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Kolumne : Fünf Dinge, die am Corona-Herbst nerven

  • -Aktualisiert am

Corona und der Herbst: Ein Mann mit Mund-Nasen-Schutz spaziert in Brüssel durch einen Park. Bild: dpa

Unsere Autorin liebt den frühen Herbst, nur: Er ist nicht von Dauer. Enge Bahnen mit Ansteckungsgefahr, vernebelte Brillen und klamme Masken – diese Dinge nerven sie besonders am Corona-Herbst.

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          Buntes, auf den Gehwegen raschelndes Laub, dazwischen die ersten Kastanien, Spaziergänge in angenehmer Herbstsonne: Ja, der Herbst hat seine phantastischen Seiten – doch dann, spätestens im November, zeigt er sein regnerisches und grausames Gesicht.

          Man weiß nie ganz genau, wann dieser schreckliche Zeitpunkt einsetzt, zu lange wähnt man sich dank der warmen Übergangszeit in Sicherheit. Und in diesem Jahr kommt dann noch ein andere nicht unerhebliche Komponente hinzu: Corona und der späte Herbst sind die Endgegner der guten Laune. Und das Schlimmste: Besserung ist nicht in Sicht.

          1. Die neblige Brille

          Brillenträgerinnen und -träger erreichen nun die komplizierten Temperaturgefilde. Sobald an der magischen Zehn-Grad-Marke gekratzt wird, wird es nervig: Nur zwei Minuten an der frischen Luft, schon beschlägt die Brille und der Besitzer tappt zwar nicht im Dunkeln, aber doch im Nebel. Absetzen ist nur bedingt eine Option, Sehschwäche und so.

          Dank Corona hält sich dieser Nebelfilter für die Realität schon seit Beschluss der Mund-Nasen-Schutz-Pflicht hartnäckig, nicht gerade zur Freude von Brillenträgerinnen und -trägern. Es gibt Zwischenlösungen wie einen Draht an der Oberseite der Maske, aber spätestens mit Einsetzen des Spätherbstes bringt auch der nichts mehr.

          Auch Armin Laschet kennt das Problem: Ist die Brille einmal beschlagen, hilft wenig.
          Auch Armin Laschet kennt das Problem: Ist die Brille einmal beschlagen, hilft wenig. : Bild: dpa

          2. Der dämmrige Feierabend

          Wer aber nicht nur durch eine nebelig-beschlagene Brille schauen mag, sondern auch mal die rosarote Brille bevorzugt, landet aktuell schnell bei Datingapps. Nach dem Feierabend noch ein Date – selbstverständlich Corona-konform – und gemeinsam spazieren gehen? Keine schöne Idee, da spielt das Wetter nicht mit. Dann doch in ein Café? Dank des kühlen Wetters drängen alle ins Warme, meist ist kein Platz mehr frei, auf Abstand schon gar nicht.

          Aber auch ohne ehrgeizige Dating-Pläne ist der Feierabend nicht mehr mit dem gleichen Reiz verbunden, wenn es schon um 17 Uhr zu dämmern beginnt. Und plötzlich findet man sich zum vierten Mal binnen einer Woche allein auf dem Sofa wieder, manchmal auch einfach direkt im Bett. Auswärts essen erscheint so schwierig und unrealistisch, dann doch lieber direkt wieder eine Tiefkühlpizza im Liegen – und die Hochkonjunktur von Netflix-Abenden setzt ein.

          Hoffnungsschimmer waren lange Zeit die im Freien stattfindenden Weihnachtsmärkte – doch auch die werden wohl zu großen Teilen abgesagt.

          3. Der dumpfe Druck der Corona-Maßnahmen

          Der Druck steigt: Lässt man sich gegen die Grippe impfen? Geht man dafür zum Arzt – nur, um zwischen Erkälteten und Corona-Verdachtsfällen im Wartezimmer Platz zu nehmen und auf die Impfung zu warten?

          Parallel füllen sich die Straßenbahnen und Busse im Feierabendverkehr wieder stärker. Mindestabstand ist kaum möglich, aber Radfahren bei dem Sauwetter auch keine Option. Gut gelaunt im öffentlichen Nahverkehr – dank der vielen Fälle von unsachgemäßem Tragen des Mund-Nasen-Schutzes ist das undenkbar.

          4. Der klamme Wäscheständer

          Besagter Mund-Nasen-Schutz soll idealerweise nach jedem Gebrauch gereinigt werden, ansonsten droht ein höheres Infektionsrisiko. Neben der drohenden Corona-Infektion steht außerdem oft ein unschöner Ausschlag, umgangssprachlich Maskne – zusammengesetzt aus „Maske“ und „Akne“ – bevor. Schmutz und Schweiß setzen sich in dem Gewebe ab, weshalb das Sortiment der wiederverwendbaren Masken immer größer wird.

          Doch nach dem Waschen trocknet die Wäsche nicht mehr so einfach, das war im Sommer deutlich kurzweiliger. Und so hängen die Masken auch weiterhin neben den vom Regen tropfenden Socken auf dem Wäscheständer und warten auf die Heizung.

          Heizpilze könnten die Rettung der Gastronomie sein.
          Heizpilze könnten die Rettung der Gastronomie sein. : Bild: Finn Winkler

          5. Die trübe Aussicht auf Umweltschutz

          Eigentlich wollen wir natürlich alle unseren Teil zur Rettung der Welt beitragen, aber irgendwann geht's nicht mehr anders – und die Heizung muss angestellt werden. Bis zu diesem Punkt sitzt man frierend in den eigenen vier Wänden und ärgert sich über seine noblen Ansprüche.

          Das funktioniert zu Hause noch relativ gut, auf der Arbeit jedoch keinesfalls – hier muss wegen der Aerosole aufwendig gelüftet werden (oder die Klimaanlage wird angemacht). Klar, das muss sein. Nur: die Heizung muss auch an, mit eiskalten Händen tippt es sich nämlich nicht gut. Wir pusten also kalte Luft rein und ballern gleichzeitig warme Luft wieder raus – Energiesparen sieht anders aus.

          Ähnlich verhält es sich draußen mit den Heizpilzen, die zwar ziemlich viel Kohlenstoffdioxid verbrauchen, aber dafür die Gastronomie retten sollen. Auch hier gilt: Was sein muss, muss sein. Trotzdem tut es ein bisschen weh.

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