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Kolumne : Fünf Dinge, die jetzt beim Joggen nerven

Unter den Augen der Polizei: Auch in Wien darf gejoggt werden. Bild: dpa

In der Corona-Krise werden viele Sportler quasi zum Joggen gezwungen – fast alle Sportarten, die Spaß machen, sind ja verboten. Fünf Dinge nerven unsere Autoren dabei ganz besonders.

          5 Min.

          Es ist natürlich eine fast schon pietätlose Unverschämtheit, zu beklagen, was während der Corona-Krise beim Joggen nervt. Viele Menschen sterben qualvoll, noch mehr Existenzen werden zerstört, ganze Familien wochen- oder monatelang in viel zu kleinen Wohnungen eingesperrt. Da wird festangestellten Deutschen, die im Homeoffice sitzen und zum Sport und Spazierengehen jederzeit raus können, völlig zu recht geraten: „Heult leise!“

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin
          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Andererseits berichten wir auf FAZ.NET seit Wochen jeden Tag über die stark Betroffenen dieser Krise, da ist nach zwei Monaten vielleicht ein kleines bisschen First-World-Gejammer erlaubt. Und wenn uns jemand danach erklären möchte, was aktuell wirkliche Probleme sind, nehmen wir gerne wieder eine Kolumne zu Protokoll – interessieren würden uns zum Beispiel „Fünf Dinge, die jetzt als Großmutter nerven“ oder „Fünf Dinge, die jetzt als Pfleger nerven.“ Gerne einfach melden.

          Aber nun zu fünf Dingen, die beim Joggen nerven.

          1. Die „Sportart“ 

          „Wo kommen eigentlich plötzlich die ganzen Jogger her?“, hat ein geschätzter Kollege gefragt, als die Corona-Krise gerade angefangen hatte. Ja, woher wohl? Aus Kletterhallen, Schwimmbädern, Boxstudios, Trampolinhallen, von Basketballplätzen, Fußballplätzen, Skateparks und allen anderen Orten, an denen man sonst Sport machen kann, der Spaß macht. Klar, joggen hat auch seine schönen Seiten, man ist draußen, kriegt den Kopf frei und hat das Sportprogramm schnell abgehakt.

          Aber was genau macht daran Spaß? Worauf soll man sich freuen? Was sind die Ziele, die Erfolgserlebnisse? Dieselbe todlangweilige Runde beim 8000. Mal vier Sekunden schneller laufen als beim 7999. Mal? Es gibt kein Team, mit dem man sich motivieren könnte, es gibt keine Adrenalinschübe, wenn man etwas Neues ausprobiert, es gibt im Grunde nichts, was dagegen spricht, einfach stehen zu bleiben. Der spießigste Büroalltag ist aufregender als joggen. Und trotzdem hat man am Ende mehr Schmerzen als ein Extremsportler nach einem Fallschirmsprung – im Knie, in der Hüfte, sogar eine extrem unangenehme Beschwerde namens „Schienbeinkantensyndrom“ durften wir in der Corona-Krise kennenlernen. Also, keine Sorge, geschätzter Kollege: Bald kannst du deinen Langweilersport hoffentlich wieder alleine machen.

          2. Schwitzende Abstandsfanatiker

          Eins ist klar: Gerade als schwitzender Jogger sollte man besonders viel Abstand zu jedem anderen Menschen halten, der gerade draußen unterwegs ist. Stichwort Tröpfcheninfektion, Stichwort Aerosole, wir alle haben unseren Drosten gehört. Trotzdem strahlen gerade die Leute, die an ihrer Funktionskleidung zu erkennen geben, dass sie schon immer joggen, oft aus: Das ist mein Revier, und ihr habt mir aus dem Weg zu gehen! Unser Liebling war der Jogger auf der Hauptspazierwiese einer größeren Stadt, der gepfiffen hat, um Spaziergänger vor sich auseinanderzutreiben – und dann angefangen hat zu schimpfen, weil einfach nicht genug Platz auf dem Weg war, um 1,5 Meter Abstand zu halten.

          Er ist leider nicht der einzige Jogger, der es empörend findet, wenn Spaziergänger nicht untertänig ins Gebüsch springen, sobald der große Sportler auf seiner Langweilerrunde am Horizont erscheint. Dabei könnte man während der Krise ja auch an einem Ort joggen, an dem nicht immer 500 Spaziergänger unterwegs sind. Im vollkommen leergefegten Wald zum Beispiel? Ansonsten gibt es auch eine freundliche Form des Abstandhaltens: Man läuft einen extra großen Bogen, trabt vielleicht sogar kurz übers Feld, und lächelt den Entgegenkommenden dabei wissend zu. Immer wird zurückgelächelt.

          Eine sinnvolle Regel? Am Phoenix-See in Dortmund darf „nur im Uhrzeigersinn“ gelaufen werden.
          Eine sinnvolle Regel? Am Phoenix-See in Dortmund darf „nur im Uhrzeigersinn“ gelaufen werden. : Bild: dpa

          3. Spazierende Abstandsfanatiker

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