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Duftschöpfer Raymond Matts : „Der Duft muss zu Ihnen kommen, nicht umgekehrt“

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Blendender Auftritt: „Was Sie auf keinen Fall machen sollten – den Duft in die Luft sprühen und durch die Wolke hindurchlaufen“, sagt Duftdesigner Matts Bild: Masterfile

Wie sollen Männer riechen? Moschus pur oder leicht blumig? Und ist das Handgelenk tatsächlich der beste Ort zum Proberiechen? Der amerikanische Duftschöpfer Raymond Matts klärt auf.

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          Herr Matts, Sie sind Parfümeur

          Oh nein, ich bin kein Parfümeur. Ich mag es wirklich nicht, wenn mich die Leute so nennen. Ich bin Designer, das ist ein Unterschied.

          Was macht ein Duftdesigner?

          Ich überlege mir ein Konzept für einen Duft und sitze mit den Parfümeuren in ihren Labors, wir riechen alle möglichen Noten, aber es ist eine Kooperation zwischen dem Parfümeur und mir.

          Bald geht es wieder darum, was man den Liebsten und Nächsten zu Weihnachten schenken könnte. Vielen fällt als Erstes ein Parfum ein. Sind Düfte für Herren ein gutes Geschenk?

          Natürlich! Aber Männer kommen auch immer mehr dahin, Düfte für sich selbst zu kaufen. Frauen machen das ja schon seit langem. Es geht ihnen zunächst darum, wie sie sich mit einem Duft fühlen, dann, wie sie damit auf andere wirken. Für Männer war dieser zweite Aspekt früher erstrangig. Nach dem Motto: Wenn ich für den Duft, den mir jemand geschenkt hat, ein Kompliment bekomme, dann trage ich ihn bis an mein Lebensende. Das ändert sich jetzt gerade.

          Die Zuwachsraten im Verkauf von Herrendüften sind mittlerweile höher als die bei Damendüften.

          Ich glaube, die jüngere Generation versteht besser, dass ihr Auftritt auch etwas über sie als Person erzählt. Somit treffen Männer heute bewusstere Entscheidungen, was ihr Parfum angeht.

          So wie in der Mode.

          Ja, sie wählen auf selbstverständlichere Weise aus, es gibt viel mehr Möglichkeiten. Wer einen Anzug trägt, muss nicht zwangsläufig wie ein Banker aussehen. Es ist schön, wenn man auf der Straße ein Kompliment für sein Parfum bekommt, und der andere hat diesen Duft noch nie gerochen.

          Wie viele Männer gibt es denn, die das Parfum ihrer Freunde am Geruch erkennen?

          Darum geht es nicht, es ist keine Frage des Bescheidwissens. Aber natürlich sollte ein Duft eine Handschrift haben und wiederzuerkennen sein.

          Jetzt haben Sie für die italienische Herrenmarke Brioni ein Parfum entworfen. Welche Handschrift trägt das?

          Raymond Matts neuer Herrenduft: So weich wie ein Sakko-Ärmel

          Ich war auf Besuch in der Brioni-Zentrale in Italien und habe mir angeschaut, wie die Anzüge dort gefertigt werden, wie viel Handwerk darin steckt. Das Erste, was ich dort gemacht habe, war, mir ein Sakko zu nehmen und zu fühlen, wie weich diese Ärmel sind. Die Weichheit sollte sich auch im Duft wiederfinden. Also begann ich, mir Noten zu überlegen, die dieses Gefühl am besten transportieren. Es sollte ein blumiger Duft für Männer werden.

          Entschuldigung, ein blumiger Duft? Für Männer?

          Ja, in allen Herrendüften stecken florale Noten. Sie sind vielleicht ein bisschen verschleiert, das sind nicht gerade Rose oder Geranium.

          Was ist es dann?

          Ich habe hier mit Magnolie gearbeitet, was mir daran besonders gefiel, war eben diese Weichheit, ich musste spontan an ein weiches Blütenblatt denken. Dazu wollte ich, dass die holzigen Noten geradezu lebendig riechen, nicht in einer Form von Vanille, davon verwendet die Branche gerade ein bisschen zu viel. Ziemlich langweilig.

          Muss man den männlichen Kunden anders bei Laune halten als die weibliche Kundin?

          Wissen Sie, heute sind die Unterschiede zwischen diesen beiden Parfumkunden so groß, das war nicht immer so. Früher, selbst als ich gerade in der Branche anfing, trugen Frauen und Männer häufig dieselben Düfte. Vielleicht in verschiedenen Konzentrationen, aber die Struktur der Düfte war gleich.

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