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Laientheatertruppe in New York : Glück im Spiel

Selbst für ein Mitglied der Truppe ist es nicht leicht, zu dieser Frage etwas zu sagen. Denn die Blue Hill Troupe ist kein Gilbert-und-Sullivan-Fanclub. Die wenigsten Freiwilligen sind zur Truppe gestoßen, weil sie nicht genug bekommen können von unglaubwürdigen Zufällen im Bühnengeschehen und absehbaren harmonischen Wendungen im Orchester.

Warum landet man bei der Troupe? Weil man Theater spielen möchte. Aber selbst das ist nicht richtig, nicht für jeden Einzelnen. Richtiger ist: weil Theaterspielen etwas ist, das man nicht allein machen kann. Der Schauspieler braucht mindestens noch den Beleuchter und den Kartenabreißer. Die Truppe ist eine Gemeinschaft, in der für jeden etwas zu tun ist. Und wer Mitglied ist, hat immer etwas zu tun, erfährt die Zeit als vollgepackt, aber wohlorganisiert, das Jahr, die Woche, in der Aufführungszeit jeden Tag.

Großinquisitor, Lordkanzler und Henker

Die Figuren des Musiktheaters von Gilbert und Sullivan spielen selbst Theater. Da gibt es die Staatsschauspieler: Großinquisitor, Lordkanzler und Henker; den romantischen Helden, der sich verliebt, weil er ein Publikum braucht; die komische Alte, die Geheimwissen hütet, um den Plot umzuschreiben. Diese Rollen verlangen also Darsteller mit einer gewissen Freude am überdeutlichen Rollenspiel. Aber damit der Vorhang sich pünktlich hebt, müssen viele Akteure wochenlang gearbeitet haben, die für die Zuschauer nicht zu sehen sind. Und in der Blue Hill Troupe begegnet man nicht selten auch dem Gegentypus zum geborenen Schauspieler: Leuten, die alles tun, um sich nicht im Rampenlicht zu bewähren. Sie verlegen Kabel, klettern auf Gerüste, ziehen an Seilen, reparieren Werkzeuge, räumen hinter den Schauspielern auf und fegen den Bühnenboden – solange der Vorhang geschlossen bleibt.

Kanonpflege ist Ausdauersport: In der Blue Hill Troupe sind viele Rollen gefragt.
Kanonpflege ist Ausdauersport: In der Blue Hill Troupe sind viele Rollen gefragt. : Bild: Tobias Everke

Die Truppe teilt sich auf in zwei Verbände: diejenigen, die auf die Bühne treten, und diejenigen, die hinter der Bühne stehen, „Frontstage“ und „Backstage“. Wer Mitglied werden möchte, muss sich entscheiden: Er oder sie bewirbt sich entweder als „frontstager“ oder als „backstager“. Die einen müssen vorsingen, die anderen vorsprechen – vor einem Aufnahmeausschuss, der herauszufinden versucht, was die Bewerber sich von der Mitgliedschaft erhoffen. Dem Probesingen beziehungsweise Interview geht eine Cocktailparty voraus, ein zwangloses, aber durchgetaktetes Kennenlernen zwischen Altmitgliedern und Aspiranten. Das zweistufige Verfahren mit formellen und informellen Anteilen erinnert an einen Club.

Die Interessenten werden in Privatwohnungen gebeten. Es kann etwa sein, dass man eine Adresse auf der Upper East Side erhält und sich dort in der „Morgan residence“ einfinden soll. Dass es mit diesem Domizil etwas Besonderes auf sich hat, ahnt man vielleicht zum ersten Mal, wenn einen der Aufzug des Apartmenthauses direkt in die Wohnung befördert.

Aber Morgan ist ein gängiger walisischer Name, so denkt man sich doch nichts weiter. Der Gastgeber, ein älterer Herr mit großem Schädel, hält sich diskret im Hintergrund. Viel später stößt man vielleicht darauf, dass der Name Charles F. Morgan in die Marmorwand der Eingangshalle der Morgan Library geritzt ist. Charlie Morgan ist ein Urenkel des Bankiers J. P. Morgan.

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