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Geruchssinn : Duft der Wildnis

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Dozent unter dem Dach des Dschungels: Wenn es um Pflanzen und ihre Duftstoffe geht, blüht Laurent Séverac erst so richtig auf. Bild: Christoph Borgans

Auf der Suche nach neuen Aromen zieht Laurent Séverac in Vietnam durch den Dschungel. Denn der Jäger des Dufts macht Parfum, das nur aus Natur besteht.

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          Wenn das Leben von Laurent Séverac ein Parfum wäre: Wie würde es riechen? Nach kräftigem Urwaldholz, nach Lavendel und Rosen, nach wildem Ingwer, nach der harzigen Schwere von Ambra und Oud. Ein Duft, bei dem man meint, gleichzeitig die Marschlieder der Fremdenlegion zu hören und Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“. Aber ist das nur die Kopfnote, der flüchtigste Teil eines Parfums, die schon nach wenigen Minuten verfliegt? Oder riecht man hier die Basis- und die Herznote, die den echten Charakter ausmachen?

          An einem Mittag, an dem die Tropensonne, die keine Jahreszeiten kennt, auf ein kleines Tal im vietnamesischen Dschungel brennt, stapft Laurent Séverac durch die offene Wellblechhalle einer Zimtdestillerie. Überall auf dem Boden liegen Zweige und Blätter des Zimtbaums, die unter seinen Stiefeln brechen und zerbröseln.

          Neben einem Häcksler, aus dem Arbeiter gerade einige festgefressene Äste ziehen, bleibt er stehen und wendet sich an seine Entourage aus drei französischen Praktikanten und zwei vietnamesischen Mitarbeiterinnen: „Dort drüben wird das Wasser erhitzt, in der Grube hier trifft der Dampf auf die gehäckselten Äste und nimmt ihren Duft mit. In den Rohren kühlt er ab.“ Die Praktikanten nicken. Die Assistentin Dung und die resolute Madame Binh kennen das schon. Dass er die Destillerie eben erst am Wegesrand entdeckt hat, merkt man ihm nicht an.

          „Ich mache Parfums wie vor 200 Jahren“

          Zwei Tage lang ist Séverac mit der Gruppe in den Dschungeldörfern Nordvietnams unterwegs. Um seinen Praktikanten, die in Frankreich tropische Landwirtschaft studieren, etwas von seinem Wissen weiterzugeben, aber vor allem, um nach Zutaten für seine Kreationen zu suchen.

          Für seine Seifen, für seine Schokoladen, seine Liköre und besonders für seine Parfums. Séveracs Düfte stammen alle aus der Natur. „Ich mache Parfums wie vor 200 Jahren“, sagt er. Keine synthetischen Riechstoffe, wie sie in der Parfumwelt überall üblich sind.

          Im Tal der Destillerie herrschen Temperaturen wie in einem Backofen, in den eben ein Blech Zimtsterne geschoben wurde. Die Luft ist dick, heiß und klebrig wie Teig. Statt Sauerstoff füllt Zimt die Lungen. Séverac läuft über die Zimtäste und parliert, als ginge er durch einen Wald in Südfrankreich. Vor 50 Jahren wurde er in der Provence geboren, mit 25 kam er zum ersten Mal nach Asien. Sein Cousin, der für die französische Armee in Malaysia arbeitete, hatte ihn eingeladen.

          Beim Destillieren hat er vietnamesisch gelernt

          Schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt staunte Séverac, der gelernte Landschaftsgärtner, über die Blütenfülle. Manche Palme, die in seiner Heimat mäßig gut in Blumenkübeln gedeiht, ragte hier meterhoch in den Himmel. Dazu kamen das herrlich frische Essen und die wunderschönen Mädchen. „Ich weiß nicht wie“, sagt er, „aber an diesem Tag habe ich mich in ganz Asien verliebt.“

          Als Backpacker reiste er 1989 nach Laos - und beschloss zu bleiben. Weil dort keine Landschaftsgärtner gebraucht wurden, ihm aber jede Art von Arbeit mit Pflanzen und Blumen leicht von der Hand geht, begann er, mit ätherischen Ölen zu experimentieren. 1993 reiste er nach Vietnam, weil es dort erfahrene Destilleure gab, von denen er lernen wollte. In Hanoi traf er Madame Binh - die er immer so nennt.

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