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Kolumne : Fünf Dinge, die am Homeoffice nerven

Ein Büro ist es nicht, ein zu Hause irgendwie auch nicht mehr: das Homeoffice. Bild: dpa

Homeoffice klingt himmlisch: Länger schlafen, Jogginghose statt Jeans, nicht durch den Regen zur Arbeit radeln müssen. Eine Illusion, findet unsere Autorin: In Wahrheit ist Homeoffice die Hölle.

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          In der Corona-Pandemie sicher im Homeoffice arbeiten zu können ist ein Glück, keine Frage. Doch während manch ein Kollege auch nach der Pandemie am liebsten nicht zurückkommen würde – ein französischer Autohersteller will sogar ganz auf die Arbeit von zu Hause umstellen – sehne ich den Büroalltag und die Kollegen zurück. Denn das Homeoffice treibt mich in den Wahnsinn.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          1. Das ist eine Wohnung, kein Büro

          Beim Telefonieren kauere ich am Fenster. Da ist der Handyempfang am besten. Den Rest der Zeit versuche ich, eine Sitzposition auf meinem Küchenstuhl zu finden, in der ich es acht Stunden lang aushalte. Mit den Verrenkungen, die ich dort schon vollführt habe, könnte ich ein ganzes Gymnastik-Anleitungs-Buch füllen, gemütlich war davon keine – und mich beschleicht die Ahnung: Bürostühle wurden nicht nur erfunden, um sich darauf im Kreis drehen zu können. Und zu meinem Laptop-Ladekabel habe ich inzwischen eine ähnliche Beziehung wie Butler James aus „Dinner for One“ zum Kopf des Löwen. Immerhin gäbe das Steuererleichterungen, sagen mir immer wieder spitzfindige Freunde. Schmerzensgeld, sage ich, nur um dann festzustellen: meine Küche lässt das Finanzamt steuerlich wohl nicht mal als Arbeitsplatz zählen. 

          2. Ich muss hier raus!

          Es ist einer der schönsten Momente des Tages: Nach der Arbeit den Schlüssel in der Wohnungstür umdrehen und nach Hause kommen. Jacke aus, Schuhe aus, rein in die Jogginghose, ab aufs Sofa. Home, sweet home! Doch nach einem Arbeitstag zu Hause ist das Home nicht mehr sweet, sondern irgendwie dreckig, und auch kein Home mehr, sondern irgendwie doch das Büro – und ich begebe mich fluchtartig nach draußen. In Jeans. 

          3. Zum Mittagessen gibt es...Käsebrot

          Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber: Ich vermisse die Kantine. Hingehen, Mahlzeit aussuchen, essen, Tablett wegbringen, fertig. Ich koche gern – abends und am Wochenende, wenn ich gemütlich in Rezepten stöbern, Gemüse schnibbeln und nochmal schnell in den Supermarkt laufen kann, um eine vergessene Zutat zu besorgen. Jetzt soll ich mir aber fünf zusätzliche Mahlzeiten pro Woche mit einer Zubereitungszeit von maximal 20 Minuten ausdenken, und zum Dank für den mittäglichen Kocheinsatz wartet nach Feierabend dann auch noch der Abwasch in der Küche. Unlängst habe ich kapituliert und mich auf das Schmieren von Käsebroten spezialisiert – und träume beim Essen von der Spinat-Lasagne aus der Kantine. 

          4. Arbeitet der zu Hause überhaupt?

          Wer in deutschen Büros physisch anwesend ist, wird mit einem Vertrauensvorschuss belohnt. Irgendwas wird die Kollegin schon arbeiten – egal, ob sie mal eine Stunde lang weder auf Emails reagiert noch ans Telefon geht. Sitzt wahrscheinlich in einer Konferenz, nimmt man dann wohlwollend an, während sie in Wahrheit nach einer ausgedehnten Kuchenpause noch in der Kaffeeküche ratscht. Wer hingegen im Homeoffice nicht innerhalb weniger Minuten antwortet, der macht sich verdächtig. Was treibt der Kollege da eigentlich zu Hause? Guckt der etwa Netflix, macht gar ein Nickerchen? Mit dem Resultat, dass man sich selbst kaum vom heimischen Arbeitsplatz wegtraut, um noch einmal einen Kaffee anzustellen oder gar auf dem Klo zu verschwinden: Was denken sonst die Kollegen?

          5. ​„Halloooo? Sind Sie noch da?!”

          Wenn ich in den vergangenen Wochen etwas gelernt habe, dann: Ein Skype-Call ohne technische Probleme ist in etwa so wahrscheinlich wie auf Frankfurts Straßen einem Pinguin zu begegnen. Irgendein Kollege hat das Mikro immer zu laut oder zu leise eingestellt oder vergessen, sich stumm zu schalten, wenn er nicht dran ist („Was plätschert da?!”). Andere Kollegen sind grundsätzlich nur abgehackt zu hören, und wenn man gerade einen komplexen Sachverhalt erklärt hat, quäkt irgendjemand aus dem rauschenden Nichts, das einem da gegenüber sitzt: „Können Sie das nochmal erklären? Sorry, bin kurz rausgeflogen.“ Wenigstens kann man kurz laut fluchen, bis das Mikro wieder freigeschaltet ist.

          Die Kolumnen

          Im wöchentlichen Wechsel erscheinen im Stil-Ressort immer mittwochs die Kolumne „Der Moment“, die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“ und die „Fünf Dinge“-Kolumne. In der „Fünf Dinge“-Kolumne geht es um eine Handvoll Punkte, die nerven: am Fitnessstudio, an der Büroküche, an einer aktuellen Debatte, an Weihnachten – oder an sonst irgendwas.

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