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Entspannte Schweden : Wie Skandinavien zum großen Vorbild wird

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Dort draußen kommt man dem Lagom-Gefühl noch besser auf die Spur. Zum Beispiel im „Artipelag“, das auf der großen Insel Värmdö liegt und im Sommer von Stockholm aus mit der Linie „Waxholmsbolaget“ gut zu erreichen ist. „Artipelag“ setzt sich aus „Art“ (Kunst), A“ ctivities“ (kA tivitäten) und „Archipelago“ (Schären-garten) zusammen. Es bietet eine moderne Mischung aus Museum, Restaurant, Shop und grünem Ausflugsziel.

Schweden, wie man es kennt.
Schweden, wie man es kennt. : Bild: INSTAGRAM

Das helle großzügige Gebäude wurde von dem Architekten Johan Nyrén perfekt in die Granitfelsen und die Landschaft eingepasst. Von drinnen hat man so atemraubende Aussichten auf das Land und die See, dass diese sogar die Ausstellungen überstrahlen. Draußen kann man stundenlang in der Sonne sitzen, sich immer wieder am Buffet mit regionalen Spezialitäten bedienen oder in der Natur herumwandern. Ähnlich wie im „Hermans“ treffen sich hier junge und alte Leute, ärmere und reichere.

Natur und Kultur

Erdacht und verwirklicht wurde dieser nahbare Kunst-Tempel von dem schwedischen Unternehmer Björn Jakobson und seiner Frau, der Produktdesignerin Lillemor. Das Paar revolutionierte mit der Marke Baby Björn und einer ergonomischen Babytrage in den siebziger Jahren das Lebensgefühl junger Eltern. lK einkinder konnten fortan leicht überall hin mitgenommen werden. Heute sind die Jakobsons beide Anfang 80, doch etwas bewegen wollen sie noch immer. Ihr vor rund sechs Jahren eröffnetes „Artipelag“ soll Natur und Kultur zusammenbringen.

Wer nicht ganz so kunstsinnig ist, aber einen ähnlich entspannten Familientag mit gemütlichem Essen auf Holzbänken, mit glitzerndem Meer und praller Natur erleben möchte, sollte die kleine Insel Rögrund im südlichen Archipel besuchen. Dort steht die wohl schönste Jugendherberge der Welt, „Grundets Vandrarhem“, mit den entzückend eingerichteten Stugas. Hier geht es wirklich wie auf Saltkrokan zu. Wildblumen wachsen auf den Granitfelsen, im Wald warten Blaubeerbüsche auf hungrige Pflücker. Im Restaurant gibt es typisch schwedische Gerichte wie Köttbullar (Fleischklöße), Stekt Strömming (Brathering) und Pfannkuchen. Wenn man Glück hat, singen die gut gelaunten Köchinnen dazu Abba-Lieder. Mehr Lagom geht nun wirklich nicht.

Auch Pausenbrote mit Radieschen können Langom sein.
Auch Pausenbrote mit Radieschen können Langom sein. : Bild: INSTAGRAM

Die Insel diente einst der schwedischen Krawattenmacherin Amanda Christensen als Sommerresidenz. Heute gehört sie der Stiftung Schärengarten, die etwa zwölf Prozent der gesamten Fläche der Schären besitzt und dazu beiträgt, dass die einzigartige Landschaft intakt bleibt. Daher sind die Auflagen überall streng. Meine Familie hat das zu spüren bekommen, als wir hier unser Sommerhaus kauften. Zum Wassergrundstück gehörten drei Stege, von denen zwei marode waren. Wir beschlossen, sie zu erneuern und zu verlängern. Nach endlosen Verhandlungen wurde es gestattet. Allerdings kostete es einen Steg. Um den Eingriff in die Landschaft durch die Verlängerung wieder auszugleichen, musste diese dritte „Brygga“ abgerissen werden.

Heute blicken wir von unserem Haus auf zwei schöne neue Holzstege. Den dritten vermissen wir überhaupt nicht mehr. Wer braucht schon drei Anleger? Überhaupt haben wir die strengen Auflagen beim Bauen mittlerweile schätzen gelernt. Der Schärengarten bleibt so ausnehmend schön, wie er schon zu Astrid Lindgrens Zeiten war. Das liegt im Interesse aller. Denn durch das „Allemansrätt“ – das man als „Jedermannsrecht“ übersetzen könnte – darf jeder diese großartige Landschaft nutzen und zelten, wo er mag, ins Wasser springen, sofern er außer Sichtweite des Hauses ist, Beeren und Pilze sammeln. Wer niemanden stört, darf bleiben. Die Natur, das wahrscheinlich größte schwedische Luxusgut, soll eben für alle reichen. Auch im Grünen gilt Lagom.

Architektur : Das Holzhaus auf dem Eiszeitfelsen

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