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Die Rückkehr des Chypre-Duftes : Die Rose im Mistral

Jean Claude Ellena (links) arbeitete für „Rose&Cuir“ mit Frédéric Malle zusammen. Bild: Julien Weber/ Hersteller

Jahrelang lagen holzige Oud-Noten in der Luft. Nun bringt das Parfumlabel „Frédéric Malle“ einen Chypre-Duft heraus, der eine Rose völlig neu interpretiert und dabei auf ein fast vergessenes Duftmolekül setzt.

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          „Rose&Cuir“  ist eine Überraschung. Kaum aufgesprüht, blüht da eine zarte, frische Rose, die kurz nach dem Regen ihre feuchten Blätter entfaltet. Doch schon in der nächsten Sekunde trifft so plötzlich, wie der kalte Mistral-Wind über die Côte d’Azur fegt, eine weitere Note die Nase, die man hier überhaupt nicht erwartet hätte: Leder. Passt das zusammen? Absolut! Denn was so entsteht, ist ein Rosen-Chypre-Duft, der strahlt, wie der blankgeputzte blaue Himmel nach einem Frühlingsgewitter.

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Auf das Rosenthema kamen Frédéric Malle, der das Parfum herausbringt, und Jean-Claude Ellena, die „Nase“ hinter dem Duft, als sie an einer Flasche „Rose de Rochas“ rochen. Das Parfum hatte der Kultparfumeur Edmond Roudnitska Ende der vierziger Jahre für Marcel Rochas entwickelt. Als Roudnitskas Hommage an eine karmesinrote Rose aus der Flasche stieg, blickten sich Malle und Ellena an und wussten: Das hier wird das Thema des neuen Parfums. Keine leichte Entscheidung, denn mehr als 70 Parfumvarianten rund um die Rose sind auf dem Markt, mal duften sie süß wie die Zuckerrosen auf einer Geburtstagstorte, mal dunkel wie die schwarzsamtenen Züchtungen in einem Garten in Marrakesch, mal nach türkischen Rosen, die neben Johannesbeeren blühen, wie der neueste Celebrity-Duft, den die Schauspielerin Chloë Sevigny mit „Régimes des Fleurs“ im August herausbrachte. Die Rose ist ein Thema, an dem sich jeder Parfumeur einmal in seinem Leben versuchen will – so wie jeder Theaterschauspieler von einer Shakespeare-Rolle träumt. Dass man die Rose dabei fast noch einmal neu erfinden kann, beweist Jean-Claude Ellena mit „Rose&Cuir“.

          Der im südfranzösischen Grasse geborene Duftkomponist war lange Jahre Hausparfumeur für Hermès  und hat dabei Juwelen wie „Parfum des Merveilles“, „Terre d’Hermès“ oder „Kelly Calèche“ erfunden, die sich durch ihre minimalistische Klarheit auszeichnen. Nachdem er lange hinter der Marke Hermès verschwand, sorgt das Parfum-Autorenlabel Frédéric Malle nun dafür, dass Ellenas Name wieder auf der Flasche zu finden ist. „Rose&Cuir“ ist seine Rückkehr in die Selbstständigkeit. Mit Frédéric Malle arbeitete er bereits 2000 zusammen, im Gründungsjahr des gleichnamigen Parfumunternehmens. Damals entwickelte er den Duft „Angéliques Sous La Pluie“, in dem Engelswurz auf Wachholder  trifft.

          Ein Duft-Molekül aus den vierziger Jahren

          Für seinen neuen Chypre-Duft greift Ellena auf das Molekül Isobutyl Quinoline zurück. „Es ist ein Rohmaterial, das man in vielen Düften der vierziger Jahre und auch in einigen aus den fünfziger Jahren fand“, sagt Frédéric Malle. In den vergangenen Jahrzehnten aber ist es in Vergessenheit geraten. Parfum-Autor Luca Turin ordnet dem Molekül den „braunen Duft von Birkenteeröl“ zu, während die britische Parfumhistorikerin Lizzie Ostrom in ihm grüne Noten „wie von Salbei“ findet. Das klingt noch nicht verführerisch, ist aber die Basis für solche ikonischen Lederdüfte wie Lanvins „Scandal“, Chanels „Cuir de Russie“ und den Herrenduft „Knize Ten“, die alle zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden.

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