https://www.faz.net/-hrx-9h4sp

Christine Nagel im Porträt : So arbeitet die Chefparfümeurin von Hermès

Der Ehrgeiz riecht die Möglichkeiten: Weil sie eine Frau ist, konnte Christine Nagel erst über Umwege Parfümeurin werden. Bild: Helmut Fricke

Wenige Marken leisten sich noch einen eigenen Parfümeur. Bei Hermès darf Christine Nagel experimentieren, wie sie will. Ihre Tester sind genau zwei Personen.

          Früh am Morgen ist die Luft klar, früh am Morgen kann Christine Nagel besser riechen. Ihre Nase ist dann noch nicht der Gerüche des Tages überdrüssig. Und wenn man bedenkt, dass die Schweizerin eine professionelle Nase ist, also eine der wichtigen Parfümeure, ist es keine große Überraschung, dass sie diesen Umstand möglichst gut nutzt. Schon oft hat Christine Nagel Duftstoffe so miteinander vermischt, dass daraus Produkte entstanden, nach denen dann Millionen von Frauen und Männern riechen wollten. Bevor es soweit ist, bevor ein Parfum ein Bestseller wird, bevor überhaupt Scharen von Verkäufern auf der Welt instruiert werden, bevor es eine Werbekampagne und eine ansprechende Verpackung gibt, muss es deshalb ganz früh sein, denn das ist ihre Zeit.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am frühen Morgen macht sich Christine Nagel in Neuilly, einem beschaulichen Vorort von Paris, auf zur Arbeit. Sie verlässt ihr Haus und öffnet das Auto. In der Entwicklung eines erfolgreichen Duftes ist dieser Moment eine Schlüsselszene, die sich jeden Tag wiederholt. „Wenn ich am Morgen die Tür meines Wagens öffne, rieche ich mit meiner frischen Nase“, sagt sie. Christine Nagel riecht in so einem Moment nicht das, was andere in Autos riechen, das Material der Sitzpolster, den abgestandenen Kaffee im To-Go-Becher. Damit ihr Tag mit der bestmöglichen Duftprobe beginnt, endet der vorherige damit, dass sie strategisch ihre Arbeiten im Auto verteilt. Wenn sie morgens aufschließt, haben sich die Stoffe in der verschlossenen Kapsel entfaltet – und sie kann anfangen zu arbeiten.

          Diese Frau nimmt Düfte so ernst wie wenige andere Menschen auf der Welt. Und wenn ihre so flüchtige Arbeit nur schwer zu fassen ist, dann ist die Neunundfünfzigjährige umso konkreter mit ein paar anderen Namen zu umreißen. Christine Nagel ist die Frau, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass der New Yorker Modemacher Narciso Rodriguez heute in erster Linie für Parfums steht und erst dann für Kleidung. Dass Jo Malone nun ein modernes Dufthaus ist, Guerlain wiederum ein traditionelles, das den Anschluss an die jüngere Klientel nicht verpasst hat. Christine Nagel hat für Dior und Giorgio Armani gearbeitet, sie kam auf mehrere Dutzend neue Düfte – im Jahr.

          Ein ernstzunehmendes Exportgut

          Dann rief vor zwei Jahren Hermès an. Für einen Parfümeur ist eine Anstellung in einem einzigen Haus ein lebensveränderndes Angebot. Das Pensum verringert sich dann auf manchmal nicht mehr als ein Parfum im Jahr. Ein Parfum, um das die Nase, die es verantwortet, nicht einmal sonderlich kämpfen muss, weil man ihr mit dem Arbeitsvertrag auch das Vertrauen ausgesprochen hat.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Das französische Luxushaus ist eine von zwei Marken, die Aufträge nicht an freie Nasen vergibt; die andere Marke ist Chanel, wo der 44 Jahre alte Olivier Polge als Nachfolger seines Vaters Jacques seit drei Jahren die Parfums verantwortet. Bei diesen beiden Adressen nimmt man Duft tatsächlich noch als ein Kulturgut wahr, für das es in Frankreich lange gehalten wurde.

          Weitere Themen

          So soll Nestlé grüner werden

          Öko-Offensive : So soll Nestlé grüner werden

          Nestlé stand in den vergangene Jahren viel in der Kritik – nun hat der Lebensmittelriese bekannt gegeben, bis 2050 klimaneutral zu werden. Dazu muss er Lieferanten mit ins Boot holen und viele neue Produkte lancieren.

          Topmeldungen

          Fast-Fashion-Tracht : Dirndl für alle

          Eine große Modekette entdeckt das Oktoberfest für sich – mit günstigen Trachten für die Massen. In München kommt das nicht gut an.
          Die meisten Manager finden ihren Job heute schwerer als früher (Symbolbild).

          Studie : Fast niemand will mehr Manager werden

          Es breitet sich die Manager-Müdigkeit aus: Beruflich wollen in Zukunft nur noch wenige eine Führungsposition übernehmen, wie eine neue Studie zeigt. Die Autoren mahnen die Unternehmen auf zu handeln.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.