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Marie Bäumer im Fragebogen : „Smalltalk habe ich noch nie gekonnt“

Im Januar wurde Marie Bäumer für ihre Rolle im Film „3 Tage in Quiberon“ als beste Darstellerin auch mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Bild: dpa

Für „Romy“-Schauspielerin Marie Bäumer ist ein Auto Freiheit und ein ausgemisteter Kleiderschrank eine Erleichterung. Auch warum auf der Welt dringend Momos gebraucht werden, verrät sie im Fragebogen.

          Gerade erst hat sie die Rolle ihres Lebens gespielt: Für ihre Romy Schneider in „3 Tage in Quiberon" wurde Marie Bäumer mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Geboren wurde die Theater- und Filmschauspielerin im Rheinland, der Durchbruch gelang ihr 1995 mit der Kömödie „Männerpension". Am 2. September erscheint „Escapade“ (Gräfe & Unzer), ein Buch über ihre Methode, Schauspielkunst, Körperarbeit und ihre Erfahrung mit Pferden zur Persönlichkeitsentwicklung und Selbstfindung zu nutzen. Scheint etwas dran zu sein an dem Konzept: Im Gespräch jedenfalls wirkt die Fünfzigjährige aufgeräumt und sehr bei sich.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Manchmal nur Toast mit dick Butter und Marmelade. Wenn ich gefeiert habe, mache ich mir Salat mit Avocado, Erdbeeren, Weintrauben, Äpfeln und Leinöl. Ich liebe Öle. Ansonsten esse ich Flocken mit Kokosmilch und Früchten. Auf jeden Fall muss ich frühstücken.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Vom Flohmarkt über Secondhandläden bis zu Designerläden, in seltenen Fällen. Ich nutze auch große Ladenketten. Manchmal kaufe ich Stücke beim Drehen ab.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Wahrscheinlich ein geliebtes altes Nachthemd von meiner Mutter. Bis vor kurzem hatte ich tatsächlich Sachen, die ich mit 18 oder 20 getragen habe. Das ist jetzt alles weg. Ich habe aussortiert und zwei Drittel meines Hausstands entsorgt. Ich habe immer viel in mir und brauche außen herum Ruhe und Klarheit. Also habe ich in mehreren Etappen vorgeräumt, Familie und Freunde eingeladen und in einer Woche Tabula rasa gemacht. Das ist wie eine kleine Lawine, die ins Rollen kommt und immer weiter rollt. Und es ist extrem erleichternd.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Vor zwei Tagen. Ich bin leidenschaftliche Briefschreiberin, mit Füller und schönem Papier. Meine Eltern haben immer geschrieben, meine Tante, die über 90 ist, schreibt mir bis heute Postkarten, meine Großeltern haben sich massenhaft Briefe geschrieben. Das ist in unserer Familienkultur fest verankert.

          Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?

          „Momo". Wir brauchen Momos, die grauen Herren haben sich erschreckend schnell vermehrt. Und die gesamte Literatur von Astrid Lindgren.

          Marie Bäumer bei der Chanel Modeschau während der Paris Fashion Week 2018.

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Immer als Letzte. Im Zweifelsfall über die Bewohner in meinem Dorf in der Nähe von Avignon.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Ich kann Smalltalk irgendwie nicht, ich habe es nie gekonnt und leide immer etwas darunter. In Frankreich redet man am besten über das Essen. Das geht immer.

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Als ich in New York war, weil dort „3 Tage in Quiberon" gezeigt wurde, habe ich „Limestone Cowboy" gesehen, einen maltesischen Film. Da war ein sehr berührender Moment mit einem Jungen und seinem Vater. Der Junge musste auf seinen Vater warten, der in einem Haus verschwand und ihm noch lustig zuwinkte, die beiden hatten ein ganz enges Verhältnis. Und während der Junge mit einer imaginären Waffe spielt und auf das Haus zielt, geht das Haus in die Luft. Irgendwie hat der Vater wohl dunkle Geschäfte gemacht. Das war eine starke Szene.

          Sind Sie abergläubisch?

          Nein, nicht wirklich. Aber ich habe ein wunderbares Buch, „Tierisch gut". Da schreibt eine Frau darüber, was es für eine Bedeutung haben kann, wenn man Tieren begegnet. Einmal saß eine junge Eule ein paar Tage bei uns im Garten, was sehr, sehr ungewöhnlich ist, weil die so scheu sind. Die Natur des Tiers wird dann zum Zeichen, die Tiere weisen uns auf etwas in uns hin. Das finde ich sehr spannend.

          Worüber können Sie lachen?

          Situationskomik. Wenn in einem ernsthaften Moment etwas Unerwartetes passiert, wenn zum Beispiel jemand engagiert erzählt und sich dann furchtbar verhaspelt oder mit dem Stuhl umfällt. Das finde ich sehr lustig.

          Ihre Lieblingsvornamen?

          Für Mädchen mag ich Juna oder das englische Rose. Für Jungen Antoine. Oder Shawn, so wie mein Sohn heißt.

          Machen Sie eine Mittagspause?

          Ja. Leidenschaftlich. Ich liege auf dem Sofa und schlafe eine Stunde. Ruck, zuck.

          In welchem Land würden Sie gerne leben?

          In Frankreich. Glücklicherweise.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Salzige Butter, Senf, Zitronen und Leinöl.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Mit.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Oje! (Denkt lange nach.) Ich glaube, ich könnte heute sagen, meiner eigenen Wesensnatur auf den Grund zu kommen, um dann anderen dabei zu helfen, sie bei sich zu entdecken.

          2007 stand Marie Bäumer zu „Jedermann“ in Salzburg auf der Bühne.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          Rauchen! (Zündet sich eine Zigarette an.) Geschwindigkeitsüberschreitungen. Und Respektlosigkeit gegenüber vorgeschriebenen Grenzen.

          Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?

          Nelson Mandela. Er war so lange eingeschlossen, alles sprach dagegen, dass er der Welt je wieder zur Verfügung stehen würde. Ich finde es unfassbar faszinierend, dass er sich trotzdem die Kernenergie seines Wesens bewahrt hat.

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Beides. Schmuck trage ich immer, außer wenn ich bei meinen Tieren bin, meinem Pferd und meinem Hund. Uhren nur ab und zu, manchmal auch nicht gestellt, worauf mich dann Freunde netterweise hinweisen.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Frederic Malle, „Portrait of a Lady".

          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Tansania und Kenia, drei Wochen Safari in einem Landrover, Baujahr 1972, mit einem befreundeten Fotografen und meinem damals 15 Jahre alten Sohn – eine unbeschreiblich schöne Eskapade.

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          Ein musikalisches Theater in New York, „Antigone", von einer Gruppe afroamerikanischer Laiendarsteller in einer Kirche in Brooklyn aufgeführt. Phantastisch.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Nichts.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Wasser mit Zitrone.

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