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Duftwasser : Auf die Konzentration kommt es an

Parfum bedeutete für die Alten Ägypter duftender Balsam Bild: dpa

Eau de Parfum, Eau de Toilette, Eau de Cologne: Wässerchen ist nicht gleich Wässerchen. Eine kleine Typologie in Sachen Duftwasser.

          Eau de Parfum

          Am Anfang stand einfach das Parfum. Parfum bedeutete für die Alten Ägypter duftender Balsam. Parfum kam den Franzosen einem Heilwasser gleich und ersetzte das Bad, das man für krankmachend hielt. Und unter dem Titel Parfum lief auch, was streng genommen Extrait de Parfum ist: Produkte mit mindestens 15 Prozent ätherischen Ölen und synthetisch hergestellten Duftstoffen. Dieser Anteil kann bis zu 40 Prozent eines Produktes ausmachen. Eigentlich hätte es die Branche bei Parfum oder eben bei Extrait de Parfum bewenden lassen können - wäre nicht im Jahr 1979 eine neue Luxussteuer fällig geworden. „In Frankreich wurde die Mehrwertsteuer für Luxusprodukte damals von rund 18 Prozent auf 33 Prozent erhöht“, sagt Francis Kurkdjian, Parfumeur von Elie Saab.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zu den Luxusprodukten gehörte neben Schmuck, Haute Couture, Kaviar und Perlen auch Extrait de Parfum. „Um diese neue Mehrwertsteuer zu umgehen, ließen sich Parfumhäuser allerlei Begriffe einfallen, die an Parfum oder Extrait de Parfum erinnerten, deren Produkte aber trotzdem nicht von dem neuen Gesetz betroffen sein konnten“, erklärt Kurkdjian. Guerlain nannte sein Parfum fortan Parfum de Toilette, Hermès kam auf Soie de Parfum, bei Dior ließ man sich zu Esprit de Parfum hinreißen. Chanel sicherte sich jenen Namen, der zu einer Institution werden sollte. Die 33-Prozent-Luxussteuer mag 1995 wieder abgeschafft worden sein - Eau de Parfum hält sich bis heute und zwar mit einer Konzentration an Duftölen von zehn bis 14 Prozent. Auch Kurkdjians „Le Parfum“ für das Haus Elie Saab, zunächst als Eau de Parfum lanciert, ist noch immer der unangefochtene Bestseller der gesamten Linie.

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          Eau de Toilette

          Von der Luxussteuer war Eau de Toilette ab 1979 nicht betroffen. Das Produkt galt als zu alltäglich. Tatsächlich steht Eau de Toilette bis heute für den kleinen Luxus im Badezimmer, auf den kaum eine Frau verzichten möchte. Das konnten schon die Franzosen im 17. Jahrhundert verstehen. Sie waren besessen davon, dass der Körper beim Baden von schadhaften Keimen im Wasser befallen werden könnte. Statt Wasser verschwendeten sie Duftwasser. „Weil es aber für die Reinigung keine speziell vorgesehenen Räume gab und sie im Schlafzimmer, im Büro oder der Diele vollzogen werden konnte, mussten die Möbel geschützt werden“, sagt Elie-Saab-Pafumeur Francis Kurkdjian. „Also bedeckten die Bediensteten diese Stücke mit Tüchern, auf französisch: toile.“ Das Parfum zur Reinigung hatte bald den Namen Eau de Toilette weg.

          Weil es nicht nur an Königshäusern zur Reinigung des Körpers eingesetzt wurde, sondern weil es auch die Bourgeoisie in Massen verwendete, setzte sich Eau de Toilette als jenes Duftwasser durch, das eine geringere Konzentration hat als das teurere Parfum. Auch heute noch macht die Verdünnung den Unterschied zwischen Eau de Parfum und Eau de Toilette aus. Statt einer Duftöl-Konzentration von zehn bis 14 Prozent finden sich in Eau de Toilette gerade einmal sechs bis neun Prozent Duftstoffe. Dafür ist Eau de Toilette aber oft gut ein Drittel günstiger als Eau de Parfum.

          Eau de Cologne

          Köln war im Jahr 1709 zwar sehr schmutzig, galt aber zugleich als Rom des Nordens. Viele Italiener suchten in der Metropole zwischen Basel und Maastricht ihr Glück. Einer von ihnen war Johann Maria Farina aus Santa Maria Maggiore, der hier seinen eben hergestellten Duft aus Blüten von Zitrusfrüchten, Zeder und Bergamotte verkaufte. Weil der Parfumeur ein besonderes Talent dafür hatte, stets den gleichen Duft herzustellen, weitete er die Geschäfte bald aus. Er belieferte Königshäuser und Salons in ganz Europa. Aus dem 1709 entwickelten Farina aqua mirabilis wurde zu Ehren der Stadt, die ihm den Erfolg bescherte, Eau de Cologne.

          1766 starb Johann Maria Farina. Die Erben führten die Geschäfte weiter - auf andere Weise. Einen Teil davon verlegte ein Verwandter 1806 nach Paris, und knapp 60 Jahre später landete der französische Teil von Eau de Cologne im Besitz von Roger & Gallet, bis heute einem der größten Parfümerie-Unternehmen in Frankreich. In Köln verkaufte ein nicht verwandter Farina derweil die Namensrechte an einen gewissen Wilhelm Mülhens, der seine Duftwässer zu der Zeit mit großem Erfolg als Farina verkaufen durfte. Erst um 1880 wurde ihm das verboten.

          Der Mülhens-Familie blieb nichts anderes übrig, als ihr Produkt umzubenennen: in 4711, die Hausnummer, die der Firma im Jahr 1794 zugeteilt wurde. Obwohl sich die Namen ähneln, besteht deshalb heute ein großer Unterschied zwischen Echt Kölnisch Wasser und Eau de Cologne - dem Produkt, das sich mittlerweile in vielen Häusern etabliert hat. Mit einem Duftstoff-Anteil von drei bis fünf Prozent ist es besonders leicht - und deshalb passend für den Sommer.

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