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Kolumne „Fünf Dinge“ : Fünf Dinge, die an Airbnb nerven

Unverputzte Wand, bronzene Leuchte und ein Handy-Ladekabel direkt neben dem Bett: Ganz egal, wo man sich auf der Welt gerade befindet, so ein Airbnb-Apartment findet man überall. Bild: dpa

Die Buchungsplattform soll den Weltfrieden fördern, wahre Abenteuer bieten und überhaupt viel cooler als andere Reisekonzerne sein. Unsere Autorin kann diese Werbesprüche nicht mehr hören. Sie geht jetzt ins Hotel, um Leute kennenzulernen.

          4 Min.

          1. Von wegen „Home, sweet home“

          Einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit an dieser Kolumne habe ich damit verbracht, darüber nachzudenken, wann ich das letzte Mal in einem Airbnb-Apartment geschlafen habe, das tatsächlich ein Zuhause gewesen ist. Es muss im Sommer vor viereinhalb Jahren gewesen sein, bei einer Reise nach Wien.

          Es war exakt so, wie ich mir eine Airbnb-Übernachtung vorgestellt hatte: Meine Gastgeberin lud Freunde zum Essen ein und mich dazu. Ich trank für ihren Geschmack zu wenig Wein und blieb für meinen Geschmack zu lange auf, weil sich Menschen nun mal viel zu sagen haben, wenn sie offenherzig, aber vollkommen unterschiedlich sind. Meine Gastgeberin hatte das Handtuch für mich auf dem Bett zusammengerollt und ein Bonbon daneben gelegt.

          Zusammengerollte Handtücher und Bonbons findet man immer noch in Airbnb-Apartments. Aber es fühlt sich nicht mehr richtig an, wenn statt einer Küche zwei Teebeutel, eine Nescafé-Tüte und ein Mini-Wasserkocher auf einen warten und man sich die Frage an seinen Host, wie er seinen Alltag im „Home, sweet home“ bloß mit einem Mini-Wasserkocher bestreitet, sparen kann. Käme nur lächerlich. Da hat es ein Silicon-Valley-Konzern tatsächlich geschafft, dem „Zuhause“-Begriff seine Wohligkeit zu rauben.

          Es ist nur konsequent, dass Airbnb jetzt eigene Wohnanlagen plant, mit Basic-Möbeln und Servicepersonal, das das Apartment vermietet, sobald die eigentlichen Bewohner verreist sind. Ein Sicherheitszimmer für die eigenen Wertsachen wird standardmäßig mitgebaut. Airbnb sagt übrigens: „Wir existieren, um eine Welt zu schaffen, in der sich jeder überall zugehörig fühlen kann.“

          Hier im Original: die Eames-Stühle

          2. Alles sieht gleich aus

          Das bringt uns zu Punkt zwei, der eigentlich keiner großen Erläuterung bedarf. Nur so viel: Ungerubbelte Rubbel-Weltkarten, nachgemachte Eames-Stühle und Coffee-Table-Books, die noch nie jemand aufgeschlagen hat, rangieren auf der Traurigkeits-Skala ganz weit oben. „Diese Austauschbarkeit in vermeintlichen Airbnb-Privatzimmern ist fast ärgerlicher als bei den großen Ketten: Die tun wenigstens nicht so, als böten sie ein ,authentisches Erlebnis’, was auch immer das sein soll,“ schrieb die F.A.S. mal. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.

          3. Neuer Geheimtipp, um Einheimische kennenzulernen: Hotels

          Man kann dem Namen Airbnb – eine Symbiose aus Airbed und Breakfast, also Luftmatratze und Frühstück – nicht direkt Falschheit vorwerfen. Es gibt sicher noch Unterkünfte, wo eine Luftmatratze im Ikea-Schrank liegt, und ein Frühstück mit Nescafé-Tüten und Mini-Wasserkocher kann man sich ja auch zubereiten, ohne dass ein Gastgeber anwesend ist.

          Aber in die Irre geführt fühlt man sich trotzdem, wenn man morgens in der Antidiskriminierungsrichtlinie von Airbnb schmökert, dort liest: „Wir glauben zwar nicht, dass ein Unternehmen allein für Weltfrieden sorgen kann, aber wir sind dennoch davon überzeugt, dass die Airbnb-Community Einfühlungsvermögen fördern und zur Völkerverständigung beitragen kann“, mittags eine Airbnb-Unterkunft bucht und abends im Dunklen unter eine Buchsbaum-Hecke in den Pariser Banlieues kriechen muss, weil der Wohnungsschlüssel unter einem umgedrehten Blumentopf liegen soll und der Gastgeber „leider“ anderweitig beschäftigt ist.

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