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Die Kolumne „Fünf Dinge“ : Fünf Dinge, die am Urlaub nerven

  • -Aktualisiert am

Ein weiteres Aufregerthema der Urlauber: überfüllte Strände. Bild: dpa

Endlich Ferien, endlich Urlaub – endlich Entspannung! So die Theorie. In der Praxis geht der Ärger aber beim Packen schon los – und hört am Strand noch lange nicht auf.

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          Die Vorfreude steigt und die Vorbereitungen für den bevorstehenden Urlaub sind schon seit Tagen in vollem Gange. Ein neuer Reisepass wird beantragt, Sonnencreme gekauft und der perfekte Bikini gesucht. Dabei ist es ganz egal, wie früh man mit den Besorgungen anfängt: Am Tag der Abreise rennt trotzdem jeder noch mal schnell in die Stadt. Irgendwas vergisst man immer. Spätestens in diesem Moment beginnt der Stress – und hört so schnell nicht mehr auf.

          1. Koffer packen

          Erstaunlich viele Menschen setzen sich im Detail mit dieser auf den ersten Blick so simplen Angelegenheit auseinander. Auf Reiseblogs teilen die Profis ihre Tipps, Amateure geben ihre Weisheiten in den Kommentaren preis und auf Youtube sammeln sich hundert verschiedene Tutorials mit dem Titel „Wie packe ich meinen Koffer“. Der wahrscheinlich meistgenannte Trick: Die Klamotten rollen, statt sie zu falten. Damit spart man Platz. Nervig ist das Packen aber trotzdem.

          Dabei ist die wahre Herausforderung doch gar nicht, die Klamotten in den Koffer zu bekommen, sondern dabei nichts zu vergessen. Auch für dieses Problem hat die digitale Welt eine Lösung: Zahlreiche Apps können beim Packen behilflich sein. Gibt man Reiseziel, Geschlecht und die Anzahl der Übernachtungen an, wird eine individuelle Packliste erstellt.

          Am Ende sind aber doch nur vier Dinge wirklich entscheidend: das Flugticket, der Ausweis, die Kreditkarte und das Handy. Alles andere lässt sich im Notfall auch vor Ort besorgen. Noch viel schlimmer, als den Koffer zu packen, ist es außerdem doch, den Koffer nach der Reise wieder auspacken. Wie man sich dazu motiviert, wird in keinem Tutorial erklärt.

          2. Hektik beim Boarding

          Schon eine halbe Stunde vor der offiziellen Boarding-Zeit stehen die ersten Reisenden in der Schlange am Gate. Spätestens wenn der Flug zum ersten Mal ausgerufen wird, springen auch die restlichen auf, um so früh wie möglich im Flugzeug zu sein. Dabei hat man doch einen festen Sitzplatz und das frühe Einsteigen somit keinerlei Vorteile. Ganz im Gegenteil: Warum sollte man sich länger als unbedingt notwendig in ein unterkühltes Flugzeug zwischen fremde Menschen, auf den schmalen Sitz mit zu kleinem Fußraum zwängen?

          3. Andere deutsche Urlauber

          Wenn sie sich nicht schon durch ihr Aussehen verraten, dann spätestens durch ihr Verhalten. Meistens sind sie die Übeltäter: Diejenigen, die vor dem Frühstück ans Hotelpool rennen, um die besten Liegen mit einem Handtuch zu reservieren. Sie stehen viel zu früh am Bahnsteig und kontrollieren geradezu panisch im Fünf-Minuten-Takt den ausgedruckten Fahrplan, als könnte der sich ändern. Und spätestens um 19 Uhr sitzen sie pünktlich zum Abendessen neben mir im Restaurant: die anderen deutschen Urlauber. Sie sind mir eben ähnlich. Und genau das ist wahrscheinlich auch das Problem: nicht die anderen, sondern die Angst, genauso zu sein wie sie.

          4. Die Traveler

          Sie gehen nicht „in den Urlaub“, sie gehen „auf Reisen“. Sie tragen keinen Koffer, sondern ein „Backpack“. Ihre Wand schmückt eine Weltkarte, ihren Rucksack eine Ukulele: die Traveler.

          Liebe Weltenbummler, ihr setzt die Menschen, die einfach nur Urlaub machen wollen, nicht nur unter Druck, sondern gebt ihnen auch das Gefühl, sich verteidigen zu müssen. „Was, du warst in Neuseeland und hast nicht mit Maoris zu Abend gegessen?“, „Ach, du bist nur für zehn Tage hier? Um wirklich an einem Ort anzukommen, brauchst du doch mindestens zwei Monate.“ Auch dieser ewige Sightseeing-Zwang nervt: „ Wie, du warst in Barcelona und hast die Sagrada Familia nicht besichtigt?“ Gegenfrage: Darf man denn nicht einfach mal am Strand liegen und ein Buch lesen, wenn man das gerne möchte – und nach zwei Wochen wieder entspannt abreisen?

          5. Sand

          Eigentlich hat man sich seit Monaten auf den Strand gefreut. Nur eine Sache vergisst man jedes Jahr aufs Neue: die Sache mit dem Sand. Lange bleibt davon aber niemand verschont. Sobald die erste Schicht Sonnencreme aufgetragen ist und man sich zum Sonnen auf das im Sand ausgebreitete Handtuch legt, weiß man, wie sich ein paniertes Schnitzel fühlt. Noch schlimmer ist der Weg nach dem Baden zurück aufs Handtuch. Bei dem ganzen Sand an den Füßen hilft es eigentlich nur, direkt wieder umzudrehen und zurück ins Wasser zu gehen. So richtig los wird man ihn aber nie. Das merkt man spätestens, wenn man abends frisch geduscht in die weißen Hotellaken schlüpft und sich über die Herkunft der vereinzelten Sandkörner unter der Bettdecke wundert.

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