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Drei Geschichten : Lichtblicke in der Corona-Krise

  • Aktualisiert am

„Bleibt zu Hause“: Alle zusammen gegen das Virus Bild: dpa

Besorgniserregende Nachrichten bestimmen zurzeit unsere Tage. Ohne das Leid von vielen schmälern zu wollen, möchten wir am Wochenende vor Ostern auch mal auf hoffnungsvolle Zeichen schauen.

          5 Min.

          Wie Corona mich meinen Eltern näherbrachte

          Meine Eltern wohnen in der Nähe, wir haben uns immer regelmäßig gesehen. Ostern feiern wir zusammen, Weihnachten auch. Seit drei Wochen ist alles anders. Wir sehen uns nicht mehr. Wir umarmen uns nicht mehr. Wir sitzen nicht mehr an einem Tisch. Wir feiern Ostern nicht zusammen. Meine Eltern gehören zu der sogenannten Risikogruppe, sie sind 78 und 81 Jahre alt. Seit drei Wochen bleiben sie zu Hause. Die Corona-Krise hat uns getrennt. Das Seltsame daran aber ist: Sie hat uns auch näher gebracht.

          Wie war es ohne Corona? Ein hektischer Alltag mit zwei Kindern. Wie oft sind Tage vergangen, an denen ich dachte: Musst dich mal bei den Eltern melden! Und abends merkte ich, dass ich es mal wieder nicht geschafft hatte. Mein Alltag ist jetzt mindestens genauso hektisch, denn im Homeoffice muss ich zwei Schulkinder bei Laune halten und mittags noch kochen. Trotzdem rufe ich jeden Tag bei meinen Eltern an, ich will wissen, wie es ihnen geht, ich will ihnen das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind, ich will die Nähe zu ihnen anders herstellen, mit Gesprächen und mit Anteilnahme.

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          Ich kaufe auch zweimal in der Woche für sie ein. Meine Mutter sagt, dass es ihr leidtue, dass ich jetzt so viel Arbeit mit ihnen hätte. Aber das macht mir nichts, es ist wenigstens etwas, was ich tun kann. Eine Geste, um zu zeigen, dass mir etwas an ihnen liegt. Einmal sind meine Mutter und ich im Park spazieren gegangen, mit zwei Meter Abstand und Mundschutz. Das war ein Highlight, nicht nur für sie. Dass wir uns mal in echt und nicht über Facetime gesehen haben.

          Natürlich ist es auch die Angst um meine Eltern, die mich umtreibt. Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn das Virus sie erreichte. Wenn sie ins Krankenhaus müssten und ich sie nicht besuchen könnte. Das wäre ein Albtraum. Ich wünsche mir für sie, dass sie irgendwann in Würde sterben können, im Kreise ihrer Familie und nicht auf der Intensivstation. Und dass das Letzte, was sie sehen, nicht das vermummte Gesicht eines Fremden ist.

          Wenn ich der Kontaktsperre etwas Positives abgewinne, dann ist es, dass meine Eltern stärker zu einem Teil meines Alltags geworden sind. Dass ich viel mehr an sie denke, viel mehr mit ihnen spreche als vorher. Dass meine Kinder nach ihnen fragen. Dass wir uns alle vermissen. Und dass wir froh sind, dass wir einander haben. Vielleicht ist auch das eine Hoffnung in diesen Tagen, dass wir bereit sind, für unsere Elterngeneration etwas zu opfern. Dass wir viele Einschränkungen hinnehmen, um sie (und Vorerkrankte) nicht zu gefährden. Über diese Solidarität freue ich mich. Und ich hoffe, dass sie in den nächsten Wochen nicht bröckelt.

          Anke Schipp

          Die Geschichte von Mats Richter, 33, Feuerwehrmann

          Unser Dorf, Hohenholte im Kreis Coesfeld, hat knapp 700 Einwohner – und keine Apotheke, keinen Supermarkt, keinen Arzt. Nur einen Tante-Emma-Laden und zwei Friseure. Als ich Mitte März las, dass in einigen großen Städten private Hilfsangebote für ältere Menschen entstanden sind, dachte ich spontan: Hier im Ort brauchen wir das doch noch viel mehr! Meine Eltern sind recht hilfsbereite Menschen, mein Vater engagiert sich zum Beispiel für das Projekt „Ein-Dollar-Brille“, vielleicht bin ich deshalb auf die Idee gekommen. Und so habe ich nun auch ein Hilfsprojekt gegründet: die „Coronahilfe Hohenholte“.

          Zusammen mit meiner Mutter und meiner 16 Jahre alten Schwester habe ich im Pfarrheim 200 Flugblätter ausgedruckt und im ganzen Dorf verteilt. Dann habe ich eine Whatsapp-Gruppe gegründet. Kurz darauf hatten sich schon zehn Prozent der Dorfbewohner, also 70 Helferinnen und Helfer, gemeldet. Die jüngste ist meine Schwester, der älteste so um die 70. Eigentlich gehört er damit ja schon selbst zur Risikogruppe – aber das wollte ich ihm so direkt nicht sagen. Seitdem warten wir darauf, dass uns Leute anrufen und um Hilfe bitten.

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