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Kolumne : Fünf Dinge, die im Supermarkt nerven

Jetzt aber schnell: An der Supermarktkasse will niemand warten. Bild: dpa

Am Pfandautomat geht der Ärger los, an der Kasse hört er noch nicht auf: Beim Einkaufen im Supermarkt braucht man gute Nerven – und sollte vorbereitet sein. Die Kolumne „Fünf Dinge“.

          3 Min.

          1. Der Pfandautomat

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Das Wichtigste beim Einkaufen ist die Vorbereitung: Man braucht Kopfhörer und einen guten Podcast. Sonst fährt man am besten direkt weiter nach Hause. Bevor man sich der ersten Station jedes richtigen Einkaufs nähert – dem Leergut-Automaten –, sollte das Unterhaltungsprogramm schon laufen. Denn der Pfandautomat ist der schlimmste Ort in jedem Supermarkt: Es stinkt, es klebt – und man muss warten. Entweder darauf, dass der Automat geleert wird, nachdem man die erste (oder die vorletzte) von seinen zweihundert mitgebrachten Flaschen reingeschoben hat – oder auf den Pfandsammler, der den Besuch am Automaten möglichst lang aufgeschoben hat. Für viele ist der Pfandsammler der nervigste Mitkunde am Pfandautomaten. Für mich nicht. Mein Respekt steigt, umso mehr Flaschen in einem Wagen gestapelt sind. Unerträglich finde ich hingegen Menschen, die sich mit zwei Flaschen in der Hand sehr dicht hinter mich stellen, und jedes Mal mit den Augen rollen, wenn der Automat eine meiner zweihundert Flaschen wieder ausspuckt, weil noch ein Schluck Wasser zu viel drin ist, oder die „Marke in diesem Markt nicht akzeptiert“ wird (obwohl vorher schon zwanzig Flaschen der gleichen Marke akzeptiert wurden). Ich lasse mir in solchen Fällen gerne besonders viel Zeit und lache ab und zu laut über die Podcast-Witze. Wer freiwillig zum Pfandautomaten geht, bevor die Abstellkammer zu Hause, der Boden im Büro, oder alle Bereiche des Autos mit leeren Flaschen überschwemmt sind, ist selbst schuld.

          2. Der Einkaufszettel

          In diesem Absatz besteht erhöhte Mario-Barth-Humor-Gefahr. Aber leider haben ja viele der Klischees über Männer und Frauen, auf denen der Komiker seine Karriere aufgebaut hat, einen wahren Kern. Ich jedenfalls muss im Supermarkt oft meinen Podcast unterbrechen, wenn ich zum ersten Mal einen Blick auf den Einkaufszettel werfe, den meine Freundin zuhause pflichtbewusster pflegt als ich: Konzentration ist gefragt. Es ist schon vorgekommen, dass ich von keinem einzigen der Produkte, die auf dem Zettel notiert waren, vorher jemals etwas gehört hatte. So gerne ich ein paar Beispiele nennen würde – ich vergesse die Namen dieser wundersamen Dinge sofort in dem Moment wieder, in dem mich ein genervter Einräumer zu ihnen geführt hat. Dafür bin ich dann aber so dankbar für den Fund, dass ich das Produkt gleich dreimal kaufe. Nochmal finde ich es bestimmt nicht.

          3. Unvorbereitete Treffen

          Beim Einkaufen bin ich im Tunnel: Kopfhörer auf den Ohren, Zettel vor den Augen, Fokus aufs nächste Produkt. Das Letzte, was ich dabei brauche, sind zufällige Begegnungen mit entfernten Bekannten, die genauso wenig mit mir reden wollen wie ich mit ihnen. Obwohl, wer weiß: Vielleicht gibt es Menschen, die sich im Supermarkt gerne mit ehemaligen Klassenkameraden über die vergangenen zehn Jahre austauschen, in denen man sich aus gutem Grund kein einziges Mal gesehen hat – ich gehöre nicht dazu. Mein Smalltalk-Ausstieg ist da etwas banaler: Weißt du, wo ich gehobelte Mandeln finde?

          Nervig sind auch Plastiktüten – diese Kundin nutzt ein Mehrweg-Einkaufsnetz.

          4. Die Geschwindigkeit an der Kasse

          Der Podcast im Ohr kann noch so gut sein, spätestens an der Kasse bin ich doch froh, wenn die Schlange nicht durch den halben Laden reicht. Wer sich einigermaßen in seiner Heimatstadt auskennt, sollte aber wissen, in welchen Supermärkten das an fast jedem Wochentag zu jeder Uhrzeit der Fall ist. Andererseits kann man es auch mir an der Kasse kaum recht machen: Wenn die Kassiererin nicht zu langsam ist, ist sie zu schnell – vor allem bei Aldi grenzt es an Hochleistungssport, bei der Geschwindigkeit der Kassierer mithalten zu wollen. Manchmal wünscht man sich dann fast, an einer der Kassen gelandet zu sein, an der die Kassiererin jedes einzelne Produkt kommentiert. Aber spätestens wenn man an so einer Kasse landet, sehnt man sich zurück – zum Hochleistungssport an der Aldi-Kasse.

          5. Die Payback-Frage

          Es gibt ja viele Horrorgeschichten über die schlechten Bedingungen, unter denen Supermarktkassierer arbeiten müssen. Mit einem Kassierer habe ich mal eine Stunde lang für einen Gastbeitrag unter dem Titel „Fünf Dinge, die als Supermarktkassierer nerven“ telefoniert – leider hat sein Chef dann die Veröffentlichung verboten (wer Kassierer oder Kassiererin ist und einen mutigeren Chef hat, gerne melden). Was ich mir abgesehen vom Zeitdruck am nervigsten vorstelle: Dass viele Kassierer jeden Kunden vor dem Bezahlen fragen müssen, ob er eine Payback-Karte hat. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage schon verneint habe, aber es merkt sich ja keiner. Deswegen noch mal auf diesem Weg, liebe Payback GmbH: Ich will eure Karte nicht haben, genauso wenig wie eure Geschirrsets, Waffeleisen und den ganzen anderen Müll, den man als Bonus bekommt. Und falls ihr wirklich Testkunden durch die Läden schicken solltet, um zu kontrollieren, dass auch ja kein Kassierer die tausendste Payback-Frage in Folge vergisst, wünsche ich denen nur eins: Dass sie es gar nicht bis zur Kasse schaffen, weil sie in der Schlange am Pfandautomaten bis zum Ladenschluss hinter einem Pfandsammler stecken bleiben. Oder noch besser: hinter mir.

          Die Kolumnen

          Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort immer mittwochs die Kolumne „Der Moment“, die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“ und die „Fünf Dinge“-Kolumne. In der „Fünf Dinge“-Kolumne geht es um eine Handvoll Punkte, die nerven: am Fitnessstudio, an der Büroküche, an einer aktuellen Debatte, an Weihnachten – oder an sonst irgendwas.

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