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„Verschwörung“: In der Roman-Verfilmung, die am 22. November in deutschen Kinos anläuft, verkörpert Claire Foy die Hackerin Lisbeth Salander. Bild: Sony Pictures

Interview mit Claire Foy : „Ich habe mich immer ausgeschlossen gefühlt“

  • -Aktualisiert am

Claire Foy ist als Königin Elisabeth II. in „The Crown“ bekanntgeworden. Jetzt spielt sie Lisbeth Salander, die Rächerin misshandelter Frauen. Ein Interview über stereotype Frauen-Bilder, die Leitfigur Madonna und ihre Tochter.

          7 Min.

          Claire Foy, als Königin Elisabeth II. in der Serie „The Crown“ sind Sie bekanntgeworden. Jetzt spielen Sie in „Verschwörung“, der Fortsetzung von Stieg Larssons „Millennium Trilogie“, Lisbeth Salander, die tätowierte Hackerin und Rächerin misshandelter Frauen. Gibt es etwas, das die Königin und Lisbeth Salander verbindet?

          Auf den ersten Blick sind da nicht viele Gemeinsamkeiten. Aber als ich beide gespielt hatte, habe ich das anders gesehen. Beide vermitteln den Eindruck einer gewissen Gefühllosigkeit. Sie strahlen Kälte aus, können ihre Gefühle nicht zeigen. Das hat mich an beiden Figuren berührt. Denn eigentlich empfinden sie unglaublich viel, sie können es nur nicht ausdrücken. Sie denken zu viel darüber nach, was andere von ihnen halten, und welchen Platz sie in der für sie verwirrenden Welt haben. Als ich erfuhr, dass ich Lisbeth Salander spielen würde, dachte ich zuerst, ich spiele eine extrovertierte, explosive, verrückte Frau. Aber dann habe ich verstanden, dass ich genau das Gegenteil darstellen muss. Lisbeth hat Angst vor der Welt. Deswegen spielt sich ihr Leben vor allem innerlich ab.

          Wenn Sie als Schauspielerin ein Drehbuch lesen, in dem die Hauptfigur eine Heldin ist, die gewalttätige Männer verprügelt – was geht da in Ihnen vor?

          Ich habe erst mal innerlich vor Freude gejubelt! Zu Beginn des Films sehen wir, wie Lisbeth den Chef einer großen Firma bestraft, der zwei Prostituierte schwer misshandelt hat und wegen seiner Macht und seines Einflusses trotzdem nicht angeklagt werden soll. Solche Fälle gibt es ja wirklich. Lisbeth ist nicht bereit, das zu akzeptieren. Aber so sehr ich da auf ihrer Seite bin, wird Lisbeth auch von einer dunklen Seite ihrer Persönlichkeit angetrieben, der sie sich nicht stellen will. Es geht hier nicht nur um Girl-Power.

          Mit welchen Heldinnen sind Sie aufgewachsen?

          Madonna war damals auf jeden Fall eine feste Größe für mich. Sie hat mir immer das Gefühl gegeben: Du bist eine Frau! Und: Es ist keine Schande, deine Sexualität auszuleben. Sie hat neue Regeln aufgestellt und neu definiert, was weibliche Schönheit bedeutet. Sie trug keine Kleider mit Blumenmotiven und keine langen lockigen Haare. Ihr Motto war: Hier bin ich, und ich meine es verdammt ernst. Dafür habe ich sie geliebt. Wer mich auch inspiriert hat, war meine Großmutter mütterlicherseits. Sie war eine Irin aus der Arbeiterklasse, die sechs Kinder großgezogen hat. Innerhalb einer Generation hat sie unserer Familie eine neue Richtung gegeben: Drei ihrer Kinder haben studiert. Ich finde es faszinierend, wie sie in unserer Familie dieses Vermächtnis geschaffen hat, dass es uns allen einmal besser gehen soll. Dafür hat sie hart gearbeitet. Eine phantastische Frau.

          Wie haben Sie Ihr Selbstbewusstsein als Frau gefunden?

          Indem ich auf diesem Weg oft gestolpert und hingefallen bin und vieles falsch gemacht habe. Jetzt erst gelange ich an einen Punkt, an dem ich zwar noch immer nicht die ultimative Antwort gefunden habe, aber zumindest weiß, dass viele Dinge, die ich vorher getan habe, mir nicht gerade geholfen haben.

          Wie meinen Sie das?

          Ich dachte, die Art, wie ich mein Leben gestalte, würde mir Selbstvertrauen geben. Ich habe viele Entscheidungen getroffen, weil ich meinte, davon zu profitieren. Aber tatsächlich muss der Impuls von einer anderen Seite kommen.

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