprit

          Beim Besuch von Boris Johnson betont Präsident Macron die Einigkeit Europas – und bekennt sich zu seinem Ruf, in der Brexit-Frage ein Hardliner zu sein. Zugeständnisse will er gegenüber dem Gast aus London nicht machen – erst recht nicht beim Backstop.

          FAZ.NET-Serie Schneller schlau : Kind oder Porsche

          Die Frauen in Deutschland bekommen ihr erstes Kind deutlich später, im Durchschnitt sind sie mittlerweile älter als dreißig Jahre. Wie aber hängt die Kinderzahl mit dem Bildungsgrad zusammen? Und was kostet ein Kind eigentlich, bis es erwachsen ist?
          Ein Bild von Japans Ministerpräsident Abe wird während einer Demonstration in Südkorea verbrannt.

          Handelskonflikt mit Japan : Südkoreas Angst vor dem Fukushima-Wasser

          Seoul hat Angst vor atomar verseuchter Nahrung aus Fukushima. Deshalb gibt es für Südkoreas Sportler während der Olympischen Spiele in Tokio möglicherweise eine eigene Kantine. Der Konflikt zwischen den Ländern spitzt sich immer weiter zu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.