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Die Rückkehr des Chypre-Duftes : Die Rose im Mistral

Umso spannender ist es jetzt, dieses Molekül wiederzuentdecken, denn entgegen der Erwartung, ist es kein angestaubter süßer, schwerer Lederduft. Vielmehr riecht es leicht und strahlend. So wie ein neues Paar Lederhandschuhe, die Katharine Hepburn tragen würde, um damit ein Flugzeug zu fliegen. Der Ursprung von Lederparfum liegt übrigens tatsächlich im Handschuh. L. T. Piver brachte 1908 das Parfum „Peau d’Espagne“, also spanisches Leder, heraus, das an die Ursprünge des Hauses Piver 1774 erinnerte. Damals verkaufte man parfumiertes Wachs für Lederhandschuhe. Bevor es um 1900 modern wurde, Parfum direkt auf die Haut zu sprühen, war Duft etwas, das man auf der Kleidung trug. („Peau d’Espagne“ war zu Beginn des Jahrhunderts sogar so populär, dass es in James Joyces „Ulysses“ erwähnt wird; als Molly sich an ihre Zeit in Gibraltar erinnert, ist diese mit dem Geruch von „Peau d’Espagne“ verbunden.)

Wie eine Rose nach einem Frühlingsgewitter: „Rose&Cuir“ ist der neue Chypre-Duft von Jean-Claude Ellena für „Frédéric Malle“.

Warum also kamen Leder- und Chypre-Düfte aus der Mode? Fragt man Frédéric Malle, so holt der ein wenig aus: „Als die Self-Service-Parfumerien begannen, die Regeln des Marktes zu ändern, haben sich die großen Häuser auf laute Kampagnen konzentriert. Die Kunden hatten plötzlich die „Freiheit der Wahl“ und um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, verband man Parfums mit Stars und starken Bildern. Die Inhalte der Düfte wurden zweitrangig. Zudem testeten die Chypre-Leder-Noten schlecht beim Publikum, also haben sich die Häuser entschlossen, sie nicht herauszubringen.“ Erst seit Kunden sich auf der Suche nach „Signature Scents“ zu den Nischenanbietern hinwenden, änderte sich das wieder. „Doch wenn man anfängt, sich mit Parfumkunst zu beschäftigen, dann geschieht es auf die gleiche Art, wie man klassische Musik entdeckt: Man beginnt nicht mit den subtilen Werken, sondern mit den starken Sachen.“ Die zahllosen opulenten Oud- und Holzdüfte der vergangenen Jahre spiegeln das wider. Und auch, dass nun seit kurzer Zeit immer wieder Leder-Noten in den Regalen der Luxusparfümerien auftauchen, spricht für diese These. Wer genug von opulenter Schwere hat, sucht vielschichtigere Nuancen. So hat Byredo vor zwei Jahren mit „Bibliothèque“ noch für Aufsehen gesorgt – einem Duft, der nach reifen Pflaumen riecht, die in einer Bibliothek voller Ledergebundener Folianten serviert werden. Tom Ford zog mit „Ombré Leather“ (Dunkles Leder mit Jasminakkord) im vergangenen Jahr nach. „Das hat jedoch nichts mit dem zu tun, was Jean-Claude Ellena kreiert hat“, sagt Malle.  

In der Tat ist „Rose&Cuir“ eine konsequente Evolution von Ellenas Hermès-Düften wie „Kelly Calèche“ und „Cuir d’Ange“, bei denen er schon mit zarten, eleganten Ledernoten spielte. Frédéric Malle vergleicht Ellena mit Picasso. „Nicht wegen des Temperaments“, sagt er und lacht. „Jean-Claude ist überhaupt nicht laut.“ Aber sie ähnelten sich in der ständigen Neuerfindung ihrer Kunst in unterschiedlichen Schaffensperioden. „So wie Picasso von der blauen Periode zur rosafarbenen kam und letztendlich den Kubismus erfand, so hat auch Jean-Claude Ellena zwei völlig unterschiedliche Schaffensphasen hinter sich. Er hat mit sehr klassischen Pariser Kompositionen angefangen, dann sehr minimalistische Parfums gemacht und nun ist es der Beginn einer neuen Ära.“ Und so wie Gabrielle Chanel mit Ernest Beaux vor fast hundert Jahren „Chanel No. 5“ herausbrachte und mit diesem Chypre den opulenten Blumen-Düften der Konkurrenz strahlende Modernität entgegensetzte, so nimmt sich „Rose&Cuir“ in den derzeitigen Oud-Duftwolken aus – als Duft für das, was kommt.

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