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Kolumne : Fünf Dinge, die als Supermarktkassierer nerven

  • Aktualisiert am

Nicht jeder Kunde sagt an der Kasse „Hallo“ und „Tschüss“. Bild: dpa

In der vergangenen „Fünf Dinge“-Kolumne hat unser Autor beschrieben, was ihn als Kunde beim Einkaufen im Supermarkt nervt. Jetzt beschreibt ein Supermarktkassierer anonym, was ihn an den Kunden stört.

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          1. Die Doppelmoral

          Ich arbeite seit zehn Jahren in einem gut besuchten Supermarkt. Kunden beschweren sich oft, wie viele Lebensmittel wir wegschmeißen. Und da haben sie recht, es wird extrem viel weggeworfen. Aber wenn ein Apfel nur eine leichte Druckstelle hat, nimmt den kein Kunde mehr. Was sollen wir also machen? Der wird irgendwann weggeschmissen werden. Das Thema Doppelmoral zeigt sich auch beim Tierschutz. Jeder möchte, dass es den Tieren gut geht, dass sie artgerecht gehalten werden – zumindest reden alle davon. Aber den Preis will kaum jemand zahlen. Das Biofleisch ist deutlich teurer, in den meisten Fällen sind die Leute nicht bereit, das auszugeben. Das ist ja auch in Ordnung. Aber dann soll man auch die Klappe halten und nicht große Predigten darüber halten, dass man etwas für die Tiere machen will. Gesellschaftlich ist das ein Riesenthema, viele kommen auf dem hohen moralischen Ross daher. Aber an der Kasse merke ich, dass der Anteil der Leute, die entsprechend konsumieren, verschwindend gering ist.

          2. Kunden, die nicht grüßen

          Mich nerven Kunden, die an der Kasse nicht grüßen. Da kommt kein „Hallo“ am Anfang, da kommt kein „Tschüss“ am Ende, da wird noch nicht mal was gegrummelt. Aber vom Kassierer wird immer erwartet, dass ihm die Sonne aus dem Hintern scheint, entschuldigen Sie die Wortwahl. Es grüßt zwar nur etwa jeder zehnte Kunde nicht, aber die negativen Dinge bleiben im Kopf eher hängen als die positiven. Oft meckern ausgerechnet diese Leute auch noch darüber, wie schlecht der Laden und das Personal ist, und wie lange es an der Kasse dauert. Die reden einfach vor sich hin, da sage ich schon mal: „Sie können auch mit mir direkt sprechen.“ Noch schlimmer ist es in einer anderen Situation, die in der Kolumne „Fünf Dinge, die im Supermarkt nerven“, vorkam: wenn Kunden die Mitarbeiter fragen, wo bestimmte Artikel zu finden sind. Zu siebzig bis achtzig Prozent wird man in solchen Fällen leider von der Seite angequatscht, da kommt kein „Hallo“, kein „Entschuldigen Sie mal“, nichts. Da fehlt der Respekt. Das Fragen an sich ist überhaupt nicht das Problem. Es geht um die Art und Weise.

          An der Obsttheke wählen viele Kunden genau aus: Das Obst mit Druckstellen wird liegen gelassen – und dann weggeworfen.

          3. Kunden, die Warentrenner nicht benutzen

          Nervig sind Kunden, die Warentrenner nicht benutzen und sich dann wundern, wenn die Waren von ihnen und dem Vor- oder Nachgänger vermischt werden. Von mir als Kassierer wird oft erwartet, dass ich einfach erkenne, zu wem welche Ware gehört. Manchmal klappt das, aber manchmal liegen die Waren so eng an eng, dass ich das unmöglich erkennen kann. Ich bin kein Hellseher. Teilweise fangen die Kunden dann noch an zu streiten, weil sie sich gegenseitig die Schuld geben. Die Situation ist zwar oft schnell geklärt. Mich nervt trotzdem diese Haltung, dass ich das eigentlich erkennen müsste.

          4. Ärger über falschen Preis

          Wenn ein Artikel mit einem Preis abgerechnet wird, der nicht am Regal steht, ist das natürlich ärgerlich. Keine Frage. Es gibt aber Kunden, die dann sofort aggressiv und beleidigend werden, nach dem Motto: Sie haben das mit Absicht gemacht, Sie wollen mich hier abzocken! Das ist sehr unangenehm. Manchmal vergessen Kollegen, die Preise am Regal zu aktualisieren. Wie gesagt, das ist ärgerlich. Aber es ist kein Grund, die Kassierer zu beleidigen. Deren Fehler ist das nicht.

          5. Kunden, die telefonieren

          Es ist unglaublich nervig, wenn Kunden an der Kasse telefonieren. Das kommt häufiger vor und ist auch nerviger als Kunden, die nicht grüßen – so sind manche vom Typus her eben. Aber telefonieren ist richtig respektlos. Und wer telefoniert, grüßt meistens auch nicht. Außerdem halten diese Kunden oft den Betrieb auf, weil sie mit der Bezahlung nicht hinterherkommen. Meistens haben sie nur eine Hand frei, weil in der anderen das Smartphone ist. Das kriegen Kunden, die mit Kopfhörern telefonieren, besser hin, aber sie schaffen es meistens auch nicht, etwas zu sagen, oder einem wenigstens mal in die Augen zu schauen. Manchmal frage ich die Kunden dann, ob sie das Telefon weglegen können. Aber da muss man aufpassen, manche Kunden werden schnell sauer. Ich will nicht sagen, dass das alles Idioten sind, die an der Kasse telefonieren. Manchmal muss es halt sein. Und manche sagen auch zu ihrem Gesprächspartner: „Du, ich bin grade an der Kasse, ich rufe gleich noch mal an.“ Da freue ich mich.

          Protokolliert von Sebastian Eder.

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          Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort immer mittwochs die Kolumne „Der Moment“, die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“ und die „Fünf Dinge“-Kolumne. In der „Fünf Dinge“-Kolumne geht es um eine Handvoll Punkte, die nerven: am Fitnessstudio, an der Büroküche, an einer aktuellen Debatte, an Weihnachten – oder an sonst irgendwas.

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