https://www.faz.net/-hrx-9ku7n

David Kross über den Film „Trautmann“  : „Torwart ist ein sehr einsamer Posten“

  • -Aktualisiert am

David Kross im Interview. Bild: dpa

David Kross ist seit Donnerstag mit dem Film „Trautmann“ im Kino zu sehen. Im Interview spricht er über seine Rolle als Fußball-Profi, seine Begegnung mit Kate Winslet und das Gefühl von Heimat.

          5 Min.

          Herr Kross, was wussten Sie vor diesem Projekt über Bert Trautmann?

          Ehrlich gesagt nichts. Der Regisseur Markus H. Rosenmüller und sein Produzent haben mit vor ungefähr fünf Jahren von dieser Geschichte erzählt. Ich dachte sofort: Das ist ein unglaubliche Lebensgeschichte und perfekter Stoff für einen Film. Und wollte unbedingt dabei sein. Die Dreharbeiten wurden dann immer wieder verschoben. Aber so hatte ich viel Zeit mich vorzubereiten. Ich habe alle Trautmann-Biografien verschlungen.

          Das ist das eine. Aber da war ja auch noch die physische Herausforderung.

          Das hatte ich jetzt schon wieder verdrängt. Ich war vorher nicht besonders fit und habe erst einmal mit einem Trainer gearbeitet. Später kam dann noch ein Torwarttrainer dazu. Es hat mir geholfen, dass ich im Alter von fünf bis 15 Jahren Fußball gespielt habe. Aber ich war immer Mittelfeldspieler, stand nie im Tor.

          War Fußball mehr als ein Hobby?

          Ich wollte, wie viele Jungen, irgendwann Fußball-Profi werden.

          Wie gut haben Sie gespielt?

          Ich hatte immer eine ganz gute Technik. Aber letztlich fehlte es an der Physis. Wahrscheinlich hätte ich sowieso nicht das Zeug dazu gehabt. Aber genau deswegen war es für mich grandios, den Fußball-Profi, der in England auch ein Star war, wenigstens einmal spielen zu können. Ich bin jede Woche zum Training gefahren, bis ich die Körpersprache eines Torwarts verinnerlicht hatte. Und irgendwann war ich richtig im Sportler-Modus. Das fühlte sich gut an.

          Bei welchem Verein haben Sie gespielt?

          Ich bin ja in Schleswig-Holstein aufgewachsen, in Todendorf, einem Dorf mit ungefähr 500 Einwohnern. Da habe ich mit fünf Jahren beim VfR Todendorf angefangen. Später sind wir nach Bargteheide, eine Vorstadt von Hamburg, gezogen. Und da war ich beim TSV Bargteheide.

          Sind Sie da jetzt Ehrenmitglied?

          Nein, ich habe da bestimmt keinen Eindruck hinterlassen. Denn irgendwann kam ja die Schauspielerei dazwischen.

          Wie hat sich Ihre Perspektive auf den Torwart-Posten verändert?

          Das ist ein sehr einsamer Posten. Wenn die vorne ein Tor schießen, bist du ganz alleine und wenn du selbst eins rein kriegst eigentlich auch. Du hast ein eigenes Training, unabhängig von der Mannschaft. Es sind schon sehr besondere Charaktere, die im Tor stehen. Du brauchst einen großen Willen und den absoluten Tunnelblick.

          So wie als Schauspieler!

          Ich brauche das, wenn ich eine Rolle spiele, weil ich so gut wie möglich sein will. Und in dieser Zeit kommen dann auch Dinge, die ich sowieso irgendwo in mir trage, zum Vorschein. In diesem Fall war das tatsächlich dieser unbedingte Wille. Da inspiriert mich die Rolle und ich übernehme dann auch Charaktereigenschaften dieses Menschen.

          Sie wirken jetzt vor der Kamera wie befreit. Ist da ein Knoten geplatzt?

          Ich hatte einfach großes Glück mit den letzten drei Rollen: „Simpel“, „Ballon“ und „Trautmann“. Diese Rollen waren völlig unterschiedlich und sehr reich an Facetten. Und Erfahrung macht in diesem Job eine Menge aus. Vielleicht war es gut, dass ich den Trautmann jetzt und nicht vor fünf Jahren gespielt habe. Aber ich glaube ja daran, dass Dinge so passieren, wie es sein soll.Ich sehe diese drei Rollen wie eine Trilogie, denn sie haben ganz verschiedene Aspekte in meinem Charakter angesprochen. Dafür bin ich dankbar.

          Als junger Michael Berg in „Der Vorleser“ wurde David Kross an der Seite von Kate Winslet weltberühmt.

          Welche Charaktereigenschaften hat Bert Trautmann in Ihnen stimuliert?

          Der war sehr entschlossen und ein großer Sportsmann. Es hat auch wieder diese Liebe zum Sport aus mir herausgekitzelt, aber auch das Geradlinige. Trautmann hatte ja eine Menge durchgemacht, auch in der Hitler-Jugend. Und trotz dieser ganzen Gehirnwäsche hatte er diesen unbedingten Sinn für Gerechtigkeit.

          Und den haben Sie auch?

          Ja, aber nicht so extrem wie er. Die Stärke und das Anpackende fand ich auch faszinierend. Sich hinzustellen und die Proteste von 20000 Fans im Stadion einfach auszuhalten, war eine besondere Qualität. In diesen Momenten war ihm das Team immer wichtiger als die eigenen verletzten Gefühle. Und dabei hat er nie mit der Moralkeule gearbeitet. Er wurde eher unbewusst ein Botschafter für den Frieden. Und das hat mich sehr beeindruckt.

          Fühlen Sie sich jetzt vor der Kamera freier?

          Weitere Themen

          Raus aus dem System

          „Krabat“ Staatstheater Mainz : Raus aus dem System

          Das Staatstheater Mainz taucht in die Welt von Otfried Preußlers „Krabat“ ein und bietet dabei ein Stück für Klein und Groß. Es geht um Macht und Verführung, Gut und Böse – und wie sich dazwischen richtig entscheiden lässt.

          Ein Einblick in die Berliner Clubszene Video-Seite öffnen

          „Wie eine Droge“ : Ein Einblick in die Berliner Clubszene

          Freiraum und Kreativität sind Berlins Markenzeichen. Das zieht Künstler, Musiker und Clubpublikum aus der ganzen Welt an. Doch die Szene ist im Wandel. Der angesagte Club Griessmuehle und Techno-DJ DVS1 versuchen, die Clubkultur zu retten.

          Das Böse unter uns

          „Krabat“ in Mainz : Das Böse unter uns

          Ein Jugendbuchklassiker aber nicht nur ein Buch bloß für Kinder: Markolf Naujoks zeigt in Mainz „Krabat“ nach Otfried Preußler als Parabel auf rechtsextreme Ideologie.

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Katanlonien : Barcelona erlebt vierte Krawallnacht

          Die Proteste gegen die Verurteilung von Separatistenführern zu langjährigen Haftstrafen reißen nicht ab. Nicht alle sind gewalttätig: Diesen Freitag soll ein Generalstreik Katalonien lahmlegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.