https://www.faz.net/-hrx-7x9hc

Geruchssinn : Duft der Wildnis

  • -Aktualisiert am

Mehr Natur bedeutet mehr Geschmack

Madame Binh, die diese Art von Kuchen noch nie gebacken hat, sitzt mittendrin und arbeitet mit. Séverac hockt auf einer Treppenstufe daneben und versucht, die Frauen zu überreden, wenigstens teilweise Honig statt Zucker zu verwenden. Er selbst isst seit Jahren kaum noch Zucker. Und er ist überzeugt, dass mehr Natur mehr Geschmack bedeutet.

Von fast allem, was man schmecken, riechen oder fühlen kann, hat er eine klare Vorstellung der idealen Form. Zu Hause muss das Brot zum Frühstück, ein Baguette aus Sauerteig, so getoastet werden, dass die äußerste Schicht knusprig ist, aber, wenn man mit zwei Fingern drückt, sanft einbricht und das Innere federnd nachgibt. Die Butter soll bis kurz vor dem Bestreichen im Kühlschrank stehen.

Den schwarzen Kaffee dazu hat er selbst geröstet, der Honig ist manchmal verfeinert mit ätherischen Ölen. „Das ist auch ein Grund, warum ich mit niemandem zusammenleben kann“, sagt Séverac. Nach der Tour durch den Norden ist er zurück in Hanoi. Weil er kein frisches Essen im Haus hat, ist er in einen feinen Stadtteil am Westsee gefahren, wo vor kurzem eine französische Crèperie eröffnet hat. Er sitzt auf einem Barhocker am Balkon, in der Hand einen Whisky als Digestif und blickt auf sein Cross-Motorrad am Ufer. „Ich kann nicht ewig mit der gleichen Frau zusammen sein. Ich meine das gar nicht sexuell. Es ist nur so, dass ich keine Kompromisse machen will.“

„Ich will aber keine Familie. Ich will meine Ruhe.“

Bei seinen Parfums, beim Frühstück oder bei seiner Entscheidung, keine Kinder zu wollen. Seiner Freundin, die zehn Jahre jünger ist als er, hat er das schon vor Jahren gesagt. „Ich dachte, sie gibt mir irgendwann den Laufpass. Aber Frauen denken, man ändert sich. Ich will aber keine Familie. Ich will meine Ruhe, meinen Freiraum - und auch das Risiko will ich selbst tragen.“

    Weil er sich für vieles begeistern kann, was mit Natur und Ästhetik zu tun hat, hat Séverac auch mal Bambusmöbel gebaut. Aber er verspekulierte sich, ging pleite und musste Abertausende Euro Schulden abbezahlen. Damals boten seine Eltern ihm an, er könne den Gemüseladen in der Provence übernehmen, wenn der Vater in Rente geht. Es war eine Zeit, in der vietnamesische Gläubiger in sein Haus kamen und es mit seinem Motorrad wieder verließen. Aber Séverac hat gekämpft und ist in Asien geblieben. Parfum herzustellen, vom Anfang bis zum Ende aus der Natur, das fühle sich richtig an. „Ich habe ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Aber ihr Leben ist nicht mein Leben.“ Séverac schweigt, schaut auf den Fluss und nimmt einen Schluck Whisky: „Väter übernehmen Verantwortung für Familie und Kinder. Das sind wirklich mutige Männer. Väter und Fremdenlegionäre.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.