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E-Zigaretten : Stechender Schmerz in der Lunge gratis

Früher war mehr Zigarette: Eine E-Raucherin hat das technische Prozedere hinter sich gelassen und sitzt in ihrem Dampf. Bild: AFP

Britischen Rauchern wird das Vapern als gesunder Ersatz schmackhaft gemacht. Zumindest ästhetisch gleicht der Dampfraucher eher einem Nasenhaarschneider. Ein Selbstversuch mit Elektropfeife.

          4 Min.

          Hampstead ist ein Stadtteil, in dem alte Geschäfte von Nagelstudios und französischen Bäckereien verdrängt werden. Umso größer ist die Neugier, seit ein Laden mit dem geheimnisvollen Namen „Vape Emporium“ geöffnet hat. Im Schaufenster liegt eine Wurzelholzpfeife, die mit ihren metallenen Applikationen aufregend futuristisch aussieht, und im Inneren des kleinen Raums bietet sich ein Anblick, den es in London schon seit vielen Jahren nicht mehr gibt: Raucher in einer Qualmwolke.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          „Einen Augenblick, bitte“, sagt der Verkäufer, den ich bald Andy nennen werde, und widmet sich wieder dem Kunden mit den älteren Rechten. Vor den beiden steht eine Batterie kleiner Flaschen, die wie Impfstoffe aussehen. Die Männer fachsimpeln murmelnd über Geschmacksrichtungen. Genug Zeit, sich umzusehen. An der Wand hängen, in eleganten Abständen, gebrauchte Apfelsinenkisten, die von Glas bedeckt sind. Dahinter stehen Geräte, die an aufgepustete Kugelschreiber erinnern oder mehr noch an elektrische Nasenhaarschneider. Mit Tabakkultur scheint dieses Geschäft nicht viel im Sinn zu haben.

          „Kennen wir alles aus Lebensmitteln“

          Als Andy für den neuen Kunden da ist, eröffnet er das Gespräch mit einer Frage, die man in Britannien als „straight forward“ bezeichnen würde.

          „Wie viel rauchen Sie?“

          „Zu viel.“

          „Dann sind Sie hier richtig. Wir bringen Sie davon weg.“

          Mit einer Handbewegung weist er auf den Stuhl, den mein Vorgänger freigemacht hat, und führt mich, wie ein Arzt mit umstrittenen Behandlungsmethoden, in die Geheimnisse der Vaper-Therapie ein. „Die Grundidee ist es, Rauchern eine gesündere Möglichkeit zu eröffnen.“

          Andy füllt eine „E-Shisha“ mit einer öligen Lösung, die, wie er erläutert, aus Wasser, Geschmacksstoffen, Glycerin und dem Trägerstoff Propylenglykol besteht. „Kennen wir alles aus Lebensmitteln, ist unbedenklich“, versichert er. „Bei Bedarf können Sie Nikotin dazumischen, von drei bis 24 Milligramm – wie viel wollen Sie?“

          „Erst mal drei, bitte.“

          Dann zeigt Andy den Knopf, mit dem die Batterie die kleine Heizspirale zum Glühen bringen wird, die wiederum die Stoffe löst und zu Dampf werden lässt.

          Unübersichtliche Verbotslage

          Andy kennt sich aus im Metier, noch am Morgen war er Gast in einer Radio-Sendung. Der Streit darüber, ob das „Vapern“ als Ausstiegshilfe für Raucher zu betrachten ist oder, im Gegenteil, als Einstiegsdroge, hat längst begonnen. Was die gesundheitlichen Implikationen betrifft, berufen sich die Gegner auf die Weltgesundheitsorganisation, die ihr Unbedenklichkeitssiegel noch nicht vergeben hat und lieber abwartet, bis aussagekräftige Untersuchungen vorliegen. Andere haben ihr Urteil schon gefällt. Der britische Krebsforscher Robert West schätzte neulich zur besten Sendezeit, dass der Umstieg auf das Vaper-Rauchen jedes Jahr Millionen Leben retten würde.

          Im Land von „Health and Safety“ handeln die Gesundheitspolitiker lieber früher als später. In Wales soll das Dampfqualmen daher jetzt wie das herkömmliche Rauchen behandelt und in Räumen verboten werden; man beruft sich auf das Vorbild amerikanischer Städte wie New York, Chicago und Boston. Im Rest des Königreichs ist die Lage unübersichtlich. Mehrere Restaurants und zwei Pub-Ketten haben Rauchverbote erlassen, auch in einigen Zügen müssen die E-Zigaretten im Gepäck bleiben. In unmittelbarer Umgebung des „Vaper Emporium“ ist das Dampfrauchen Verhandlungssache. Im „Flask Pub“ und im „Holly Bush“ hängt es vom diensthabenden Barmann ab, ob die E-Zigarette qualmen darf.

          Schwindelgefühle inklusive

          „Welcher Geschmack sagt ihnen am ehesten zu: Banane, Kaffee, Vanille?“, fragt Andy.

          „Tabak.“

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